Der Dalai Lama lacht (ich auch)

Ein offenes Wort

von Frank Becker

Foto © Peter Grewer für Uni Münster

Dalai Lama wieder in Deutschland


...titelt die Bild-Zeitung am 21. September und zeigt wie viele andere deutsche Gazetten ein DPA-Foto, das den lachenden tibetischen Würdenträger neben einer 1975 von Irsa von Leistner modellierten Bronze- Büste zeigt, die ihn darstellt. Zumindest wird das behauptet. Es kommt wohl auf die Sicht der Dinge an. 30 Jahre ist die Büste alt und dennoch kann ich nicht einmal die Ahnung einer Ähnlichkeit - und damit meine ich die physische wie die transzendentelle - mit dem damals jüngeren geistigen und religiösen Oberhaupt Tibets, geschweige denn mit dem Porträtierten heute sehen. Nun, sich von der Wirklichkeit und der Wahrhaftigkeit zu entfernen, ist sicher das Recht der Kunst. Auf Anerkennung pochen kann sie jedoch nicht. Auf- und ausgestellt wurde die Bronze an der Universität Münster zum Anlaß der Verleihung der Ehrendoktorwürde
für Naturwissenschaften an Tenzing Gyatso (so der weltliche Name des Tibeters) und sie hat sicherlich mächtig viel Geld gekostet.

Portrait des Dalai Lama: Peter Hohberger
Foto © Frank Becker

Da fragt man sich denn, wieso der in Deutschland so überaus
(besonders bei Wolfgang Nitschke) beliebte Dalai Lama lacht. Daß er humorbegabt ist, wissen wir. Ist er über die eklatante äußere wie innere Unähnlichkeit nur amüsiert - oder lacht er aus Verzweiflung? Lacht er, weil er immer lacht? Ich glaube, er lacht mit einem gewissen Galgenhumor eher ungläubig, weil er kaum fassen kann, daß er das sein soll. Ich lache herzlich mit, denn ein großer Name (Irsa von Leistner hat einen solchen) bürgt ganz offensichtlich nicht unbedingt dafür, daß am Ende auch etwas Brauchbares herauskommt. Ich weiß von einem Bildhauer, der vor 20 Jahren den Dalai Lama so portraitiert hat, daß man in der Büste die äußeren Züge des großen Mannes und das, was ihn geistig ausmacht, erkennt.
Peter Hohberger heißt der Bilhauer. Man hätte ihn fragen sollen.

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