Konrad Hupfer

Ein Nachruf

von Frank Becker

Konrad Hupfer - Foto © Frank Becker

Konrad Hupfer    Komponist und Chronist
(1935 - 2013)
 
Das Ohr am Puls der Zeit – Versuch einer Annäherung
 
Konrad Hupfer zählte zu den Stillen im Lande. So aufmerksam er die Geschehnisse um sich herum beobachtete, aufgriff und in Klänge umsetzte, so wenig sprach er über sich selbst. In sich gekehrt, streng wirkend, entpuppte der schlanke grauhaarige Mann mit den markanten Zügen sich in der Unterhaltung über seine kompositorische Tätigkeit als aufgeräumter, ja sympathisch sprudelnder Gesprächspartner, dessen Begeisterung über und an der Arbeit mit Neuer Musik aus der Tiefe kam. Am 4. März ist Konrad Hupfer gestorben.
 
Zu ihm paßte ein Kernsatz, den er einmal spontan geäußert hat: „Ich stecke voller Musik – die muß hinaus!“ So wie er als junger Mann ohne Förderung des Elternhauses die Musik für sich entdeckt und sich konsequent ausgebildet hat (Klavierstunden bei Harald Rühl, schon 1951 Gründung einer ersten eigenen Jazz-Band, danach über Jahrzehnte neben Broterwerbs-Tätigkeiten Privatstudium der Kompositionslehre), hat Konrad Hupfer eigene Wege gefunden, die Musik „rauszulassen“, die in ihm steckte.
Beeinflusst vom pochenden Puls des Jazz, angestoßen von der Rhythmik Lennie Tristanos in „Intuition“ aus dem Jahr 1949 hatte er sich dem Cool Jazz zugewandt, in den 60er Jahren mit Weggefährten wie Dieter Fränzel und Ingrid Schuh., und von dort den Weg zur Neuen Musik gefunden. Steinig sei dieser Weg gewesen, ließ er durchblicken. Von den 70er Jahren an bekam die Sache Form, als er an der Bergischen Musikschule Wuppertal nun selbst Unterricht in Komposition und Satzlehre erteilte. Kompositionsaufträge, Aufführungen und Rundfunk wurden häufiger. 1975 wurde Konrad Hupfers Oper „Thyll Ulenspiegel“ ausgezeichnet, das Sinfonieorchester Wuppertal unter Hans Martin Schneidt führte seine „Modulation für großes Orchester“ auf. Das Jugenorchester Wuppertal und die Bochumer Symphoniker folgten. Ein weiterer Zweig seiner Arbeit sproß in den 80ern, als er mit „maßgeschneiderten“ Kompositionen zu Ausstellungseröffnungen begann, „weil die üblichen Musiken meist überhaupt nicht paßten“. Anlaß und Ort wurden einbezogen, zur Einheit mit der darstellenden Kunst. Darauf mußte man nur kommen.
 
Marksteine wurden die Aufführung seines „Orchesterbild mit Amadeus“ mit den Bergischen Symphonikern Remscheid 1991 und „Prolog und Klangskulptur – Zeit – Raum – Klang 2000“ zur 100-Jahr-Feier der Historischen Stadthalle Wuppertal. Hier hatte er aus eigenen Kompositionen und „Geräuschen aus kommerziellen Klangdepots“ ein zeitgeschichtliches Dokument zusammengestellt, das als akustisches Geschichtsbuch seinesgleichen sucht. Die erfolgreiche Zusammenarbeit mit dem Schauspieler Jörg Reimers (der ihm auch im folgenden Jahrzehnt verbunden blieb) setzte er dabei wie schon 1997 in „Klangkreuz Kirche“, einer Klangskulptur in 7 Hörbildern fort, wie auch im „Capriccio“ nach Texten und Musik von E.T.A. Hoffmann, das im September 2001 mit Reimers, Gerhard Palder, Torsten Hermentin und dem „Nova Ensemble Wuppertal“ in der Immanuelskirche seine Uraufführung erlebte. Reimers und die Schauspielerin Julia Wolff  begleiteten Hupfers Werk im ersten und beginnenden zweiten Jahrzehnt des neuen Jahrhunderts. Zu seinen letzten großen Werken gehörten die „ Apokalypse“ (2010) und „Im Wirbel des Maelström“ (2011)
 
Die Gründung des „Nova Ensemble Wuppertal“ für Neue Musik und des „Forum Neue Musik Wuppertal“ im Jahr 1992 stellten eine bedeutende Zäsur in der Arbeit des Komponisten dar. Mit ihm und seiner Arbeit stand und lebten auch die Konzertreihen unERHÖRT, die viele seiner Kompositionen uraufführte und die Bergische Biennale für Neue Musik, sowie die Bergische Gesellschaft für Neue Musik (BeGNM), deren Gründungs- und Vorstandsmitglied er war.
 
Am 4. März ist Konrad Hupfer im Alter von 77 Jahren gestorben.