Zwischen Himmel, Ääd und Meuchelmord

Der Emons Verlag Köln

von Frank Becker

Hejo Emons - Foto © Emons Verlag

Zwischen Himmel, Ääd und Meuchelmord 
- der Emons Verlag Köln


Das erste Buch, „Köln zwischen Himmel und Ääd“, war ein etwas anderer Stadtführer, mit Perspektiven, die selbst viele Einheimische bis dahin noch nicht kannten. Der Verlag, in dem er erschien, verdankt seine Existenz einem Zufall. Ein Bekannter von Hermann Josef (Hejo) Emons war auf der Suche nach einem Verleger. Kurzentschlossen gründete Emons 1984 in der Lütticher Straße, heute noch der Sitz des Hauses, seinen Verlag. Während das erste Projekt über das Planungsstadium nie hinaus gekommen ist, nahmen andere Ideen ungeahnte Ausmaße an.


Köln und das Rheinland

Den Programmschwerpunkt des Verlages bildeten zunächst Titel zu Köln bzw. dem Rheinland.

 
Mittlerweile bedient Emons mit seinen Publikationen viele deutsche Regionen. „Wir machen alles, was die großen Verlage machen, allerdings mit regionalem Bezug“ sagt Hejo Emons bescheiden – zählt sein Verlag doch längst selber zu den „Großen“. Die herkömmlichen Vorstellungen von Heimatpflege hat der Verlag allerdings abgelegt. Seine Publikationen richten sich an ein Publikum, dessen Heimatbegriff sich nicht an Volkstum oder Brauchtum orientiert, sondern das die Stadt oder die Region auf moderne Weise als sein Zuhause begreift. Daher wirbt der Verlag für seine Publikationen auch bewußt mit dem Schlagwort „Neue deutsche Heimatliteratur“. Insgesamt bietet der Emons Verlag ein Programm mit vielen Sparten und Nischen. Im Jahr 2007 wurden 68 Neuerscheinungen (darunter 3 Hörbucher und 3 Kalender) verlegt, davon 30 Kriminalromane.

Pionier des Regionalkrimis

 
Im Gründungsjahr startete Emons seine mittlerweile zum Selbstläufer gewordene Krimi-Produktion mit dem Köln Krimi Nr. 1 „Tödlicher Klüngel“ von Christoph Gottwald - die Startauflage von 5.000 Stück war innerhalb zweier Monate vergriffen. Damit gehört der Emons Verlag zu den Pionieren des Genres „Regionalkrimi“, das mittlerweile einen festen Platz in der Kriminalliteratur hat. Heute liegen über 250 Krimis, davon 33 Kölner vor - mit Kultstatus. Die Reihe wurde im Laufe der Jahre erweitert: Kinderkrimis und „Classic“. Von den vor historischer Kulisse spielenden beliebten „Classics“ werden ohne das regionale Etikett parallel auch überregionale Auflagen produziert, so von „Türkischrot“, dem wohl erfolgreichsten historischen Bergischen Krimi von Christiane Gibiec, der verfilmt, für die Bühne bearbeitet und am Schauspielhaus Wuppertal uraufgeführt wurde.

Der erste Mittelalterkrimi „Tod und Teufel“ (1995) von Frank Schätzing wurde zum Bestseller. Dem Autor gelang damit ein beachtetes Debüt, 1999 zusätzlich als Hörbuch herausgebracht, wie später seine unheimlichen Geschichten „Keine Angst“. Weitere Romane und Hörbücher Schätzings folgten, ebenso die internationale Anerkennung. Ähnliches könnte auch Volker Kutschers „Der schwarze Jakobiner“, einem brillanten Bergischen Krimi widerfahren, während Oliver Buslaus Bergische/ Wuppertaler Reihe um den Detektiv Remigius Rott TV-Vorabend-Serien-Qualitäten aufweist. Nach dem bewährten Rezept wird weiter gekocht. In der Münchner Reihe (Haus-Autor Friedrich Ani bekam den Deutschen Krimi-Preis) reüssierte der Remscheider Harry Luck mit „Der Isarbulle“.
Der Köln Krimi Classic „Trümmer“ von Helmut Frangenberg wurde in der Sparte Debütroman für den Glauser 2001 (Krimipreis der Autoren), der Köln Krimi „Honolulu Baby“ von Stefan Winges für den Glauser 2003 und der Eifel Krimi „Die Eifel ist kälter als der Tod“ von Edgar Noske für den Glauser 2004 nominiert.

Jetzt auch bundesweit regional

Emons eroberte inzwischen viele andere deutsche Regionen und schaut auch über die Grenzen.

 
Jedem Leser also sein regionales Verbrechen. Das Verlagsprogramm wird stetig auf neue Städte und Landschaften ausgedehnt. Mittlerweile gibt es im Emons Verlag: Aachen, Allgäu, Badische, Berlin, Bergische, Bodensee, Düsseldorf, Eifel, Elbdeich, Franken, Frankfurt, Hamburg, Hinterm Deich, Main, München, Münster, Niederrhein, Oberland, Oberbayern, Pfalz, Rheingau, Rheinhessen, Rheintal, Saarland, Sauerland, Schwaben und Stuttgart Krimis. Oliver Buslau hat sich dabei auch seiner alten Heimat Koblenz angenommen.
Der Regionalkrimi lebt davon, daß sich die Leser an den Orten des Romans auskennen oder gar „am Tatort“ zu Hause sind. „Die Toten liegen nicht mehr länger unter einer Brücke in China-Town, sondern in Nachbars Garten“, so Britta Schmitz, PR-Chefin des Verlages. Man gehört dazu, man kennt sich aus. Die Ermittler in Regionalkrimis erfüllen klasische Rollen-Anforderungen: klassischen Detektivs: Polizisten wie Harry Lucks Hauptkommissar Jürgen Sonne oder „begabte Amateure“, wie Oliver Buslaus Privatdetektiv Remigius Rott. Man bleibt dicht am Alltag, am Leben.

Bücher zu Kultur und Geschichte, dazu Atlanten, Bildbände und Freizeit- Literatur sind die zweite Säule.

 
Den Schwerpunkt des mittlerweile breiter gefächerten Verlagsprogramms bildeten anfänglich Titel, die das Thema Köln/Rheinland in den Blickpunkt rückten. „Wir machen alles, was die Großen machen, allerdings mit regionalem Bezug“ (Hejo Emons). Die herkömmlichen Vorstellungen von Heimatpflege teilt er nicht. Seine Bücher richten sich an ein Publikum, dessen Heimatbegriff sich nicht an Volks- oder Brauchtum orientiert, sondern das die Stadt auf moderne Art als Heimat, als sein Zuhause begreift. Ein breites Spektrum liegt vor, das Kunst, Musik, Stadtgeographie u.a. historisch beleuchtet. Dazu gehören auch Bildbände Kölner Fotografen und Freizeit-Tipps. Mit „Köln - Der historisch-topographische Atlas“ wurde 2002 eine Reihe begründet, in der andere Städte folgten. Bild- und Abreißkalender ergänzen den aktuellen Blick auf Köln.

Dokumentationen über die NS-Zeit

Eine Besonderheit bildet die 1994 ins Leben gerufene Reihe „Schriften des

NS-Dokumentationszentrums der Stadt Köln“ (14 Bände), die sich unter unterschiedlichen Aspekten mit der Stadt während des Naziregimes befasst. In Zusammenarbeit mit dem NS- Dokumentationszentrum der Stadt Köln gibt Emons diese Schriften- Reihe heraus, die sich mit dem urbanen Leben zur Zeit des Nationalsozialismus befasst, damit die jüngere, weniger bekannte Geschichte Kölns darstellt. Mit diesen Büchern publiziert der Verlag Standardwerke zur Erforschung des jüdischen Lebens und des nationalsozialistischen Terrors in Köln und hat sich in Fachkreisen als engagierter Verlag zur Aufarbeitung des Nationalsozialismus ein hohes Ansehen erworben. Zum 60. Jahrestag des Kriegsendes im März 2005 publizierte der Verlag erstmals auch eine filmische Dokumentation, die DVD „1945 - Kriegsende in Köln“, ein beeindruckendes Zeitdokument mit bislang unveröffentlichtem Filmmaterial.

Medien

Neben der Kriminalliteratur und den kulturhistorischen Büchern nehmen die Medientitel des Emons Verlags einen wichtigen Stellenwert ein. Das in Zusammenarbeit mit der Stadt Köln herausgegebene „Medienhandbuch Köln“, ein kommentiertes Adressenverzeichnis zum Bereich der audiovisuellen Medien in Köln, das turnusmäßig alle zwei bis drei Jahre vollständig überarbeitet erscheint, machte den Anfang. Auf Anfrage der Stadt Düsseldorf wurde 1998 erstmalig auch das „Medienhandbuch Düsseldorf“ herausgegeben, 2002 kam das „Medienhandbuch Rhein/Ruhr“ hinzu. Das Mediensegment im Verlagsprogramm wird durch weitere Bücher zum Thema Produktion und Technik (Drehbuchhandwerk, Sitcom, Script & Continuity) sowie praktische Anleitungen zum kreativen Schreiben komplettiert.


Und sonst...

Vergessen wir nicht das Lieblingskind des Kölners, das Kölsch, das zu einen "Halven Hahn" und "jet Flöns" gerne genommen wird! Mit Büchern über das Kölsch schlechthin und im besonderen über das leckere Getränk aus der Brauerei Früh macht Emons Appetit auf das eine oder andere „Stängelchen“.

Und auch den Jazz sollte man nicht unerwähnt lassen. Mit den von Robert von Zahn heraus gegebenen Bänden „Jazz in Köln seit 1945“ und „Jazz in Nordrhein-Westfalen seit 1946“ hat Emons Standardwerke vorgelegt. Wer mehr wissen möchte, schaut ins Internet: www.emons-verlag.de.

Verwendete Verlags-Pressetexte: Britta Schmitz
Alle Illustrationen © Emons Verlag