Tore zum Wissen

Am Rande der 2. Wuppertaler Literatur Biennale ge÷ffnet

von Alicja Darski

Foto © Volker Heise
Tore zum Wissen

Von Alicja Darski
 
Warum?
 
Ich arbeite seit 20 Jahren in einem Umweltinstitut. In dieser Zeit sind unzählige Bücher und andere Publikationen aus der Feder meiner Kolleginnen und Kollegen entstanden. Es ist inzwischen wirklich unmöglich, alle diese Bücher und weitere Publikationen in einem einzigen Leben zu lesen. Irgendwann stellte ich mir die Frage: Was passiert überhaupt mit dem Wissen, wenn es nicht genutzt wird? Wird es wirklich vergessen?
Die Idee des Tores zum Wissen wurde geboren.
Die Entscheidung, mit Büchern zu arbeiten, fiel schnell. Bücher sind unsere Wissensbegleiter. Manche Bücher haben Jahrzehnte, Jahrhunderte überdauert und für uns geduldig den Inhalt, wie in einer Schatulle, bewahrt. CDs oder DVDs sind noch lange nicht so ausdauernd wie Bücher. Nach 20-30 Jahren ist das Leben einer Disc eigentlich vorbei. Und Kassetten, wer kennt noch Kassetten?
Das Projekt visualisiert, daß Menschen bereits ein umfangreiches Wissen zu vielen Themen niedergeschrieben haben. Diese Denk-Installation ist die Einladung durch das imaginäre Wissens-Tor hindurchzuschreiten, sich des Wissens bewußt zu werden und das Wissen auch anzunehmen.
Wir müssen durch die Tore schreiten wie durch einen Scanner auf dem Flughafen, wie durch ein Tor hinein in die Wissenswelt. Es ist unser Wissen. Das haben wir Menschen selber erarbeitet, also nehmen wir es auch an.
 
Denk-Installation
 
Die Denk-Installation umfaßt insgesamt drei Tore, diese stehen für: Vergangenes Wissen, Gegenwärtiges Wissen und Zukünftiges Wissen.
Alle drei Tore sind ähnlich gestaltet. Denn wir können nicht wirklich beurteilen, wann das Wissen bereits „alt“ ist. Den Satz des Pythagoras zum Beispiel benötigen wir, um ein neues Haus zu bauen. Ist Pythagoras´ Satz also wirklich „altes Wissen“? Und auch auf die Frage: Wie „neu“ ist das heutige Wissen eigentlich?, gibt es keine eindeutige Antwort. Manche Gedanken sind geradezu utopisch oder zu revolutionär, sodaß sie erst als vergangenes Wissen verstanden oder genutzt werden können.
Die drei Tore sind in einem Dreieck aufgestellt. Aus der Mitte des Dreiecks heraus kann man jedes Wissen frei betreten und sich auch frei entscheiden, auf welches Wissen man zugreifen möchte oder kann. Das Dreieck gibt dem Rezipienten auch die Sicherheit und die Geborgenheit des Wissens.
Der außerhalb des Dreiecks Stehende nimmt die Helikopterperspektive ein und entscheidet von außen, welches Tor er betreten möchte. Wer außen steht, kann auch auf das gesamte Wissen schauen, es prüfen, hinterfragen, beurteilen – im wahrsten Sinne Abstand nehmen.
Manchmal wähle ich jedoch für den Aufbau die einfache Zeitlinie um den symbolischen Weg des Wissens aufzuzeigen. Wir schöpfen aus dem Wissen der Vergangenheit, generieren Wissen in der Gegenwart und hoffen auf neues Wissen in der Zukunft.
 
Die Installation
 
Die Bauzeit betrug ein Jahr. In den drei Toren sind über 500 Bücher verbaut. Das Alter der Bücher spielte keine Rolle.


"Zeitlinie" - Uni Witten-Herdecke - Foto © Alicja Darski

Bisherige Ausstellungen:
05.2013 Güterhallen, Solingen
06.-07.2013 Stadtbibliothek Wuppertal
2013 / 2014 Wuppertal Institut für Klima, Umwelt, Energie
10.2013 Universitätsbibliothek Wuppertal
Seit 12.2013 Rathausgalerie Wuppertal / Dauerausstellung
Mai 2014 Universität Uni Witten-Herdecke
 
Kontakt zur Künstlerin: über die Musenblätter-Redaktion

Anmerkung der Redaktion: Das spannende und nach unserer Auffassung wunderbar zum europäischen Gedanken passende Projekt der offenen Tore zum Wissen wurde den Organisatoren der 2. Wuppertaler Literatur Biennale von der Künstlerin angeboten. Es fand fand dort bedauerlicherweise keine Berücksichtigung, weil es, Zitat: "nicht zum Thema (Unterwegs nach Europa) passe". Da sind wir anderer Meinung.