Werner Zimmer

Auch eine Art Nachruf

von Rudolf Engel

Werner Zimmer - Foto © EPei / Quelle: Wikipedia
Auch eine Art Nachruf
 
Nun hat auch Werner Zimmer das Holz fallen lassen.
Werner war damals bei Saar 05 unser Schlußläufer in der 4x800-m-Staffel, mit der wir Ende der 50er in Auersmacher laut Stadion-Lautsprecher Weltrekord liefen, nur weil – wie sich nachträglich durch die Kontrolleure des Leichtathletikverbandes herausstellte – die Rundbahn 12 m zu kurz war.
Schon früh war Werner Ebert von uns gegangen und jetzt also Werner Zimmer. Was für eine, auf angeblichem Versagen beruhende Karriere!
Werner war auch an der Uni mein Semester. Erst  mußte er  das Sportstudium aufgeben, weil er zum vierten Mal an der Schwimmprüfung scheiterte und Otto Hanebuth ihn nicht mehr zum I. Staatexamen zuließ.
Er war dann verschwunden, bis unser Trainer erfuhr, er sei ins Trierer Konvikt eingetreten. Dort holten wir ihn eines sonntagsmorgens beim Drei-Städtekampf Trier-Saabrücken-Luxemburg für drei Stunden heraus, weil Crauser - früh morgens, von Dudweiler kommend – am Saarbrücker Bahnhof den Bus verpaßt hatte.
Ein eigenartiges Bild, dem Gottesdiener in spe beim Umkleiden zuzusehn, wie er sich umständlich aus der Sutane schaffte, wie er dann – ohne Zeit zu Warmlaufen zu haben – uns als Schlußläufer wieder zum Sieg verhalf.
Kurz darauf muß Gott ein Nachsehen mit ihm gehabt haben und schickt ihn zur Saarländischen Toto-GmbH, wo er nicht nur fleißig und per Hand wochenendweise die Lottozettel auszählte, sondern sich mit seinem allseits bekannten vorlauten Schnabel eine Ausgangsposition zu dem verschaffte, was dann schließlich aus ihm geworden ist und zu Recht auch heute noch jedermann bekannt und selbst der ARD in ihren Tagenachrichten eine Meldung wert ist.
 

(Werner Zimmer, 19. Oktober 1936 - 20. April 2015)
 
Rudolf Engel