Hellmuth Karasek

Der Literaturkritiker starb im Alter von 81 Jahren

von Frank Becker

Foto © Frank Becker

Hellmuth Karasek †
(4.1.1934 - 29.9.2015)
 
Mit Hellmuth Karasek (1934-2015) hat die deutsche Literaturkritik und Medienlandschaft einen ihrer größten Namen, eine Galionsfigur verloren. Er machte sich zunächst Journalist bei der Stuttgarter Zeitung, ab 1968 als Theaterkritiker der „Zeit“ und von 1974 bis 1996 als Kultur-Chef des „Spiegel“ einen Namen. Seine dort gesammelten Erfahrungen flossen in den abrechnenden Roman „Das Magazin“ (1998). Bis 2004 war er im Anschluß Mitherausgeber der Berliner Tageszeitung „Der Tagesspiegel“. Karasek arbeitete unter anderem auch für die Zeitungen „Die Welt“, „Welt am Sonntag“ und die „Berliner Morgenpost“.
Einem weiten Publikum wurde der streitbare und humorvolle Journalist, Bühnen- und Romanautor vor allem durch seinen Anteil an Marcel Reich-Ranickis literaturkritischer ZDF-Sendung „Das Literarische Quartett bekannt („Wir stehen selbst enttäuscht und sehn betroffen / Den Vorhang zu und alle Fragen offen.“). Einen Teil seiner großen Popularität zog Hellmuth Karasek auch aus seinen äußerst erfolgreichen Lesereisen, mit denen er seine vielen Bücher vorstellte und die Nähe zum Publikum suchte und genoß. Im Umgang liebenswert, charmant und unkompliziert, war der brillante Feuilletonist und pointensichere Witze-Erzähler in geselliger Runde mit Offenheit und klaren Blick auf Menschen und Zustände sympathisch und anziehend.
Einige weitere von Hellmuth Karaseks Buchtiteln: „“Go West!“ – Eine Biographie der 50er Jahre (1966 Hoffmann und Campe), „Mit Kanonen auf Spatzen“ (Feuilletons, 2000 Kiepenheuer und Witsch), „Betrug“ (Roman, 2001 Ullstein Verlag), „Auf der Flucht“ (Erinnerungen, 2005 Ullstein), „Vom Küssen der Kröten“ (Feuilletons, 2008 Hoffmann und Campe), „Auf Reisen“ (Erinnerungen, 2013 Hoffmann und Campe)
 
Gestern, am 29. September 2015 ist Hellmuth Karasek in seinem Wohnort Hamburg gestorben.


Foto © Frank Becker