Grandioser Theaterabend

Yasmina Rezas "Kunst" - Gastspiel des Renaissance Theaters Berlin

von Andreas Rehnolt

Grandioser Theaterabend
mit "Kunst"-Gastspiel in Düsseldorf
 
Die drei Vollblutschauspieler Udo Samel, Peter Simonischek
und Gerd Wameling begeisterten im vollbesetzten
Großen Haus des Schauspielhauses

 
Düsseldorf/Berlin - Als Gastspiel des Renaissance-Theaters Berlin gab es am 30. und 31. Januar im Schauspielhaus Düsseldorf einen grandiosen Theaterabend. Zu sehen war das Stück "Kunst" von Yasmina Reza in der Regie von Felix Prader. Die seit 18 Jahren in und mit diesem Stück auftretenden Vollblutschauspieler Udo Samel, Peter Simonischek und Gerd Wameling begeisterten im vollbesetzten Großen Haus das Publikum. Nach knapp zwei Stunden gab es brausenden Applaus, der schier kein Ende nehmen wollte - und strahlende Darsteller auf der Bühne.
Rezas lebenskluges und wortgewandtes Stück über die Halbwertzeit von Freundschaften gilt weltweit als die Komödie der 1990er-Jahre. Prader inszenierte das Stück damals an der Berliner Schaubühne als deutschsprachige Erstaufführung. Und genau wie damals und die ganzen Jahre dazwischen spielt das wunderbare Trio die Erfolgskomödie mit einem solchen Einsatz und einer solchen Spielfreude, daß sich viele im Theater fragten, warum sie so lange auf diesen tollen Abend hatten warten müssen. Das Stück wird im anstehenden Frühjahr weitere Spieltermine im Theater am Gustaf-Gründgens- Platz in der NRW-Landeshauptstadt haben.
 
Es geht darum, daß sich der Dermatologe Serge (Wameling) ein monochromes Bild gekauft hat, ein weißes Ölgemälde mit weißen Streifen. Für sage und schreibe 200.000 Franc. Serges Freund Marc (Samel) findet das Bild "ganz einfach Scheiße". Und dann entbrennt ein erbitterter Kampf, den auch der gemeinsame Freund Yvan (Simonischek) nicht schlichten kann. Zwischen den drei Männern tun sich im Verlauf des Abends tiefe Gräben auf und die langjährige, enge Beziehung zwischen den Dreien steht auf einmal ebenso dramatisch wie komisch zur Disposition.
Lachsalven und Freuden-Tränen gab's am Mittwochabend reichlich. Nicht nur beim Publikum, auch bei den drei Mimen auf der Bühne. Samels gekicktes Lachen und sein vor Prusten hochroter Kopf waren ansteckend. Man konnte als Zuschauer gar nicht anders als mitlachen. Und mancher Bilderfreund in der Stadt der Kunstgalerien wird sich vermutlich gedacht haben, das ein oder andere monochrome Bild in der nächsten Zeit vielleicht besser von der Wohnzimmerwand zu holen. Man ist ja nicht unbedingt darauf aus, alte Freunde zu verlieren.
 
Aber natürlich geht es in dem Stück "Kunst" nicht nur um das weiße Bild als Kunstwerk, sondern es ist auch Metapher dafür, was Freundschaft ausmacht. Die Bedeutung bekommt das Werk durch den Wert der Dreierbeziehung, nicht durch den Kaufpreis. Und es entlarvt auch ein Stückchen auch den Kunstmarkt. Wie sagte Gerd Wameling im Gespräch mit der Tageszeitung "Rheinische Post" am vergangenen Donnerstag? Das Stück sei "nicht gegen die Avantgarde gerichtet, sondern gegen "Des-Kaisers-neue-Kleider-Kunst." Wohl wahr.
 
Weitere Vorstellungen in Düsseldorf: 16. und 17. März 2013

Weitere Informationen: www.renaissance-theater.de  -  www.duesseldorfer-schauspielhaus.de

Redaktion: Frank Becker