Ist das Kunst, oder kann das weg?

Die Mutter aller Fragen - gestellt

von Johannes Vesper

Foto © Johannes Vesper

Ist das Kunst oder kann das weg?

Notizen zur Statue aus China im Wuppertaler Engelsgarten

Vor einigen Jahren wurde das Geschenk aus China schon angekündigt. Jetzt steht es seit Juni 2014 da: Friedrich Engels aus Bronze 3.85 m hoch, 1,18 m breit, 1,12 m tief und schwer, nämlich 868 kg aus Bronze. Etwas steif, naturalistisch vor sich hin sinnierend, ein Philosoph, kein Revolutionär. Der chinesische Staatsbildhauer Zeng Chenggang ist in China bekannt als derjenige, der während der Olympischen Sommerspiele 2008 in China für die Kunst im öffentlichen Raum verantwortlich war. Er schuf 2007 eine Skulptur mit dem Titel „Immer neuer Aufbruch“. Diesem Anspruch wird unter künstlerischen Gesichtspunkten die doch konventionelle Engelstatue vor dem Engelshaus in Barmen nicht gerecht. Sie erinnert eher an die zahllosen Bismarckstatuen aus der Zeit um 1900. In Wuppertal wird immer wieder darauf hingewiesen, daß die Aufstellung dieser Engelsstatue erfolgte, um chinesischen Touristen ein Foto zu ermöglichen, mit dem sie, zurück im Reich der Mitte, ihren Freunden belegen können, daß sie nach Barmen, der Geburtsstadt des in China sehr geschätzten Revolutionärs, gereist waren.
Man will in Wuppertal aus wirtschaftlichen Überlegungen heraus gute Beziehungen zu dem riesigen Markt im fernen Osten und glaubt, daß die Annahme dieses Geschenkes aus China der Qualität solcher Beziehungen dient. Künstlerische Aspekte spielten bei der Aufstellung der Skulptur keine Rolle. Dabei wurde in der Stadt wurde aber mehr oder weniger intensiv diskutiert, ob das Kunst sei. Die Statue fördert nicht den Fortschritt des Erinnerns. Ist das Kunst, oder kann das weg? Diese berühmte Frage ist hier falsch gestellt. Wuppertal benötigte lediglich ein Fotomotiv für Touristen. „Die starke Linke“ von Alfred Hrdlicka (1928-2009) ist eine starke Skulptur, steht näher am Engelshaus und erinnert in Barmen mehr als 20 Jahren würdiger an den großen Sohn Barmens. Auf sie trifft eine Äußerung von Robert Musil nicht zu, der 1927schrieb: „Nichts auf der Welt, was so unsichtbar wäre, wie Denkmäler“. Sollte eine solche Wahrnehmung eines Tages für den chinesischen Engels zutreffen, wäre uns das Schicksal gnädig gewesen.

Johannes Vesper