Schöne Farben...

Peter Gaymann - „Reif fürs Museum“

von Andreas Rehnolt und Frank Becker
Peter Gaymanns Karikaturen
zum Kunstbetrieb
im Arp-Museum
 
Passend zur Ausstellung
„Reif fürs Museum“
im Kölner Wienand-Verlag
 
Unter dem Titel „Sag jetzt nicht: das kann ich auch“ ist  am 31. August im Arp-Museum in Remagen eine Ausstellung mit Zeichnungen von Peter Gaymann eröffnet worden. Die bis zum 24. März kommenden Jahres zu sehende Werkschau widmet sich den Karikaturen Gaymanns über den Kunstbetrieb. Mit spitzer Feder spieße der Zeichner die Skurrilitäten und Kuriositäten aus der Welt der Kunst auf, erklären die Aussteller. Zugleich ist im Kölner Wienand-Verlag das Buch „Reif fürs Museum“ mit 60 farbigen Abbildungen des Zeichners erschienen, dessen Titelillustration Vincent van Gogh gegen IKEA ins Rennen schickt und den Leser in medias res schickt.
 
In Ausstellung und Buch, mit Kapiteln über Klassiker und Flopisten, Museumsbesuche und

© Peter Gaymann
Vernissagen rückt Gaymann die Krisen der Künstler, die Hybris betuchter Sammler sowie quasi alltägliche Szenen aus Museen, Galerien und Kunsthandlungen in den Mittelpunkt der Betrachtung. Die mit leichter Hand geschaffenen, oft verspielt wirkenden Zeichnungen leben vom hintergründigen Humor und vom subtilen Witz des kenntnisreichen Cartoonisten. Galeristen, Museumsdirektoren, Künstler und natürlich Museumsbesucher werden sich, so das Museum „gespiegelt sehen und mit einem Schmunzeln reagieren“. Natürlich wird niemand zugeben wollen, daß ausgerechnet er gemeint ist, wenn ein „Kenner“ vorgeführt wird, indem seiner lässigen Expertise „Absolut zeitlos und vor allen Dingen handwerklich bestechend“ vom Besitzer des Bildes entgegengehalten wird: „Hab ich bei MANUFACTUM gekauft“. Eine andere Zeichnung zeigt einen Maler, der auf einen gruseligen Monumentalschinken letzte grelle Farben aufträgt und einem Besucher selbstbewußt erklärt: „Ich will schockieren!“ Der erwidert knapp: „Dann sagen Sie mal, was es kostet.“ Wieder ein anderer erklärt beim Morgenkaffee seiner Muse, er wolle „heute mal ein Selbstportrait malen“. Woraufhin die Frau an seiner Seite mahnt: „Rasier dich noch vorher!“.
 
Für die Aussteller steht fest: Gaymann verletzt nicht, und er klagt auch nicht an. Vielmehr zeige er „mit der ihm eigenen Herzenswärme und einem Augenzwinkern“ sympathische menschliche Schwächen auf. Dafür stehen etwa Zeichnungen, wie jene, die das Kapitel „Ein Besuch im Museum“ einleitet: Ein zufrieden lächelnder Kunstfreund bewundert einen üppigen Akt von Rubensschen Dimensionen,

© Peter Gaymann
denkt: „Schöne Farben…“.  Auf einem anderen Bild hält ein Galerist einem Interessierten ein barock gerahmtes Bild einer Topfblume vor die Nase: „Wenn Sie das Bild ohne den Rahmen nehmen, kann ich ihnen 90 % Nachlaß geben.“ Das ist doch nett.
Peter Gaymanns Sachverstand erlaubt ihm respektvolle Späße mit den ganz Großen der Kunst: Munchs „Der Schrei“ erscheint als déja vu des Zuschlags bei Sotheby´s, Gaymann löst Piet Mondrian sanft aus seinen Rechtecken, und über den armen, ideenlosen Paul Cézanne kann man fröhlich schmunzeln. Und danke, Herr Gaymann, daß Sie Fettecken ebenso wenig ernst nehmen können wie wir!
 
Bekannt wurde Peter Gaymann 1984 durch seine Hühner-Cartoons – natürlich kommen die hier auch vor: als Titelvignette und dem Schlußtableau „Wie wunderbar! Ein Fressko!“, wo Hühner Hühner auf Wandbildern bewundern - und später durch seine in der Frauenzeitschrift „Brigitte“ erscheinende Reihe „Paar-Probleme“. Das Buch „Reif fürs Museum“ mit 58 überwiegend farbigen Abbildungen des Zeichners ist ein absolutes Muß zur Begleitung der Ausstellung und überhaupt für jeden, der Kunst auch ohne Bierernst betrachten und bewundern kann.
 
Peter Gaymann - „Reif fürs Museum“
C 2012 Wienand Verlag, gebunden, 59 meist farbige Abb., ISBN: 978-3-86832-112-8
14,80 €


© Peter Gaymann
 
Die Ausstellung ist dienstags bis sonntags von 11 bis 18 Uhr geöffnet.