Trügerische Ruhe

Sabine Moritz in der Kunsthalle Barmen

von Frank Becker

Sabine Moritz - Foto © Frank Becker
Trügerische Ruhe
 
Sabine Moritz verblüfft und beunruhigt
 
Frieden ist die Abwesenheit von Krieg. Sabine Moritz´ malerisches Werk läßt diese Aussage porös werden. Militärische Fahrzeug-Kolonnen, Hubschrauber-Staffeln, Kriegsschiffe, Soldaten lassen in ihren tief beeindruckenden, ja beängstigenden Bildern die mit Uniformen und militärischem Gerät permanent verbundene latente Gewalt deutlich werden. Da wirken abschwächende Erklärungsversuche eher hilflos. Die Brutalität des Krieges, die von kriegerischen Aktionen ausgehende unmittelbare Gewalt, wie gegenwärtig von Putins Rußland gegen jedes Völker- und Kriegsrecht auf der Krim demonstriert, ist in ihrer Bedrohlichkeit körperlich spürbar in Sabine Moritz´ Bildern präsent. Seit der Kuba-Krise 1962 sieht die Welt aktuell zum ersten Mal wieder dem fürchterlichen Schrecken eines Weltkriegs ins Gesicht. Sabine Moritz´ Bilder in der Wuppertaler Ausstellung wirken da, wenn auch ungeplant, wie ein Menetekel.
 
Dagegen treten andere Sujets wie ihre düsteren Blumenmotive, „Momentaufnahmen“ wie „Binz“ (für das sie 2003 ein ganzes Jahr aufgewandt hat) oder „Dach“ (2003), das surreal wirkende und doch die Tristesse des real existierenden Sozialismus der DDR wiedergebende „Nashorn“ (1997), die Bleistift- und Buntstiftzeichnungen „Lobeda“ und „Jena“ beinahe heiter zurück.
Wer bis dahin beim Durchgang durch die hervorragend gehängte Ausstellung noch den hohen künstlerischen Wert der gezeigten Exponat nach vorne stellte, wird im letzten Raum eines Anderen belehrt: mit dem Gemälde „Das Kopftuch“ (2010) schnürt Sabine Moritz dem Betrachter das Herz und den Atem ab. Der Realismus einer bevorstehenden Erschießung in diesem Bild greift trifft tief ins Mark, zeigt die Erbarmungslosigkeit des legitimierten Mordens, bei dem beide Opfer sind, Täter und Delinquentin.


Sabine Moritz, Das Kopftuch (2010) - Foto © Frank Becker
 
Selten, nein: noch nie habe ich eine Presse-Präsentation einer Kunstausstellung erlebt, bei der die anwesenden Journalisten so wenige Fragen zu stellen hatten wie gestern in der Kunsthalle Barmen des Wuppertaler Von der Heydt-Museums. Und: recht schnell ergab es sich, daß die Intention, die Motivwahl und die Technik der Bilder von Sabine Moritz nur wenige Fragen nötig, mehr noch, viele Fragen obsolet macht. In ihren Arbeiten ist sie eine ungemein intensive Erzählerin, die dem Schauenden anspruchsvolle Aufgaben stellt, während sie sich selbst zurückzieht. Ein starker Charakter, eine überzeugende Künstlerin, eine in ihrer Zurückhaltung faszinierende Frau. Dr. Gerhard Finckh hat mit der Entscheidung für diese Ausstellung, kuratiert von Dr. Beate Eickhoff, erneut feines Gespür für eine zukunftsweisende Künstlerin bewiesen.
 

Sabine Moritz, Dach (2003) - Foto © Frank Becker

Die Ausstellung wird am Sonntag, 9.3.2014, 11.30 Uhr, in Anwesenheit der Künstlerin eröffnet.
Von der Heydt-Kunsthalle – Geschwister Scholl Platz 4-6 – 42275 Wuppertal

Weitere Informationen: www.von-der-heydt-kunsthalle.de