Zentrum Mensch

„Gesichter“ - Eine Ausstellung in der Schwarzbach-Galerie

von Celia-Maria Schmidt

Petra Frixe: Interim - Foto: Frank Becker
Zentrum Mensch
 
Die neue Ausstellung der BKK Bergisch Land und Gästen in der Wuppertaler Schwarzbach-Galerie läßt den Besucher an einer Rückkehr zum eigentlichen künstlerischen Schaffen teilhaben und setzt den Titel „Gesichter“ in einen sowohl gesellschaftlich sehr allgemeinen als auch für die Künstler sehr persönlichen Kontext. Zentrum dieser Ausstellung war es, sich im künstlerischen Schaffen voll und ganz auf den Menschen zu konzentrieren. Und schon beim Betreten der Galerie ist es offensichtlich, daß dem Besucher durch die Werke von sage und schreibe 44 verschiedenen Künstlern ein sehr facettenreiches Spektrum an Impressionen geboten wird.
 
Teresa Wojciechowska stellt in der Ausstellung ihr großformatiges, in drei Leinwände geteiltes Werk „Schlaffende“ vor, eine Hommage an die griechische Sage des Orpheus und seiner Ehefrau der Nymphe Eurydike. Sonst so dramatisch und mythologisch dargestellt, wird dem Besucher hier letztendlich eine sehr intime und diskrete Szene der beiden Liebenden vor Augen geführt. Schon in den Anfängen der Ausstellung, erzählt Teresa Wojciechowska, wie erstaunlich hoch doch die Resonanz der Künstler gewesen ist, sich dem Thema widmen zu wollen und beschreibt das ganze als ein Bedürfnis, welches den Künstlern die Chance gibt zu den eigenen Wurzeln zurückzukehren.
Dies wird vor allem auch ersichtlich wenn man sich die Werke von Petra Frixe und BrindlArt vor Augen führt. Die Künstlerin Petra Frixe, welche sich sonst kaum bis nie selbst darstellt, scheint in ihrem Werk „Me, Myself and I: INTERIM“, einem dreiteiligen Werk von quadratischen Mixed Media Leinwänden, zum ersten Mal wieder zurück zu ihrem eigenen Selbst zu finden. Ganz verschwommen und fast schon verlegen macht sie sich dem Betrachter zwar sichtbar, betont jedoch auch ihre Unsichtbarkeit mittels ihrer Wachsstift Technik.
BrindlArt, welcher sich sonst hauptsächlich Artperformances widmet, gibt dem Besucher nun einen Blick auf sein ganz intimes Leben preis. Die drei Bleistift-Zeichnungen auf Papier zeigen sowohl den Künstler selbst, als auch Portraits der Mutter und Tochter des Künstlers und zeigen somit eine völlig andere Seite des sonst so aktiven Performancekünstlers.


      Teresa Wojciechowska: Schlaffende - Foto: Frank Becker
 
Glaubt man jedoch in der Ausstellung hauptsächlich auf die Reflexionen der Künstler zu stoßen so irrt man sich.
„Gesichter“ widmet sich zum größten Teil auch den Problemen und Charakterzügen der Gesellschaft im Allgemeinen, Situationen und Problemen in denen sich auch der Besucher selbst wieder findet.
In dem Werk von Sybille Klemmer zum Beispiel geht es um ein allzu aktuelles Thema – den „Identitäts-Verlust“. Klemmer möchte mit ihrer Installation von insgesamt 42 bewußt angeordneten Fotografien auf die zunehmende Anonymisierung des Menschen aufmerksam machen und zeigen, wie allein der Mensch doch in einer großen Masse sein kann.

Sibylle Klemmer: Identitätsverlust - Foto: Frank Becker
„Mein Projekt ist ein Anstoß zur Bewußtwerdung unseres Konsumverhaltens, (welches sich auf alle Gebiete unseres Lebens bezieht) um dadurch die Möglichkeit zu schaffen, einen bewußten Umgang mit unseren Medien etc. herzustellen. Erst dann kann ein Mensch für sich entscheiden, was für ihn nötig ist! Erst dann kann der Mensch entscheiden, was er wirklich braucht, um glücklich zu sein.“ (Klemmer)
Hierzu suchte sie gezielt im Herbst 2013 entstandene Fotografien aus der Grand Central Station der Massenmetropole New York aus und präsentiert dem Besucher somit den ultimativen Großstadt-Horror.
 
Gastkünstlerin Andrea Hüsken hingegen führt uns in der Ausstellung vorbei an Horror, Angst und Unwohlsein. In ihrem Werk „Eingemachtes“, eine Installation alter Familienfotografien, verschlossen in Einmachgläsern und charmanterweise ideal plaziert auf einem alten Ofen, der zur ursprünglichen Gebäudeausstattung der Galerie gehört, läßt sie den Betrachter in eigenen Erinnerungen schwelgen und erklärt mit einfachsten Hilfsmitteln wie manche Gesichter und Menschen für die Ewigkeit in unseren Erinnerungen verweilen.
Plastischen Höhepunkt bietet schließlich das im oberen Geschoß gelegene Kabinett der Köpfe. Verschiedene Werkstoffe – verschiedene Arbeitweisen. Hier treffen klassische und akademische Arbeiten, wie Maria Pinkowskis „Yvon“, auf abstrakte und fast schon amüsierende Kopfdarstellungen wie die aus Baumwurzeln hergestellten Werke „Blind Date“ von Petra Pfaff.
 
Von der Vernissage am Sonntag dem 21. September 2014 an wird die Ausstellung noch bis zum 5. Oktober 2014 laufen und ist immer donnerstags bis sonntags jeweils von 15 bis 18 Uhr geöffnet. Besonderes Highlight hierbei wird der Auftritt in der Museumsnacht am 26.09.2014 sein, bei der die Schwarzbach Galerie neben ihrer Ausstellung „Gesichter“ noch mit weiteren Live-Aktionen bestechen wird.


Petra Pfaff: Blind Date - Foto: Frank Becker


Die Künstler:
Marjan Abed Pour, Gabriele Börner, Alfred Brindl, Ilona Bulz, Jürgen Darski, Sarah Doerr, Lidia Epshlein, Petra Frixe, Hassan Hashemi, Doris Hommes, Hanne Horn (Gast), Andrea Hüsken (Gast), Frank Ifang (Gast), Michael Kemmerich, Sibylle Klemmer, Daphna Koll, Werner Kollhoff, Sabine Kremer, Rolf Löckmann, Boris Meißner, Hiltrud Meusel, Gerd Mittreiter, Petra Mohr, Doris Anna Oberschachtsiek, Irene Peil, Petra Pfaff, Maria Pienkowski, Stephan Preuß, Christiane Püttmann, Enrique Rabasseda, Brigitte Riechelmann, Ursula Riedel, Ulla Schenkel, Ramona Stöpgeshoff, Tatiana Stroganova, Christiane Thomas, Elke Treckmann, Ines Trost, Ruth Velser, Eberhard Vogler, Boris von Reibnitz, Edith Weber, Regina Wicke, Teresa Wojciechowska


Andrea Hüsken: Eingemachtes - Foto: Frank Becker
 
Gesichter“ - Eine Ausstellung in der Schwarzbach-Galerie
Kontakt: www.bbk-bergischland.de  -  E-Post: info@bbk-bergischland.de  
Tel. Schwarzbach-Galerie: 0202-664876      
 
Redaktion: Frank Becker