Bilder aus einer verblichenen Republik

Matthias Biskupek: "Trabi, Broiler, Pioniere" - Eine Kalenderreise 2013 durch die DDR

von Frank Becker
Querschnitt
 
Bilder aus einer verblichenen Republik
 
Auch 22 Jahre nach der Wiederzusammenführung der beiden deutschen Nachkriegs-Staaten zu einer vereinten Republik ist die sang- und klanglos kurz nach ihrem 40. Geburtstag dahingeschiedene DDR ein spannendes Thema für Historiker, Sammler und nicht zuletzt für ehemalige Bürger der Republik. Viele Erinnerungen sind mit einem Leben verbunden – und es sind immerhin 17 Millionen Schicksale, die 1990 eine einschneidende Veränderung erfahren haben. Als die DDR abgewickelt wurde, hat man sehr unbedacht viele wichtige Erinnerungswerte vernichtet. Wenn auch dem Überwachungs-Staat, seinem Apparatschik, der Nomenklatura, seinen scheinsozialistischen Diktatoren, dazu dem ewig defekten Zweitakt-Trabant, vielen schlechten DDR-Konsumgütern und Ersatz-Produkten kaum einer nachweinen wird, gibt es eben doch Namen, Artikel, Situationen und Errungenschaften, an denen manches Herz aus lieber Gewohnheit hängt. Schließlich haben die die Bürger des „kleinen Bruders“ der BRD, die sogenannten Werktätigen, mit den wenigen Mitteln, die der bis an die Zähne bewaffnete Staat ihnen zur Verfügung stellen konnte, einiges geschaffen, worauf man stolz sein konnte und worüber man heute mit einer gewissen Wehmut auch schmunzeln kann.

 
 
Matthias Biskupek beschäftigt sich seit Jahren mit dem Thema. Zum dritten Mal erscheint nun beim Harenberg Verlag unter dem Titel „Trabi, Broiler, Pioniere“ ein hervorragend illustrierter und sehr sorgfältig recherchierter Kalender – man könnte es auch ein Buch in Kalenderform nennen, der auf 53 Wochenblättern einen kleinen Querschnitt durch Alltag und Warenwelt der verblichenen Republik zeigt, eine „Reise durch die DDR“, wie es im Untertitel heißt. Biskupek hat sachlich, aber auch mit einer gehörigen Prise Humor Bilder von den Licht- und Schattenseiten, der Mode- und Warenwelt von Errungenschaften aus Industrie und Technik zusammengestellt und kommentiert. Wir begegnen beim Blättern der Grilletta, dem ABV und dem Ikarus-Gelenkbus, Lolek und Bolek, Werner Klemkes zauberhaften Buchumschlägen und  der Küchenmaschine „Komet 4“, bewundern Hermann Henselmanns kühnes Treppenhaus der Berliner Kongreßhalle, schmunzeln über „Fidels Rache“, die wenig beliebten kubanischen Apfelsinen. Woche für Woche eine Fundgrube wird diesen Kalender am 1. Januar 2014 sicher keiner wegwerfen, sondern ihn in die Hausbibliothek stellen.

 


 
 
Matthias Biskupek – „Trabi, Broiler, Pioniere“ - Wochenkalender 2013
(c) 2012 Harenberg Verlag, 53 teils farbige Wochenblätter 16,5 x 23 cm, Spiralbindung
9,99 €

 


Weitere Informationen: www.harenberg-kalender.de