Pures Vergnügen!

Adolf Erbslöh im Von der Heydt-Museum Wuppertal

von Frank Becker

Adolf Erbslöh, Wandbild Badende (Entwurf) 1919, Privatbesitz - Foto © Frank Becker / VG Bild-Kunst Bonn

 

Pures Vergnügen!
 
Adolf Erbslöh und Schätze aus dem Museumsbestand
im Von der Heydt-Museum Wuppertal
 
Wann ich zuletzt so vergnügt aus einem Museum gekommen bin, weiß ich gar nicht zu sagen. Heute aber haben mir gleich zwei neue Ausstellungen des Wuppertaler Von der Heydt Museums Anlaß zu ungetrübter Freude gegeben: die über das Leben und Werk des „Avantgardemachers“ Adolf Erbslöh (1881-1947) und eine Präsentation mit einigen großen Schätzen und etlichen bislang nie gezeigten Preziosen aus der Sammlung des Von der Heydt-Museums „Something old, something new (something borrowed, something blue)“. Das „borrowed“ lassen wir mal weg, denn, wie gesagt, diese außergewöhnlich originelle, äußerst geschmackvoll zusammengestellte und zauberhaft präsentierte Ausstellung zeigt ausschließlich Eigenes aus den Beständen des Hauses. Dazu aber später in einem anderen Artikel.
 
Bis zum 20. August ist im Von der Heydt-Museum die erste wirklich umfassende Ausstellung zu Leben und Werk des in New York geborenen Weltbürgers und Barmers Adolf Erbslöh zu sehen, den Museumsdirektor Dr. Gerhard Finckh und Kuratorin Dr. Beate Eickhoff wohl zu Recht den „Avantgarde-Macher“ nennen.

 
Adolf Erbslöh, Frühling 1909, Privatbesitz - Foto © Frank Becker / VG Bild-Kunst Bonn
 
„Adolf Erbslöh (1881-1947) ist eine umfassende Werkschau gewidmet, die seine kraftvoll leuchtenden Gemälde in den Mittelpunkt rückt. Zudem präsentiert die Ausstellung Werke seiner Künstlerfreunde, um Erbslöhs Rolle als Avantgardemacher zu beleuchten. Denn der aus Wuppertal stammende Maler förderte als Freund die Künstler der Münchner Szene um Marianne von Werefkin, Alexej von Jawlensky, Franz Marc, Wassily Kandinsky und Gabriele Münter vor und nach dem Ersten Weltkrieg, so daß sie schließlich internationale Beachtung fanden. Sie bildeten eine explosive Gruppe von Individualisten, die er als engagierter Organisator und Mediator zusammenhielt und der er den Weg zu verschiedenen Ausstellungen in renommierten Museen ebnete. So kam es schon in den 1910er Jahren zu Ausstellungen in (Wuppertal-) Elberfeld, in der Ruhmeshalle in (Wuppertal-) Barmen und anderen bedeutenden Kunstorten des Rhein-Ruhrgebietes. Dabei halfen dem weltgewandten Erbslöh seine Kontakte zu den führenden Museumsdirektoren seiner Zeit, zu Richart Reiche, zu Friedrich Fries und zu Karl Ernst Osthaus.

 
Adolf Erbslöh, Mädchen mit rotem Rock / Der rote Rock, 1910 KMV Wuppertal- Foto © Frank Becker / VG Bild-Kunst Bonn
 
Im ständigen engen Kontakt und Austausch mit den führenden Künstlern seiner Zeit, als ruhender Pol im Epizentrum der Moderne, entwickelte Erbslöh seinen eigenen Malstil eher bedächtig. Stets um eine intensive Reflexion seines eigenen Tuns bemüht, erarbeitete er, ausgehend von einem farbglühenden Expressionismus, in dem die Freundschaft zu Jawlensky erkennbar wird, und einem moderaten Kubismus seinen ganz eigenen Duktus. Darin wird trotz aller Nüchternheit und Sachlichkeit ein ganz zeitgenössisches Naturempfinden spürbar. Seine Porträts, Stillleben und Landschaften verbinden die Leuchtkraft der Farbe mit einem klar strukturierten, räumlichen Bildaufbau und werden so zu harmonischen Werken voller verborgener Rhythmik“ , schreibt Museumssprecherin Marion Meyer.


August Macke, Kettenblumen 1910 - Foto © Frank Becker
 
Der Gang durch die acht Säle und Räume ist ein Traum in Form und Farbe, ein ästhetischer Rausch voller Höhepunkte künstlerischen Schaffens der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Neben dem unerhört vielseitigen Œuvre Adolf Erbslöhs reihen sich die prominenten Namen seiner Zeitgenossen wie die Perlen einer schimmernden Kette: Alexander Kanoldt, Alexej von Jawlensky, André Derain, August Macke, Auguste Herbin, Erma Barrera-Bossi, Franz Marc, Gabriele Münter, Georg Tappert, Georges Braque, Hans von Marées, Maurice de Vlaminck, Max Liebermann, Pablo Picasso, Paul Cezanne, Pierre Girieud, Vincent van Gogh, Wladimir Bechtejeff, Wassily Kandinsky u.a.m.. Es gehen einem in der sorgsam, mit viel Geschmack und liebevoll gehängten Ausstellung vor so viel Schönheit wirklich die Augen über.

 
Wladimir Bechtejeff, v.l.: Bacchanal 1911, Stehende 1912, Begegnung am Fluß o.j. - Foto © Frank Becker
 
Adolf Erbslöh war im Laufe seiner künstlerischen Karriere Radierer, Zeichner, Genremaler, Impressionist, Pointilist, Expressionist, Akt-, Landschafts, und Stillebenmaler, Epigone und Wegbereiter - ein Künstler und ausgezeichneter Handwerker. Woran er sich auch ausprobierte, das Ergebnis überzeugt – und die Gegenüberstellung mit Werken seiner Freunde, Impulsgeber und Zeitgenossen belegt es. Wir können hier nur einen winzigen Eindruck im Bild vermitteln, die Ausstellung zeigt insgesamt 90 Arbeiten Erbslöhs und 60 Arbeiten anderer Künstler.


Alexander Kanoldt, Stilleben Gitarre  1926  - Foto © Frank Becker
 
Zur Ausstellung, die von der Kunststiftung NRW, dem Kulturministerium NRW, der Stadtsparkasse Wuppertal, dem Einkaufsbüro Deutscher Eisenhändler und der Walter Klein GmbH & Co. KG unterstützt wurde, ist ein prächtiger Katalog im Eigenverlag erschienen:
 
„Adolf Erbslöh der Avantgardemacher“ (hrsg. v. Bate Eickhoff und Gerhard Finckh)
© 2017 Von der Heydt Museum, 264 Seiten, 24,5x30 cm, gebunden, mit Schutzumschlag, durchgehend farbig illustriert - mit Beiträgen von Gerhard Finckh, Beate Eickhoff, Gisela Schmoeckel, Brigitte Roßbeck, Felix Billeter, Nicole Hartje-Grave und Adolf Erbslöh (1931)
ISBN 978-3-89202-097-4
25,- €
 

Adolf Erbslöh, Frau mit Kind auf sommerlicher Allee 1927, Privatbesitz - Foto © Frank Becker / VG Bild-Kunst Bonn

Die Ausstellung: bis zum 20. August im Von der Heydt-Museum
Von der Heydt-Museum – Turmhof 8 – 42103 Wuppertal
Weitere Informationen: www.von-der-heydt-museum.de