„Der große Zeitvertreib“

Museum Kunstpalast zeigt Zeichnungen von George Grosz

von Andreas Rehnolt

Straße bei Tag 1914 © Estate of George Grosz, Princeton, N.J., VG Bild-Kunst, Bonn 2014, Foto Horst Kolberg, Neuss

„Der große Zeitvertreib“
 
Museum Kunstpalast zeigt Zeichnungen von George Grosz
 
 
Düsseldorf - “Der große Zeitvertreib“ ist der Titel einer Ausstellung zum zeichnerischen Werk des Malers und Karikaturisten George Grosz, die ab heute, Karfreitag bis zum 17. August im Düsseldorfer Museum Kunstpalast zu sehen ist. Neben Otto Dix gehörte Grosz (1893 bis 1959) zu den bedeutendsten Vertretern der „Neuen Sachlichkeit“ und ist vor allem mit seinen gesellschaftskritischen Werken aus der Zeit der Weimarer Republik bekannt geworden.
Die Graphische Sammlung des Museum Kunstpalast besitzt mit 120 Arbeiten einen repräsentativen Querschnitt des Werkes von Grosz. Dieser Bestand konnte für die Ausstellung dank der Cary und Dan-Georg Bronner Stiftung durch hochkarätige Leihgaben aus privaten und öffentlichen Sammlungen ergänzt werden, betont Kuratorin Gunda Luyken. Nach ihren Worten konzentriert sich die Schau auf Werke, die der von Anklagen und Morddrohungen verfolgte Künstler zwischen 1912 und dem Jahr seiner Emigration in die USA im Jahr 1933 schuf. Anlaß für die Ausstellung ist der 55. Todestag des Künstlers am 6. Juli 1959.
 
Mit seinem unverwechselbaren, sparsamen Zeichenstil, der sich mit scharfen Linien auf das Wesentliche beschränkte, hielt Grosz dem Betrachter den Spiegel vor, prangerte an und entlarvte Biedermänner und Brandstifter in den 1920er und 1930er Jahren mit ihrer Spießigkeit und Boshaftigkeit. Die präsentierten Zeichnungen, Fotolithographien und Aquarelle zeigen Alltagsszenen in Berlin und Paris. Grosz zeigte Bilder von Arbeitslosigkeit, Krieg, Prostitution, Armut, sozialer Ungerechtigkeit und Krankheit.
Skizzen aus Kaffeehäusern, immer wieder betrunkene und trinkende Menschen in Kneipen, Schlägereien und brutale Darstellungen von Prostitution in Bordellen und Bars sind zu sehen. Die Titel sind kurz und treffend: „Der Trinker“, „Cafe mit zwielichtigen Gestalten“, „Der Agitator“ oder „Arbeitslose“. Die Menschen in den Skizzen von Grosz sehen immer gedrückt, belastet, ängstlich oder gleichgültig aus. Immer wieder stellt er Vertreter der Kirche, des Militärs und des Großkapitals als Verantwortliche für die unsäglichen Zustände der Menschen dar. 1924 entstand das Bild mit dem Titel „Zwei Clowns“ im Zirkus. Mit ihnen habe sich der Künstler identifiziert, erklärt die Kuratorin.
 
Interessant die 1919 entstandene Fotolithografie „Die Gesundbeter“, die Militärärzte bei der Untersuchung eines Skeletts zeigen. „Diese Darstellung soll Bertolt Brecht zu seinem berühmten Gedicht „Legende vom toten Soldaten inspiriert haben“, erklären die Aussteller. Ein Jahr nach dem Ende des 1. Weltkrieges entstand die Zeichnung „Die Kommunisten fallen und die Devisen steigen“. Dargestellt sind sich tötende Soldaten, im Vordergrund Geld scheffelnde Kapitalisten an einem Wirtshaustisch.
1927 schuf Grosz das Bild „Christus am Kreuz“, das auch deutliche Kritik an der Haltung der Kirche in der Zeit der Weimarer Republik zeigt. Christus streckt Vertretern der Kirche, des Kapitals und des Militärs vom Kreuz herab die Zunge raus. Ein Jahr später entstand die Zeichnung „Christus am Kreuz“, die Christus mit einer Gasmaske zeigt. Dafür handelte sich der Künstler eine Anklage wegen Gotteslästerung ein. Begleitend zur Ausstellung ist ein reich bebilderter Katalog im Wienand Verlag erschienen.


Ecce homo, Blatt XVI Daemmerung 1922 © Estate of George Grosz, Princeton, N.J.
 VG Bild-Kunst, Bonn 2014, Foto © Stiftung Museum Kunstpalast Horst Kolberg
 
Die Ausstellung ist dienstags bis sonntags von 11 bis 18 Uhr, donnerstags von 11 bis 21 Uhr geöffnet.