Huch!

Heike Kati Barath mit der Ausstellung „Du auch hier“ in der Von der Heydt Kunsthalle

von Frank Becker

© VG Bild-Kunst Bonn - Foto: Frank Becker
Huch!
 
Heike Kati Baraths Arbeiten machen Spaß
 
Treffen sich im Himalaya zwei Yeti, sagt der eine:
„Du, ich hab Reinhold Messner gesehen!“
Erwidert der zweite: „Was, den gibt´s wirklich?“
 
Die neue Ausstellung in der Von der Heydt Kunsthalle Wuppertal Barmen hält, was das Konzept des Museumschefs Dr. Gerhard Finckh für die Kunsthalle verspricht: junge Kunst mit Substanz, die überrascht und neue Horizonte öffnet. Bis zum 25. Januar 2015 werden Arbeiten der in Berlin lebenden Bremer Kunstprofessorin Heike Kati Barath in den hellen Ausstellungsräumen zu Gast sein, Kunstwerke, die amüsieren ohne nach tiefgründiger Interpretation zu verlangen. „Du auch hier“ heißt die Präsentation von Bildern, die gar nicht so fern vom Comic aus einem Skizzenbuch der Kindheit stammen – nicht aus Kati Baraths, notabene, das betont sie ausdrücklich, sondern aus topischen Situationen. Es sind quasi die malerischen „Niederschriften“ von Gedächtnisprotokollen, die sie tagtäglich auf ihren Wegen durch die Stadt und durch die Natur anfertigt. Streiflichter, Mimiken, Momentaufnahmen. Heike Kati Barath gibt ihren Bildern in überwiegens fröhlichen, hellen Pastelltönen keine Titel.


Foto © Frank Becker
 
Wer vom Treppenhaus der einstigen „Ruhmeshalle“ im 2. Obergeschoß nach rechts in den ersten Ausstellungs-Raum einbiegt, dem könnte beim Blick um die Ecke ein freudig-überraschtes „Huch!“ entschlüpfen – so jedenfalls geschah es mir – das sich später gelegentlich durchaus wiederholt. Über-lebensgroße, auf den ersten Blick scheinbar konturlose Figuren und Gesichter lassen dann doch beim genauen Hinschauen Charakter erkennen, unerhörter Witz und oftmals unausgesprochene Worte ruhen in den Gesichtern des Begrüßungs-Komitees, durch das man sich erst einmal durchschlängeln muß und denen der folgenden Räume, Portraits von Kindern mit oft rot verschmierten oder messerscharfen Mündern, die eins gemeinsam haben: Frechheit und Kinderzorn. Was folgt, ist ein Heidenvergnügen, sich nämlich um jede neue Ecke herum von den grandiosen Sujets der quirligen Künstlerin einfangen zu lassen.
Da endet zum Beispiel das monumentale, eine ganze Wand überspannende Bild eines sich vor Sommerhimmel dehnenden Badestegs in einer auffälligen Lücke. Dreht sich der Betrachter um 180º, wird er weit über Blickhöhe - die Tiefe des Sturzes illustrierend - das Opfer der Lücke sehen:

© VG Bild-Kunst Bonn - Foto: Frank Becker
einen Hund, der seinen fallenden Knochen fixierend, samt den morschen Brettern des Stegs ins Nirgendwo fällt. Einen Raum weiter fixieren

© VG Bild-Kunst Bonn - Foto: Frank Becker
überdimensionierte rotzige Blagen mit Knopfaugen-Blick und wie aus Lakritzschnecken gezogenen plastischen Haaren den eintretenden Gast. Ein überdimensionierter Freund Harvey oder ist es das Kaninchen aus „Alice im Wunderland“?, mit blutigem Gebiß und wie mit Zahnpastawürmern pastos auf die Leinwand gebracht, starrt uns verstörend an.
 
Kuratorin Beate Eickhoff hat die humorvolle Ausstellung spannungssteigernd aufgebaut: im nächsten Raum überfällt den Besucher das, was man in der Literatur das „tremendum faszinosum“ nennt. Grusel (s.o.), der gleichzeitig ein im Bauch gluckerndes Lachen verursacht, Monster, die nicht wirklich Angst erzeugen, eine Tricia und – unmotiviert wirkend – dazwischen drei knallbunte fehlfarbige Blumen-Motive. Schließlich die Begegnung mit dem Yeti, der beruhigenderweise rosa ist und gar nicht gefährlich ausschaut. Ihm, bzw. einer puscheligen Gruppe davon ist eine Ecke im letzten Saal gewidmet, aus der die Extremitäten plastisch herauswachsen und im Grunde einladen, sich in seine Obhut zu begeben. Aber das darf man natürlich mit Kunst nicht tun. Wer im letzten Raum weit zurücktritt, kann das 10 Meter breite/lange und ca. 2 Meter hohe fünfteilige Bild wieder eines Badestegs (wir interpretieren das nicht) überblicken, auf dem acht nackte Kinder, Mädchen, sieben sind blond, den Blick in die rote Ferne gerichtet, dem Betrachter den Rücken zuwenden. Das heißt, ein ganz kleines der Mädchen und das größere in der Mitte schauen sich nach dem, der die Szene beobachtet, um. Huch! – Erwischt!
 
Die Ausstellung wird morgen, Sonntag 7. September in Anwesenheit der Künstlerin eröffnet. Ein Erlebnis für alle, die in einer Ausstellung mal wieder das gewisse Kitzeln im Bauch erleben möchten.


© VG Bild-Kunst Bonn - Foto: Frank Becker



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Weitere Informationen: www.von-der-heydt-kunsthalle.de 


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