Musenkuß für „Mutts“!

Patrick Mc Donnell – „Mutts - Hund mit Katze“

von Frank Becker
Musenkuß für „Mutts“!
 
Darauf haben wir lange gewartet. Nach 18 Jahren endlich wieder „Mutts“ von Patrick McDonnell in deutscher Übersetzung! „Earl & Mooch“ heißen sie im Original, „Filou & Minou“ etwas unglücklich in der deutschen Fassung, für die aber Übersetzer Gerhard Kehl nichts kann, denn so hießen sie schon in den sechs 1997/98 im Wolfgang Krüger Verlag erschienenen Bänden, die von Susanne Dickerhof-Kranz ansonsten tadellos und mit dem trockenen Witz McDonnells übersetzt worden waren.
Beim 7. Comic-Salon 1996 in Erlangen war „Mutts“, nur zwei Jahre nach seinem Erscheinen auf der internationalen Comicstrip-Bühne, als bester neuer Comic ausgezeichnet worden. Umso erstaunlicher ist, daß nach 1998 keine deutschen Neuerscheinungen angeboten wurden. Die Fans – und ein jeder einigermaßen humorbegabte Leser muß einfach ein Fan werden – mußten eine lange Durststrecke überstehen. Einen kleinen Vorgeschmack hatte beim 3. Gratis Comic Tag am 13. Mai 2016 ein 32-seitiges Sonderheft gegeben, das m.E. unter „Comics für Kids“ völlig falsch eingeordnet wurde. Der subtile Humor der Strips Patrick McDonnells gehört eher auf die Feuilleton-Seiten bzw. in die noch zu einzurichtenden Comic-Sonntags-Seiten der großen deutschen Intelligenz-Blätter. Jetzt ist bei Carlsen eine mit 12,49 € ausgesprochen preiswerte neue Ausgabe erschienen, die den Rang der Reihe auf Augenhöhe mit solchen wie „Calvin und Hobbes“ von Bill Watterson, den „Peanuts“ von Charles M. Schulz, Scott & Borgmans „Zits“, Delaney & Rasmussens „Betty“ oder Gary Clarks „Swamp“ unterstreicht.
 
Die Protagonisten: ein Hund „Earl/Filou“ und eine Katze „Mooch/Minou“, die Nebenfiguren: ihre Menschen (ich sage mit Vorbedacht nicht Besitzer, denn es ist etwas unklar, wer hier wen besitzt), dazu u.a. Fred der Metzger mit seiner „Futterkiste“ als zentraler Anlaufstelle für die alltäglichen Begehrlichkeiten. Mit dabei ist eine Vielzahl von mehr oder weniger domestizierten Tieren: Wachhunde, Vögel, Straßenkatzen, Krabben, Muscheln, Frösche, Eichhörnchen usw. usw. mit ihren arttypischen Problemen, die philosophisch ausdiskutiert werden. Nun sind unsere beiden Helden beileibe nicht „wie Hund und Katz“ – ganz im Gegenteil. Bessere Freunde, die alles miteinander teilen und tatsächlich gemeinsam aus und von der Welt lernen und ein schöneres Beispiel für artübergreifendes Verständnis kann es kaum geben. Da versucht der eine stets die Sprache des anderen zu sprechen, was auch den Umgang mit der übrigen Fauna angeht, man versteht sich problemlos interanimalisch. Das wiederum schließt Konflikte nahezu aus – schließlich kann man doch über alles reden. Wozu natürlich genau die Toleranz gehört, die dem Homo sapiens allzu häufig fehlt. Unseren Tieren und deren Mitbewohnern Ozzie, Millie und Frank fehlt die zum Glück nicht – sie zeichnen sich durch Langmut aus.
Von großem Reiz sind die zwischen die Strips geschobenen One-Pager, mit denen Patrick McDonnell Kollegen wie Charles M. Schulz und großen Malern der internationalen Kunstgeschichte mit Charme und Augenzwinkern Reverenz erweist.
 
„Mutts“ sollte wie in den USA und Skandinavien auch hier von den Gazetten die Chance bekommen, seinem Wert und seiner Liebenswürdigkeit entsprechend publiziert zu werden. Carlsen hat mit der neuen Buch-Ausgabe einen schönen Anstoß gegeben. Von uns bekommt „Mutts“ unser Qualitäts-Prädikat: den Musenkuß – und wird unser Buch des Monats!

Patrick Mc Donnell – „Mutts - Hund mit Katze“
Aus dem Amerikanischen von Gerhard Kehl
© 2016 Carlsen Verlag, 128 Seiten, ca. 22 x 23 cm, Broschur – ISBN 978-3-551-71254-7
12,49 €
 

© Patrick McDonnell / Carlsen Verlag
 
Weitere Informationen:  www.carlsen.de  -  www.carlsencomics.de  -  www.mutts.com