Donald Duck wird 80

Der liebenswürdige Pechvogel ist die beliebteste Figur aus Entenhausen

von Andreas Rehnolt/Bec.

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Underduck Donald Duck wird 80
 
Der liebenswürdig cholerische Pechvogel
ist die beliebteste Figur aus der
Comicmetropole
Entenhausen
 

„Wie das rinnt und rieselt! Dahin, dahin!
So zerrinnen die Träume, so verrauscht das Glück!“
(aus: „Die Jagd nach der roten Magenta“).
 
Entenhausen. Donald Duck, der berühmte Erpel aus der Comicmetropole Entenhausen, feiert am 9. Juni, also heute, seinen 80. Geburtstag. Ganz sicher hat Oma Duck ein gewaltiges Buffet ihm zu Ehren aufgebaut, Dauerfreundin Daisy wird einen gigantischen Geburtstagskuchen gebacken haben und die Neffen Tick, Trick und Track haben für ihren „Onkel Donald“ vermutlich ihr Sparschwein geschlachtet und ihm ein würdiges Geschenk besorgt. Onkel Dagobert, der ewige Knauser, überlegt sich wohl immer noch, ob er auch ohne Präsent zum Geburtstagsessen kommen kann (wird er wohl auch).

Wie dem auch sei, Donald wird mit allem Recht kräftig feiern und sich hochleben lassen. Der auf liebenswürdige Art cholerische Erpel schlüpfte am 9. Juni 1934 aus dem Disney-Ei. Das war der Tag, als er als kleine Nebenfigur, bereits in dem typischen hosenlosen Matrosenanzug, bei der Uraufführung des Zeichentrickfilms „The Wise Little Hen“ das Licht der Comicwelt erblickte. Schon zwei Monate später war er Kleindarsteller in einem Micky-Maus-Cartoon. Mit seiner erfrischend ungestümen Art bildete der Newcomer das ideale Gegengewicht zu dem arrivierten Herrn Maus, und bereits 1936 war er gleichberechtigter Co-Star neben Micky und Goofy.

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Damit nicht genug. 1937 erhielt Donald dann seine eigene Kurzfilmreihe. In nur zwei Jahrzehnten entstanden weit über 100 Filme, von denen nicht wenige Kultstatus erlangt haben. Zum 80. Geburtstag hat ihm die Berliner Egmont-Comic-Collection einen 174seitigen großformatigen Comicband mit einigen seiner schönsten Erlebnisse gewidmet. Auf dem Titel heißt es: „Held in allen Lebenslagen“. Die bis heute schönsten Geschichten und Zeichnungen von Donald Duck schuf sicherlich ab 1943 der unvergeßliche und einzigartige Zeichner und Texter Carl Barks, der 1943 in Donalds Leben trat und bis heute den Entenhausen-Kosmos prägt. Doch auch von Vicar, Tony Strobl, Daniel Branca, Jan Gulbransson oder dem Team Freddy Milton/Daan Jippes sind herrliche Donald-Abenteuer gezeichnet worden. Bereits seit 63 Jahren treiben ihn widrige Winde über die Seiten der deutschen Micky Maus-Hefte.

Entweder Erfolg oder ewige Knechtschaft!
(aus: Der goldene Helm)

Mit Barks wurde der liebenswerte Pechvogel außerdem zu dem Träumer und Hysteriker, wie ihn die Entenhausen-Fans bis heute kennen und lieben. „Er organisiert seine eigene Zerstörung, um sich selbst zu beweisen. Das ist seine Tragödie.“, sagte Barks einmal über Donald Duck. In Tausenden von Geschichten ist der Enterich als gerechtigkeitsliebendes Temperamentsbündel mit explosiven Wutausbrüchen, aber auch als leidensfähiger Idealist und unvergleichlicher Melancholiker zum Publikumsliebling avanciert. Ein Stehaufmännchen, mit dem sich viele seiner Fans identifizieren. Seine hervorstechendsten Merkmale sind sicher die frechen, gerne prahlerischen und in unerschütterlichem Selbstbewußtsein großtuerischen Attitüden, die sich oft genug in gerechten Zorn verwandeln, wenn ihn jemand herausfordern will, was schließlich auch regelmäßig geschieht. Und die Reibung mit dem Gegner scheut Donald nicht.



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Unnachahmlich im Film seine Drohgebärden und sein zorniges Geschnatter mit quakender Stimme, die er seit seiner „Geburt“ von Clarence Nash, einem früheren Milchmann bekam. Für Abenteuer in aller Welt im Auftrag oder Beisein seines geizigen Geldonkels Dagobert ist Donald immer zu haben. Ob in China, in Indien, tief im Innern der Erde, auf abgelegenen Inseln, bei vergessenen Völkern im Dschungel, in Timbuktu, im Eismeer oder im Weltall, es gibt vermutlich keinen Winkel im Universum, den Donald Duck nicht schon bereist hat.
Arbeit kommt dagegen oft nur dann in Frage, wenn Donald sich dadurch zu Höherem berufen fühlt und auch das Sparschwein seiner Neffen nichts mehr zum Leben hergibt. Unendlich ist denn auch die Liste der Jobs, die Donald bislang meist nur kurz - in Entenhausen angenommen hat: Feuerwehrmann, Gärtner, Postbote, Kapitän, Truthahnjäger, Schlangenbeschwörer, Cowboy, Kammerjäger, Museumswächter, Bäcker, Fotograf, Zauberkünstler, Glaser, Abbruch-Unternehmer, Uhren-Reparatur-Experte, Traumprüfer, Handelsvertreter, Hundefänger, Harkünstler, Hilfspolizist, Schulpolizist, Schauspieler, Schlagerkomponist, Seetangsammler, Wünschelrutengänger und viele andere mehr. Auch als Quizkandidat machte er Furore. Wenn er mal wieder Onkel Dagobert die Miete nicht zahlen kann, poliert er ihm dafür dessen heißgeliebten ersten Taler im Geldspeicher. Aber eigentlich hätte er gern nur einen Job: Faul in der Hängematte liegen.


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Nur wenige wissen, daß Donald Duck 1943 sogar einmal den Oscar bekommen hat. Für seine Darstellung in dem nazifeindlichen US-Zeichentrickfilm „Der Fuehrers Face“, der die Form eines Albtraums hatte, in dem sich Donald als Arbeiter in einer Nazi-Munitionsfabrik wiederfindet. Während des 2. Weltkriegs agierte Donald patriotisch in etlichen Kurzfilmen. Schon einige Jahre früher gab sich Donald sehr politisch, als er 1936 - nur zwei Jahre nach seiner „Geburt“ für das Amt des amerikanischen Präsidenten kandidierte. Auf dem Cover des damaligen „Mickey Mouse Magazine“ hieß es mit seinem Konterfei: „Donald Duck for President“.
So weit ist es zwar nicht gekommen, aber Donald Duck hat es immerhin schon mal zum Bürgermeister von Entenhausen gebracht (und ist auch anderswo als Kanditat angetreten). Zwar ist er in den 80 Jahren seines Comiclebens ein ausgesprochener Pechvogel und Streithammel geblieben, die Sympathien der Entenhausen-Fans und der Bewohner der Comicmetropole liegen aber eindeutig bei ihm. Seine Neffen, Dauerfreundin Daisy, Oma Duck und selbst Onkel Dagobert ziehen Donalds direkte Art stets der Arroganz des notorischen Unsympathen und ewigen Glückskindes Gustav Gans vor. Kein Wunder, ist Donald doch in all den Jahrzehnten bis heute mit all seinem Freud und Leid wahrlich einer von uns gewesen und geblieben. Herzlichen Glückwunsch, lieber Donald, wir wünschen Dir eine schöne Geburtstagsfeier!


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„Und lieg' ich dereinst auf der Bahre /
So denkt an meine Guitahre /
Und gebt sie mir mit in mein Grab.“
(aus „Der rührselige Cowboy“,
zugleich: Hymne der D.O.N.A.L.D.)


Weitere Artikel und Informationen über Donald Duck
in den Musenblättern → hier


Noch mehr über die hehre Ente: www.ehapa.de  und  www.donald.org
 
Reducktion: Frank Becker