60 Jahre Pixi-Bücher

Ein Bestseller in Kinderzimmern

von Andreas Rehnolt/Bec.

Ein Bestseller in Kinderzimmern
ist 60 Jahre alt geworden
 
Am 29. April 1954 startete mit dem ersten Pixi-Buch
„Miezekatzen“
eine bis heute andauernde Erfolgsgeschichte
  
Sie sind gerade mal zehn mal zehn Zentimeter groß, sie sind schön bunt und daher sind Kinder seit 60 Jahren begeistert von ihnen: die Pixi-Bilderbücher aus dem Hamburger Carlsen-Verlag. Die bis heute andauernde Erfolgsgeschichte der Reihe startete am 29. April 1954 mit dem allerersten Büchlein mit dem Titel „Miezekatzen“. Der Bestseller in den Kinderzimmern feiert in diesem Jahr seinen 60. Geburtstag und alle Kinder lieben heute die Pixi-Bücher wie die Generation ihrer Eltern oder Großeltern zuvor.
 
Seit ihrem ersten Erscheinen in Deutschland sind nach Angaben des Verlags über 450 Millionen Exemplare verkauft worden. Damit ist das Buch-Projekt, mit dem unzählige Lesekarrieren bei Kindern begannen, die erfolgreichste Buchreihe aller Zeiten. Bislang sind über 2.000 verschiedene Titel auf den Markt und in die Kinderzimmer gekommen. Der Preis für ein Pixi-Buch betrug anfänglich 50 Pfennige, 60 Jahre später zahlt man pro Buch nicht mehr als 99 Cent. Die ältesten der Heftchen sind begehrte Sammlerstücke und in vielen Haushalten gibt es solche „Schätzchen“, die bereits in dritter Generation verschlungen werden.
Zu den Klassikern der kleinen Bücher zählen sicherlich der Erstling „Miezekatzen“ von Miriam Dixon, „Der kleine Kater Schnurr“ (Band 11) und
 
„Hänschen Klein“. Letzteres war 1966 sogar für den Deutschen Jugendbuchpreis nominiert. Märchen der Brüder Grimm, Geschichten bekannter deutscher Kinderbuchautoren wie James Krüss und Hermann Schulz, Bilderbücher von Jutta Bauer und weitere Bändchen von Miriam Dixon, darunter ihre Teddy-Geschichten gehören zu dem schier unerschöpflichen Vorrat an Pixi-Büchern. Natürlich kann niemand all die Titel auswendig hersagen, aber fast jeder Erwachsene kann sich wohl noch an ein der zwei Heftchen erinnern, entweder aus der eigenen Kindheit oder der der eigenen Sprößlinge. 24 Seiten sind die gehefteten Büchlein „stark“ und bringen ein literarisches Gewicht von 20 Gramm auf die Waage.
 
„Ich erinnere mich besonders an das Buch 'Der arme König', das hat mein Vater damals zum Kindergeburtstag mit Puppen für uns nachgespielt“, erinnert sich der knapp 28 Jahre alte Pascal Si-Ho. Bei der 33jährigen Mi-Sah Andrea sind „vor allem die Geschichten von Vilhelm Hansen um den
 
optimistischen kleinen Bären Petzi und seine Freunde Pelle, Pingo und Seebär“ im Gedächtnis geblieben. Die hört jetzt auch ihr eigener, vier Jahre alter Sohn Sam besonders gerne. Übrigens hat sich rund 50 Jahre nach dem ersten
Petzi“ Jutta Bauer dessen getupfte Hose für ihren liebenswerten Bären Emma“ ausgeliehen (können Sie am Mittwoch hier sehen). Beim Betrachten und Durchblättern der hübschen Bändchen werden auch bei der Generation 50 oder 60 plus Erinnerungen wach an erste Leseabenteuer und Lieblingsfiguren, meint Doris Walter, die als Erzieherin in einem Düsseldorfer Kindergarten die Pixi-Bücher auch pädagogisch nutzt.
„Die kleinen Bücher waren und sind auch immer Leseförderung. Wer heute Pixi liest, will morgen große Bücher“, weiß auch eine Mitarbeiterin der Stadtbücherei im rheinischen Neuss. Zudem passen die Bücher im Mini-Format in jede Hemd- oder Hosentasche und selbstverständlich ins Reisegepäck. Beliebt sind die Büchlein zudem als kleines Mitbringsel für zwischendurch, als hübsches Zusatzgeschenk zu etwas Praktischem und als Trostpflaster für kleine Wehwehchen. Ob Märchen und Kinderfeste, Tier- und Alltagsgeschichten, ob Schokolade oder Aufräumen, Ferienerlebnisse oder Phantasiegeschichten - Pixi-Bücher erzählen einfach die verschiedensten Abenteuer.
 
„Deshalb haben sie jedem Kind zwischen drei und sieben Jahren etwas zu bieten“, sagt die Leiterin des Bilderbuchmuseums auf Burg Wissem in
 
Troisdorf bei Bonn, Maria Linsmann. Sie hatte zum 50. Geburtstag der Reihe alle bis dahin erschienenen Pixi-Bücher in einer zauberhaften Ausstellung vereint. 2005 erschien sogar das erste Pixi-Buch zum Thema Solarenergie. Es trug den Titel „Ein Sommerhaus für Mia und Jacob“. Das zweitausendste Buch der Reihe heißt „Der Hund, der bis zweitausend zählte“ und berichtet über den Hund Glenn, der mit seiner Zählerei alle anderen in der Geschichte zu Tode langweilt. Langeweile indes kommt beim Vorlesen oder Lesen der kleinen, farbig illustrierten Geschichten nicht auf.
Immer wieder gibt es Neues zu entdecken und manch ein Knirps kennt sein Lieblings-Pixi genau auswendig und protestiert, wenn Opa oder Mama mal nicht hundertprozentig beim Text bleiben. Etliche Pixi-Bücher thematisieren Situationen aus dem Leben von Kindern und sollen helfen, Ängste abzubauen oder die moralisch richtigen Entscheidungen zu treffen. Der Name „Pixi“ für die Buchreihe wurde nach dem englischen Wort „pixy“ (Kobold) gewählt. Im Jahr 1982 nahm Pixi selbst Gestalt an als kleiner Wichtel mit roter Zipfelmütze, grünem Wams und roten Stiefeln. Daß Pixi mit 60 Jahren in den Ruhestand geht, scheint ausgeschlossen. Immerhin gibt es bereits Pixi-Bücher als Apps mit Animation und Ton-Effekten auf dem iPad.

Weitere Informationen: www.carlsen.de/pixi
 


Redaktion: Frank Becker