Das Meer - Aspekte eines Phänomens

Das Meer / The Sea / La Mer / De Zee – Hrsg. von Hoet (†) und Phillip Van den Bosche

von Frank Becker

Das Meer
 
Aspekte eines Phänomens
 
Was macht seine ewige Faszination aus, womit weckt es Sehnsüchte, Neugier und Fernweh? Das Meer ist seit Menschengedenken ein Sehnsuchtsort, rätselhaft, unergründlich, bedrohlich, doch durch seine unermeßliche Weite und nicht zu letzt durch die scheinbare Unerreichbarkeit seines Horizonts lockend und faszinierend. Zwei Dritteln der schrundigen, in mächtigen Schluchten und ragenden Gipfeln zerklüfteten Erdoberfläche gibt das Meer Niveau und Fläche, darunter verborgen schroffe Tiefen, eigentümliche Lebewesen, unergründliche Welten, Anlaß zu immer wieder neuen Sagen, Mysterien, Weltbildern.
Zumindest seit man durch Wort und Bild Eindrücke und Gedanken aufzeichnet, wird all das in Schriften und Bildender Kunst dokumentiert.
 
In Romanen, Erzählungen, Gedichten und Balladen, in Gemälden und Fotografien, in unzähligen Reisebeschreibungen und Expeditions- und Forschungsberichten erzählen Autoren, Maler, Abenteurer, Fahrensleute und Wissenschaftler von den Meeren – denn das Meer als geschlossene Einheit existiert nur im Begriff. Unsterblich u.a. durch die Seestücke William Turners, Gustave Courbets, Iwan Aiwasowskis, Arnold Böcklins, Katsushika Hokusais und Gustave Le Greys als Fotograf, durch Marine- und Hobbymaler oder Genremaler wie Paul Baudry, Wiliam Adolphe Bouguereau und Alexandre Cabanel, durch die sorgfältig aufgezeichneten historischen Entdeckungsfahrten von Seefahrtpionieren wie Leif Eriksson, Zheng He, Christoph Columbus, Ferdinand Magellan und James Cook konnte der ewige Traum vom tosenden Meer, seinem Zauber und der Ferne in deren Werken konserviert werden.
 

Gustave Courbet, La vague, 1869

Das Bild des Meeres in der Kunst, seine Inspiration, der Brückenschlage zwischen Mensch und Naturgewalt, seine Preisung auch in der zeitgenössischen Darstellung in einer besonderen Ausstellung in Oostende zu präsentieren war der gemeinsame Gedanke und Plan der Kuratoren Jan Hoet und Phillip Van den Bosche, den sie in Zusammenarbeit mit dem Kunstmuseum für belgische Kunst am Meer und der Provinz Westflandern realisieren konnten. Junge Künstler unterstützten das Vorhaben, an verschiedenen Orten auch außerhalb des Museums einen den Seecharakter der Stadt unterstreichenden umfassenden Ausstellungsraum zu schaffen, durch eigens dafür entstandene Kunstwerke. Jan Hoet starb 2014, bevor er den grandiosen Erfolg des ambitionierten Projekts erleben konnte. Ihm widmeten Phillip Van den Bosche und die Mit-Kuratoren die Ausstellung und den opulenten Katalog dazu.
 
Exzellente Essays von Phillip Van den Bosche, Frank Maes, Hans Theys, Céline Flécheux und Melanie Deboutte begleiten die Sammlung der außergewöhnlichen Exponate von William Blake bis Lawrence Weiner, die mit Klassikern wie Courbet, Turner, van Rysselberghe, Louis Artan, Böcklin, Daubigny und moderen Arbeiten von u.a. Nicolas de Staël, Luciano Fabro, Pablo Picasso, Gerhard Richter, Thomas Schütte, Philippe Vandenberg und Hiroshi Sugimoto (schon mutig, eine monochrome schwarze Fläche mit dem Titel „North Pacific Ocean, Stinson Beach“, 1994 zu bezeichnen).


Felix Valloton, Baigneuse assise sur un rocher, 1910

Vollständige Liste der vertretenen Künstler: Bas Jan Ader, Etel Adnan, Francis Alÿs, Carl Andre, Louis Artan de Saint Martin, John Baldessari, François-Marie Banier, Forrest Bess, Joseph Beuys, Guillaume Bijl, William Blake, Maurice Blaussyld, Arnold Böcklin, Pierre Bonnard, Michaël Borremans, Eugène Boudin, Dirk Braeckman, George Brecht, Marcel Broodthaers, Jean Brusselmans, Kathe Burkhart, François Burland, Michael Buthe, James Lee Byars, Paul Cézanne, Marc Chagall, Jacques Charlier, Emile Claus, Vaast Colson, Leo Copers, Patrick Corillon, Gustave Courbet, Johan Creten, Henri-Edmond Cross, Werner Cuvelier, Ilse D’Hollander, Honoré d’O, Martin d’Orgeval, René Daniëls, Hanne Darboven, Charles-François Daubigny, Franky DC, Gustave De Smet, Tacita Dean, Frederick Debourg Richards, Thierry De Cordier, William Degouve de Nuncques, Luc Deleu, Ronny Delrue, Wim Delvoye, Maurice Denis, Jan Dibbets, Richard Diebenkorn, Karel Dierickx, Rineke Dijkstra, Marlene Dumas, Tim Eitel, James Ensor, Frederick Evans, Jan Fabre, Luciano Fabro, Belu-Simion Fainaru, Hans-Peter Feldmann, Rodney Graham, Joseph Grigely & Amy Vogel, Susan Hiller, Oscar Jespers, Johan Barthold Jongkind, Ilya & Emilia Kabakov, Alex Katz, Fernand Khnopff, Anselm Kiefer, Joseph Kosuth, Jannis Kounellis, Gustave Le Gray, Georges Lemmen, Zoe Leonard, Roy Lichtenstein, Lismonde, Bernd Lohaus, Marcel Maeyer, René Magritte, Marcel Mariën, Jacob Maris, Kris Martin, Henri Matisse, Jacqueline Mesmaeker, Constantin Meunier, Henri Meunier, Reinhard Mucha, Dennis Oppenheim, Silke Otto-Knapp, Panamarenko, Constant Permeke, Francis Picabia, Pablo Picasso, Roger Raveel, Gerhard Richter, Matthieu Ronsse, Ed Ruscha, Joe Scanlan, Rob Scholte, Thomas Schütte, Victor Servranckx, Ettore Spalletti, Leon Spilliaert, Hiroshi Sugimoto, Pascale Marthine Tayou, Paul Thek, Jan Toorop, Susanne Tunn, Joseph Mallord William Turner, Richard Tuttle, Luc Tuymans, Edgard Tytgat, Félix Vallotton, Philippe Vandenberg, Henry Van de Velde, Theo Van Doesburg, Ger van Elk, Anne-Mie Van Kerckhoven, Gerard van Lankveld, Théo van Rysselberghe, Henk Visch, Guillaume Vogels, Lawrence Weiner, Franz West & Heimo Zobernig, Henri-Victor Wolvens, Katharina Wulff.


James Ensor, Grande marine 1885
 
Die Ausstellung ist noch bis zum 19. April 2015 zu sehen.
Mu.ZEE
Romestraat 11 - B-8400 Oostende
 
Der Katalog:
Das Meer / The Sea / La Mer / De Zee – Hrsg. von Jan Hoet (†) und Phillip Van den Bosche
© 2015 Borgerhoff & Lamberigts nv / Hatje Cantz Verlag und die Autoren
320 Seiten, Ganzleinen, Fadenheftung, 23,5 x 29 cm, 350 Illustrationen, Texte in Deutsch und Englisch – ISBN 9783775739535
49,80 €
 
Weitere Informationen:  www.hatjecantz.de  -  www.muzee.be  -  www.dezee-oostende.be