Pädagogische Ansätze

„Schlamm oder Die Katastrophe von Heath Cliff“ von Louis Sachar

von Renate Wagner

Claudia Waldherr - Foto © Rita Newman
Wien Theater der Jugend / Theater im Zentrum:
„Schlamm oder
Die Katastrophe von Heath Cliff“
von Louis Sachar
in der Bühnenfassung von Jethro Compton

Premiere: 25. April 2017
besucht wurde die Vorstellung am 3. Mai 2017
 
Wieder eine Roman-Dramatisierung, die diesmal wohl eher als „pädagogisch wertvoll“ einzustufen ist als Patricia Highsmiths Mördergeschichte um Tom Ripley. „Schlamm oder Die Katastrophe von Heath Cliff“ basiert auf „Fuzzy Mud“ (2015) des Jugendbuchautors Louis Sachar, ist schlicht gedacht und schlicht gemacht, aber solcherart leicht dazu zu verwenden, „Botschaften“ zu vermitteln.
 
Hier beginnt es irgendwo in den USA in den achtziger Jahren (jedenfalls in historischen Vor-Handy und Vor-Laptop-Zeiten) als klassisches „Schul-Stück“, und jeder im Zuschauerraum kennt die Situation: die Schüler, die sich nicht allzu viel daraus machen, etwas lernen zu sollen, und die wenigen, die sich wirklich für alles interessieren. Die werden natürlich als Streber diffamiert wie das Mädchen Tamaya, deren Freundinnen – nur die Boys im Kopf – bloß den Kopf über sie schütteln können.
Und leider passiert es wohl immer und überall, daß brutale Schüler die schwachen tyrannisieren und diese sich nicht zu wehren wagen… Das kommt auch hier entsprechend häßlich von der Bühne.
Später allerdings stellt sich heraus, daß der „Böse“ ja eigentlich der Einsame, Benachteiligte ist, der als Antwort darauf herumtobt, aber psychologisch läuft alles ohnedies wie in einer primitiv gestrickten Fernsehserie, wo die Typen zum Klischee gerinnen. Und auch die Handlung bewegt sich in solch simplem Bahnen: Böse Wissenschaftler experimentieren mit Mikroben, die Geister, die sie riefen, geraten außer Rand und Band, plötzlich bedroht tödlicher, sich rasant ausbreitender, menschliches Gewebe zerfressender Schlamm die ganze Menschheit…
… ja, und dann ist es unsere Tamaya, die nicht nur Böses mit Gutem vergilt, sondern auch noch die Zauberformel findet, als kleine Jamie Bond die Welt zu retten. So sei es.


Foto © Rita Newman (rechts Rafael Schuchter)
 
Bearbeiter und Regisseur Jethro Compton hat es in einem eigenen Mehrzweck-Bühnenbild gar nicht so leicht, die schnellen Szenen, die an verschiedenen Schauplätzen spielen, theatergerecht zu machen. Aber er hat sehr gute Schauspieler, die sich mühelos jünger machen, als sie wohl sind. Und Claudia Waldherr wirkt sogar ideal als bebrillte, bezopfte „Streberin“ aus dem Bilderbuch, die letztlich nur klug und anständig und noch alles ist, was man sich idealerweise von einem Menschen nur wünschen kann. Ruppiger Gegenpol: Stefan Rosenthal als erschreckend aggressiver Chad. Und Rafael Schuchter, der als verrückter Wissenschaftler geradezu eine Parodie ist, wo er doch eigentlich beängstigend wirken müßte. Dazu ein Ensemble, das kann, was es soll.
Resümee: Kinder seid wachsam, hinterfragt Dinge, seid nicht untätig, wenn etwas schief läuft. Als ideale Forderung kann man es ja hinstellen. Solange niemand glaubt, daß im Leben alles so glatt geht und vor allem unbedingt ein Happy End ergibt, wie man es hier auf der Bühne sieht.
 
Renate Wagner