Das Kom(m)÷dchen

Die ─ra Kay und Lore Lorentz in den Jahren 1960 bis 1989

von Frank Becker

© Tacker Film
Das Kom(m)ödchen
Die Ära Kay und Lore Lorentz
Kabarett-Klassiker aus den Jahren
1960 bis 1989
 
Das Düsseldorfer Kom(m)ödchen gehört noch heute zu den renommiertesten deutschen Kabarettbühnen. Seinen Ruf verdankt das familiengeführte Unternehmen, das seit 1947 existierte und das westdeutsche kabarettistische Gegengewicht zu den Stachelschweinen im Osten und der Münchner Lach- und Schießgesellschaft im Süden der jungen Bundesrepublik bildete, dem intelligenten Konzept seiner Gründer Kay und Lore Lorentz. „Das Kom(m)ödchen“ verband scharf politisches mit elegant literarischem Kabarett, kaum ein anderes Haus war scharfzüngiger, ironischer und analytischer als diese Düsseldorfer Kleinkunstbühne – und das unmittelbar vor der Haustür der neuen Bonner Regierung und ihrer alten Seilschaften.
 
Die Stimme des „Kom(m)ödchen“ war Lore Lorentz (1920-1994), eine Grande Dame, vornehm, überlegen, kompromißlos. Niemand wird je ihren schneidend spöttischen Umgang mit den Skandalen der Republik erreichen. Ihr rheinisch humoristisches Gegenstück war jahrzehntelang der Schauspieler Ernst H. Hilbich (*1931), ihr Taktgeber Ehemann Kay Lorentz. Er gehörte zu der glänzenden Riege von Textern, die für die Programme des Kom(m)ödchens die von den Politikern und Wirtschaftsbossen unfreiwillig zur Verfügung gestellte Deputat-Kohle zum Glühen brachten. Mit ihm schrieben sich u.a. Eckart Hachfeld (der auch für die Stachelschweine schrieb), Martin Morlock, Wolfgang Franke, Thaddäus Troll, Horst-Gottfried Wagner, Manfred Limmroth, Dieter Süverkrüp, Werner Franke, Rainer Hachfeld, Michail Krausnick, Thomas Freitag und Matthias Deutschmann immer wieder gerne an die Grenzen des politisch Gefährlichen heran.
Mit Lore Lorentz und Ernst H. Hilbich saßen im kabarettistischen Boot im Lauf der frühen Jahre Katarina von Bülow, Hans-Walter Clasen, Walter Gottschow, Werner Vielhaber, Renat Clair, Horst Butschke, Hans Gerd Kübel, Andreas Mannkopff, Michael Uhden u.a.m..
In den 80er Jahren holte das Kom(m)ödchen neue Talente auf die Bühne, u.a. fanden Erwin Steinhauer, Thomas Freitag, Harald Schmidt und Mariele Millowitsch auf der Kom(m)ödchen-Bühne erste große Beachtung.
 
Wolfgang Dresler hat aus fast 30 Jahren Fernseh-„Kom(m)ödchen“ eine wahrlich opulente DVD-Edition mit den Kabarettprogrammen: „Spekulationen“ (1960), „Bergab  geht´s leichter“ (1962), „Zustände wie im alten Rom“ (1963), „Hast Du zur Nacht gebetet, Ludwig?“ (1964), „Prost Wahlzeit“ (1965), „So dumm kommen wir nie mehr zusammen“ (1966), „Dissonanzen“ (1967),  „20 Jahre Kassandra“ (1967), „Bürger schützt eure Anlagen“ (1967, und das wäre heute aktueller denn je!; Anm. d. Red.), „Es geht um den Kopf“ (1969), „D wie Bundesrepublik“ (1979), „Ende offen“ (1981), „Playback“ (1982), „Die Sache Mensch“ (1983), „Da können Sie Gift drauf nehmen“ (1984), „Das ist Ihr Problem“ (1987), „Solange der Vorrat reicht“ (1989) zusammengestellt. Ein einzigartiges Dokument der Kabarett-Geschichte nach 1945, bzw. nach Beginn der Fernsehaufzeichnungen. Man darf dabei nicht vergessen, daß zu Beginn der Westdeutschen Fernsehgeschichte zwar schon ab 1952 Live-Übertragungen aus dem Kom(m)ödchen gesendet wurden, aber erst ab 1960 Aufzeichnungen archiviert wurden. Die hat Wolfgang Dresler gesichtet und aufwendig reproduziert. Eine einzigartige Dokumentation, für die ihm und im übrigen auch seinen sonstigen Kabarett-, Zeitgeschichte- und Werbefilm-Editionen bei Tacker Film unser Prädikat gebührt, der Musenkuß.
 
Das Kom(m)ödchen - Die Ära Kay und Lore Lorentz
© 2014 Kom(m)ödchen / Tacker Film / WDR (Hrsg. Wolfgang Dresler)
DVD Box mit 6 DVDs – Ausschnitten aus 18 vom WDR fürs Fernsehen aufgezeichneten Programmen von 1960-1989 - Gesamtlänge ca. 1.060 Minuten (mehr als 17 Stunden)
 + ausführlichem, 40-seitigem Begleitheft mit Programm-Kommentaren, Aufnahme- und Sendedaten, Besetzung und vielen raren Fotos; Texte von Wolfgang Dresler, Kay Sebastian Lorenz, Dietmar Jacobs und Horst Gottfried Wagner
49,90 €
 
Weitere Informationen; www.tackerfilm.de