Immer der Grenze entlang

Eine Schmankerl-Reise von Südkärnten nach Slowenien

von Theo Reisner

Drau-Flößer - Foto © Theo Reisner

Immer der Grenze entlang
Eine Schmankerl-Reise von Südkärnten nach Slowenien
 
Seit dem EU-Beitritt von Slowenien 2004 und dem Anschluß an den Euro-Raum 2007 ist vieles anders im Süden von Österreich - die offene Grenze hat auch eine enge Zusammenarbeit im Tourismus ausgelöst. Und was wäre der ohne regionalspezifische Schmankerl auf den Tellern der Gäste ... wie zum Beispiel der Had´n im Südkärntner Jauntal, als Ausgangspunkt der Schmankerlreise gut geeignet. 14 sogenannte Had´n-Wirte kultivieren diese Buchweizen-Art mit ihren vielen Vorzügen: glutenfrei, benötigt weder Kunstdünger noch Stallmist und sie gilt sogar als medizinische Heilpflanze. Hauptsächlich wird sie zu Nudeln und Mehl verarbeitet und schmeckt auch als Torte, Chips, Bier oder Likör durchaus interessant. In Schwabegg bei Neuhaus gibt es ein „Had´n-Zentrum“ und das Had´n-Fest lockt alljährlich rund 5.000 Besucher an (2015 von 19.-20. September). Weiter geht’s bis genau an die slowenische Grenze: Oberhalb von Bad Eisenkappel residiert Edi Walisch, der Wirt vom Riepl-Hof. Seine Tageskarte verspricht Handgemachtes, liebevoll Aufgezogenes und sorgfältig Gesammeltes aus der unmittelbaren Umgebung - wie zum Beispiel Pilze (da empfiehlt sich Sorgfalt von selbst), von denen er gut 100 Sorten kennt und diese zum Großteil auch verarbeitet. Die Morchel-Sauce etwa paßt immer und der flockenstielige Hexenröhrling macht sich gut zur Pasta. Wird das Rindfleisch mit Herbsttrompeten gewürzt, dann entwickelt es einen ganz besonderen Geschmack, weiß der Wirt. Und es stimmt auch.


Elisabeth Miklau in Leppen - Foto © Theo Reisner
 
Nachweislich aus der Bronzezeit stammt sein „Ritschert“, ein nahrhafter Eintopf, der bis heute im Gebirgsraum von Kärnten, der Steiermark und in Slowenien zubereitet wird. Die Kunst ist das Einweichen von Ingredienzien wie Gerste, Bohnen oder Liebstöckl am Vortag und das Hinzufügen von geräuchertem Schweinefleisch (bevorzugt: ausgelöste Stelze). Wanderung von Hof zu Hof fördert ganz speziell der Verein „Koppla Kaṡa“ mit seinen 50 Mitgliedern, allesamt im Gemeindegebiet von Eisenkappel-Vellach angesiedelt. Die Bergbauern hier bieten neben Salami, allerlei Würsten, Käse und Edelbränden auch Übernachtungsmöglichkeiten diesseits und jenseits der Grenze und haben eine eigene Wanderkarte mit Adressen und Telefonnummern herausgebracht. Und bei der Elisabeth Miklau in Leppen gibt es neben Geschenkkörben sogar mondphasengerechtes, im Winter geschlägertes Bauholz für Besucher mit Transportmöglichkeiten.

Mit dem Auto erreicht man gleich nach der Grenze Dravograd und Muta, immer die Drau entlang. Dort im Gasthaus „Pri-lipi“ wird zunächst „Trenta“ gereicht, ein mürbes Eier-Gebäck mit zwei Schichten in Kuchenform. Völlig zu Recht empfiehlt die Wirtin Helena Kresnik dann als Hauptspeise „Me˛erli“, zubereitet aus gebratenen Innereien mit Weißbrot, Milch, Eiern und Rahm - überzogen von einer Schweinenetzhaut. Sieht aus der Ferne wie ein Fleischpflanzerl/eine Frikadelle oder Bulette aus. Wer weder Wandern noch Autofahren möchte, der kann vom Nachbarort Gortina aus das Floß nehmen. Die Flößermahlzeit Gulasch mit Sterz (ein Schmarrn aus Had´n oder Mais) und Grammeln geht als regionales Schmankerl gerade noch durch. In beiden Ländern gibt es vielfältige Variationen vom „Reindling“ (slowenisch „Potica“), benannt nach der verwendeten Backform. Im wesentlichen besteht er aus Hefeteig, verfeinert mit Butter, grob geriebenen Nüssen, Rosinen und Zimt. Eingerollt und geknetet kann er auch mit Schinken zubereitet sein. Geht als Abschluß einer Schmankerl-Reise Österreich - Slowenien und retour immer ...


 Pri-lipi in Muta serviert - Foto © Theo Reisner
 
Informationen: Tourismusregion Klopeiner See –Südkärnten, Schulstraße 10, 9122 St. Kanzian am Klopeiner See, Österreich.Tel. +43(0)4239-2222, info@klopeinersee.at + www.klopeinersee.at