Jeder könnte das machen

»Sehr Schön. C.O. Paeffgen im Arp Museum«

Red./Bec.

C.O. Paeffgen - Zwölf Töne, 1982 Foto FriedrichRosenstiel, VG Bild-Kunst, Bonn 2013

Jeder könnte das machen
 
Ausstellung »Sehr Schön. C.O. Paeffgen im Arp Museum«
22. März – 1. September 2013
 
»C.O. Paeffgen zeichnete sich in der Community der Artisten und ihrer Dealer immer schon
als besonders intelligent aus.«

(Bazon Brock, 2013)
 
Im Fußball würde man es eine gerissene Taktik nennen: die künstlerische Methodik C.O. Paeffgens, der das freie künstlerische Spiel, das von einem unerschöpflichen Zufluß aus dem Fundus der Alltags- und Medienwirklichkeit lebt, perfektioniert hat. Es ist also kein Zufall, daß Paeffgen ein enorm abwechslungsreiches und zugleich strukturiertes Werk geschaffen hat, seitdem er sich 1968 dazu entschied, die Juristerei an den Nagel zu hängen und in einer gemeinsamen Ausstellung mit Bazon Brock und Joseph Beuys eine mit Draht umwickelte Matratze zeigte.
Eine offene künstlerische Botschaft wollte Paeffgen mit seinen Arbeiten dabei nie ausdrücken und der Autodidakt sagt selbst: »Jeder könnte das machen, was ich mache«. Aber stimmt das wirklich? Gerade das scheinbar Simple in der Kunst ist eine Herausforderung. Mit seinen immer wieder verwendeten Motivsymbolen – dem Herz mit und ohne Pfeil, der Maus, der Schleife, dem Mond und dem Fragezeichen – hat er eine verdichtete Zeichensprache konstruiert, die komplexe Sachverhalte und tiefe Emotionen zum Ausdruck bringt. Damit schafft Paeffgen laut Bazon Brock wahrhaftige »Formstandards«, die den Emoticons der Twittergeneration sehr ähnlich sind. Paeffgens Werk ist also nicht nur »Sehr Schön«, sondern vor allem sehr aktuell.

C.O. Paeffgen , Sehr Schön 1969, Foto: Friedrich
Rosenstiel, VG Bild-Kunst, Bonn 2013
 
Mit der groß angelegten Ausstellung im Rahmen des diesjährigen Themenjahres »Künstler-Ich« feiert das Arp Museum Bahnhof Rolandseck nun den 80. Geburtstag von C.O. Paeffgen (*1933 in Köln, lebt und arbeitet in Köln). Der überregional und international erfolgreiche Künstler zählt im Rheinland zu den bedeutendsten zeitgenössischen Künstlern. Für die Schau übernimmt Paeffgen den künstlerischen Gesamtentwurf und entführt den Betrachter damit in seinen unverwechselbaren bildnerischen Kosmos. Neben der Ausstellungskonzeption, die er in intensiver Zusammenarbeit mit der Kuratorin Jutta Mattern entwickelt hat, gestaltet er federführend den Katalog
 
»C.O. Paeffgen ist ein bedeutender deutscher Künstler und sein 80. Geburtstag ist ein willkommener Anlaß, diesen tief im Rheinland verwurzelten Künstler mit einer retrospektiven Ausstellung zu würdigen. Zusammen mit Michael Buthe, K.O. Götz und Daniel Spoerri präsentiert das Arp Museum Bahnhof Rolandseck C.O. Paeffgen in seiner 2009 begonnenen ‚Rheinischen Reihe‘. Zudem verdeutlicht Paeffgens erste große Museumsausstellung im Rheinland seit zehn Jahren eindrucksvoll, wie unverwechselbar sein künstlerisches Schaffen in Malerei, Zeichnung und Skulptur ist«, so der rheinland-pfälzische Kulturstaatssekretär und Vorsitzende der Landes-Stiftung Arp Museum Bahnhof Rolandseck, Walter Schumacher, anlässlich der neuen Ausstellung.
Museumsdirektor Dr. Oliver Kornhoff freut sich über den gelungenen Beitrag zum Themenjahr »Künstler-Ich«: »Aus der ersten Einladung zur Geburtstagsschau vor rund drei Jahren hat sich für uns wie für C.O. Paeffgen ein einmaliges Projekt entwickelt. Dabei ist es großartig, daß Paeffgen die Ausstellung überwiegend in eigener Regie entwickelt und sogar den Katalog hierfür gestaltet hat. Wir freuen uns, daß einige Arbeiten nach langer Zeit erstmals wieder ausgestellt werden und ein Werk speziell für die Ausstellung entstanden ist.«
Mit rund 75 Ausstellungsobjekten, die von Zeichnung und Malerei bis hin zu Skulptur und Installation reichen und ausschließlich aus seinem Atelier stammen, läßt C.O. Paeffgen den Zuschauer an seinem fünf Jahrzehnte umfassenden Kunstschaffen teilhaben. Hierzu gehören seine legendären, ironisch kommentierten »Umrandungen«, die zu seinem Markenzeichen wurden. Die mit Filzstift markierten Konturen auf Zeitungsfotografien und Massenprintmedien schaffen neue

C.O. Paeffgen, Madonna - Foto © Mick Vincenz 2013
Wirklichkeitsebenen und Zusammenhänge. Um ganz andere Dimensionen geht es in seinen »Umwicklungen«. Hier formt er charakteristische Wand- und Bodenskulpturen durch das Umwickeln unzähliger Fundobjekte mit Draht.
 
Es entstehen groß- und kleinformatige, detailreiche und fantasievolle Skulpturen, die die Ausstellungsfläche akzentuieren. Mit seiner Werkreihe der »Objekte in Farbe« läßt Paeffgen aus lapidaren Obst- und Gemüsekisten vielgestaltige, malerisch bearbeitete Objekte werden.
Die für C.O. Paeffgen so typischen Motive, wie das Fragezeichen, das Herz, der Pfeil, die Maus, die Schleife und der Mond, die auch unsere alltäglichen Wahrnehmungswelten mitprägen, tauchen in ganz unterschiedlichen Kontexten immer wieder auf und regen zu einem Suchspiel an. Die Ausstellung ist darauf angelegt die Besucher an vielen Stellen zu überraschen, sei es durch erotisch-pornografische Anspielungen, die sich uns unverblümt zeigen oder durch objekthaft gestaltete Sitzgelegenheiten, die zwischen Skulptur und Gebrauchsgegenstand oszillieren. Es gilt die Welt von C.O. Paeffgen in ihrer gesamten Vielfalt und skurrilen Lebendigkeit zu erkunden.
 
Der Katalog zur Ausstellung erscheint in der Verlagsbuchhandlung Walther König und enthält ein Vorwort von Museumsdirektor Oliver Kornhoff (Hrsg.) sowie Texte von Stephan von Wiese, Rochus Kowallek, Bazon Brock und Gesprächsnotizen der Kuratorin Jutta Mattern mit C.O. Paeffgen. Fotografien von Mick Vincenz und Friedrich Rosenstiel (Verkaufspreis: 28 Euro, 152 S. mit 96 farb. Abb., brosch. – Texte in dt. & engl. Sprache).
 
Öffnungszeiten: Dienstag bis Sonntag und Feiertage 11–18 Uhr
Eintrittspreise: 8 €, erm. 6,50 €
 
Homepage: www.arpmuseum.org  
Twitter: @arpmuseum  

Redaktion: Frank Becker