Dat Chantal und die Puberzitšt

von Konrad Beikircher

Foto © Frank Becker
Dat Chantal und die Puberzität
 
Ja, die schönsten Geschichten passieren im Leben, do wore mir, und da muß man auch sagen: nicht nur das: es sind oft die kleinen Geschichten, in denen sich mitunter die großen Wahrheiten zeigen. Und so will ich Ihnen heute auch wieder ein Gechichtchen erzählen, das wahr ist.
Wie hier, der Dingenskirchen, mein Lieblingstischler, einer der wenigen, die ein unverfälschtes Platt sprechen und zwar Sibbejebirgs-Platt. Ihm zuzuhören ist immer die reine rheinische Freude, mir zwei uns also am unterhalten über die Pubertät oder – wie mein Lieblingslehrer in der JVA Siegburg, der für seine unfreiwilligen Aphorismen hochgeschätzt war, gerne zu sagen pflegte,– ihm war nämlich das Wort Pubertät etwas zu simpel, er nannte sie „Puberzität“, das hat was von pubes = Schamhaare und gleichzeitig weibliches Geschlecht und Elektrizität, unter der die Schamhaare in diesem Alter stehen, wie wir wissen oder uns dunkel erinnern.
 
Also, Dingens wore mr dran: der Dingenskirchen und die Puberzität. Mir sind uns also am unterhalten wie furchtbar das für die Eltern ist, wenn eines der Kinder von der Pubertät hin und her geschleudert wird und man als Vater oder Mutter nur noch das Arschloch ist, und dass man sich da nur noch eines wünscht: daß unser Herrgott die Pubertät ersatzlos aus dem biographischen Kalender streicht und wenn er das nicht kann, soll er halt dafür sorgen, daß man für ein paar Jahre ganz ganz weit weg ist von seinen pubertierenden Kindern und dann käme man zurück und alles wäre wunderbar und in Ordnung – aber so isses ja nie, wie wir wissen, oder wie war das noch: „sechs Jahre lang kein Sex, kein Alkohol, keine Kippen – und dann kam die Einschulung!“ – da frage ich also den Dingenskirchen so, wie dat denn bei seinen Kindern war mit der Puberzität und so, da guckt er mich ganz treu an und sagt: „Also mit der Pubertät da kann ich gar nicht mitreden: bei uns Chantal wor dat an einem Dienstag Nachmittag – und do wor ich net zu Hus!“
 
In diesem Sinne
 
Ihr
Konrad Beikircher

Redaktion: Frank Becker