Das offene Wort

Kindermund...

von Steffi Engler

Foto © Uiversal/Jens Boldt

Feuchte Träume...

18 Jahre ist der junge Bursche alt, der zwei Mützen übereinander auf dem Kopf trägt und laut Gesetz volljährig ist. Er darf bei Wahlen seine Stimme in die politische Waagschale werfen, den Führerschein erwerben und öffentlich Bier trinken. Tja - und leider auch öffentlich Interviews geben.

Da sondert er dann unausgegorenes Pubertätsgeblubber ab, redet wirr über Frauen, Freundinnen, Sex und Liebe - und niemand verbietet ihm das Maul. Keine Mutter, die ihm den nassen Scheuerlappen um die Ohren haut, kein Vater, der ihn beiseite nimmt und sagt: "Sohn, hör mal...", kein Manager, der zu Recht fürchtet, daß ihm die Fans weglaufen. Ach ja, ich vergaß zu sagen, daß es sich bei dem plappernden Dummkopf um Tom Kaulitz handelt, der in der Kinder-Band "Tokio Hotel" an der Gitarre zupfen und auch so etwas wie Gesang ausüben darf. Dafür bekommt er Geld, erstaunlich genug. Ein Knabe, der vom Leben noch rein nichts wissen kann.
Dieser Knabe - ein Mann ist er ganz sicher nicht, den kleine Mädchen (die meisten werden wohl um die 10-14 Jahre alt, also noch völlig unreife Kinder sein) anschwärmen und in Ohnmacht fallen, wenn das Bürschchen sich irgendwo zeigt, dieser Knabe hat die niedrige Stirn, seine Vorstellung vom kurzen Sex einer Nacht ("...Frauen sollten dabei ruhig mal ein bißchen weniger erzählen. Schreien ist in Ordnung.") in die Welt zu rotzen.  An die Liebe glaube er nicht, läßt er sich vernehmen - außer an die für eine Nacht. Ach herrje, hat denn dem armen Bengel nie jemand davon erzählt, was denn die Liebe sei?
Kindermund, möchte man sagen - aber es handelt sich ja (siehe oben) um einen jungen Erwachsenen, nach dem Gesetz zumindest. Er wird es mangels Erziehung und ganz gewiß mangels eigener Reife - das ist wohl deutlich dokumentiert - vielleicht nicht besser wissen. Aber einer sollte ihm doch mal sagen, daß er dummes Zeug redet - hallo! Sollten Rundfunkanstalten sich nicht weigern, die Platten solcher Dünnbrettbohrer zu spielen und Fernsehsender ihnen nicht die Tür verbieten? Sollten Eltern nicht ihre minderjährigen Töchter vor so einem Dummbeutel schützen und Sturm gegen derart dämliche "Stars" laufen? Wünschen sie sich, liebe Eltern, daß ihre Tochter von so einem  Möchtegern-Macho verführt und nach ein bis zwei Tagen weggeschmissen wird wie ein benutztes Kondom? Wohl nicht. Wenn sich ihre Tochter eine CD des Rotzlöffels zu Weihnachten wünscht, reden sie mal mit ihr über das Thema. Vielleicht redet ja auch mal jemand mit Tom Kaulitz - und wer weiß, vielleicht hat er ja auch nur feuchte Träume...