Chris Howland

Der Radio-Star starb im Alter von 85 Jahren

von Andreas Rehnolt und Frank Becker

Foto © Frank Becker


„Mein großer Wunsch war Hollywood“

 
Der in Deutschland berühmt gewordene englische Entertainer,
Schauspieler und Sänger Chris Howland starb im Alter von 85 Jahren


Rösrath – Der charmanteste deutsche Radio-Plauderer war ein Engländer: Chris Howland. „Mein großer Wunsch war Hollywood, das war mein Ziel. Als Schauspieler, Komiker, Humorist. Aber das ist mir nicht gelungen“, sagte er an seinem 80 Geburtstag vor fünf Jahren. Der Fernseh- und Rundfunkmoderator, Sänger und Schauspieler war mit seinem Leben dennoch zufrieden. „Da war auch so immer genug zu tun, genug zu streben, das Leben war für mich immer interessant“, sagte Chris Howland, der in Deutschland vor allem durch die Moderation seiner erst im Rundfunk, dann im Ersten Fernsehprogramm ausgestrahlten „Musik aus Studio B“ zwischen 1954 und 1969 bekannt wurde, damals.

Howland produzierte und moderierte außerdem von 1961 bis 1963 das Original der Sendung „Vorsicht Kamera“, die für viele Entertainer in den nachfolgenden Jahrzehnten Vorbild war. Unvergessen die Szene, in der eine kleine Isetta an der Tankstelle vorfuhr und dem Tankwart die Augen aus dem Kopf quollen, als das winzige Gefährt tatsächlich 200 Liter Benzin schluckte. Mit dieser Show wurde der am 30. Juli 1928 in der britischen Hauptstadt London geborene Howland zum Chefspaßmacher im deutschen Fernsehen. Auch in vielen Schlagerfilmen, Wallace-Krimis und Kinokomödien der 60er Jahre war der Brite zu sehen. So etwa in „Witwer mit fünf Töchtern“ oder im „Henker von London“ und nicht zuletzt in fünf Karl-May-Filmen als skurriler britischer Lord.

Eigentlich wollte John Christopher Howland, das war sein voller Name, Tierarzt werden. Er absolvierte sogar eine Ausbildung als Imker. Aber der Zweite Weltkrieg machte ihm einen Strich durch seine Pläne. Gleich nach dem Krieg begann er als Rundfunksprecher beim britischen Soldatensender BFN in Hamburg. Schon bald darauf wurde er beim Sender Chef der Musikabteilung, ehe er 1953 als Diskjockey zum damaligen Nordwestdeutschen Rundfunk (NWDR) und dann zum WDR nach Köln wechselte. Nach kurzen Zwischenstationen beim englischen Fernsehen kehrte Howland nach Deutschland zurück.
 
Sein nach wie vor gebrochenes Deutsch wurde sein Markenzeichen wie das selbst gewählte Pseudonym „Heinrich Pumpernickel“. Auch als Schlagersänger hatte Howland Erfolg. „Das hab ich in Paris gelernt“, „Kleines Mädchen aus Berlin“ und „Der Dumme im Leben ist immer der Mann“ (mit Fred Bertelmann) hießen seine wohl bekanntesten Schlager in den 60er Jahren. Nach dem Aus für die Fernsehsendungen „Musik aus Studio B“ und „Vorsicht Kamera“ war es dann lange Zeit still um Howland. 1975 tauchte er in Sendungen wie „Schlager für Schlappohren“ oder „Souvenirs, Souvenirs“ wieder in Programmen auf. Beim Privatsender Sat1 wagte er sich auch an eine Neuauflage seiner Erfolgsserie „Vorsicht Kamera“.
50 Jahre nach seinem Einstand beim WDR war „Heinrich Pumpernickel“ auch wieder am Plattenteller beim WDR: Regelmäßig war er bei
WDR 4 mit seinen „Spielereien mit Schallplatten“ zu hören - und natürlich auch als Eröffnungsmelodie sein Standard „Melody Fair“ von Robert Farnon, der Chris Howland durch alle seine Studio B-Sendungen in Rundfunk und Fernsehen begleitet hat. Wer gerne noch einmal die Stimme des blutjungen Chris Howland hören möchte, der als BFN-Sprecher in den späten 1940er Jahren die Hörer
(natürlich noch auf Mittelwelle) von Hamburg aus zum morgendlichen Swing begrüßt, kann das auf der CD „Anglo-German Swing Club - Als der Swing zurück nach Hamburg kam“ erleben. Die ersten 30 Sekunden des Albums gehören nämlich ihm im O-Ton.

1995 erschienen bei Kiepenheuer & Witsch Chris Howlands Erinnerungen unter dem Titel „Happy Days?“. Noch vor wenigen Jahren ist der in Rösrath bei Köln lebende Moderator auf Lesetour durch Deutschland gegangen als Mitautor eines Witze-Buches mit dem Titel „Kennen Sie den...? - Die Lieblingswitze der Deutschen. Und zum Witze-Erzählen kam der sympathische Entertainer übrigens regelmäßig nach Remscheid in den Künstlertreff „Denkerschmette“. Wie gestern bekannt wurde, starb er bereits in der Nacht zum vergangenen Samstag im Alter von 85 Jahren.

Redaktion: Frank Becker