Jetzt kommt der Herbstů

von Rudolf Presber

H.M. Glatz pinx.

Jetzt kommt der Herbst…
 
Jetzt kommt der Herbst mit seinen goldnen Tagen –
Die Heide rötet sich im Abschiedsschein,
Und in die toten Sommerfreuden schlagen
Die letzten Rosen ihre Wurzeln ein.
 
Die Astern brennen aus den Gartenbeeten;
Und tausendfarbig breitet vor dem Haus
Ein Teppich wie zum Fest aus windverwehten
Und leichten Blättern bunte Muster aus.
 
Ein herber Duft steigt von den Rasenplätzen;
Die Gräser funkeln wie geschliffnes Glas,
Und von der Spinne wunderfeinen Netzen
Wie flüssig Silber rinnt der Tau ins Gras.
 
Leer hängen kleine Nester in den Zweigen,
Noch Federchen verflogner Brut darin;
Und über Blüten, die sich sterbend neigen,
Huscht goldig schimmernd noch ein Käfer hin.
 
Das Lied verstummt in kleiner Vogelkehle.
Aus Nebelschleiern steigt der Sonnenball - -
Und still und kühl und klar liegt meine Seele,
Dem Herbsttag gleich, und lauscht dem Blätterfall.
 
 
Rudolf Presber