Wieder ein Quartett, das man nicht Spiel nennen möchte

„Tyrannen-Quartett IV“

von Frank Becker

Tyrannen IV
 
Wieder ein Quartett, das man nicht Spiel nennen möchte
 
Despoten, Diktatoren, Tyrannen und ähnliches Geschmeiß werden uns „dank“ der an Grausamkeiten reichen Weltgeschichte wohl leider niemals ausgehen. So erklärt sich auch der nie versiegende Nachschub für die Serie „Tyrannen“ aus dem „Weltquartett“-Verlag, der aktuell bereits die vierte Staffel vorlegt – plus  die zwischenzeitlich vorgestellten tyrannischen Weiber („Damen“ scheint mir hier unpassend) und die über jeden Zweifel an ihren fürchterlichen Qualitäten erhabenen Tyrannen-Klassiker.
Wir haben es auch diesmal wieder mit einer bunten internationalen Palette von Imperialisten, Irredentisten, Hegemonen, Neopatrimonialisten, Autoritaristen, Kriegstreibern, Fundamentalisten und Massenmördern zu tun, die ihre und fremde Völker ausgebeutet, eine blutige Spur hinterlassen und sich teils schier unfaßbare Vermögen in wenigen Jahren unter den Nagel gerissen haben. Ich muß zugeben, daß mir die Kategorie Neopatrimonealisten bis dato fremd war – man lernt ja stets dazu -, deren prominente Vertreter allerdings nicht. Der irakische Premier Nuri al-Maliki gehört dazu, dem 100.000 Todesopfer in der Post-Saddam-Zeit zur Last gelegt werden und der unter den Augen der Weltöffentlichkeit in nur acht Jahren sagenhafte 10 Mrd. Dollar beiseite geschafft hat.
 
Zu den Irredentisten (ich hätte ihn bei den Massenmördern einsortiert) gehört Talât Pascha (1874-1921), Innenminister und Großwesir des
Osmanischen Reichs. Er ist als Verantwortlicher für den türkischen Völkermord an dem Armeniern zu betrachten, der 1915/16 bis zu 1,5 Millionen Todesopfer forderte. Er steckte sich in fünf Jahren Amtszeit rund drei Milliarden Dollar (vermutlich zum Teil aus dem Vermögen der ermordeten Armenier) in die Tasche und verschied in Frieden im deutschen Exil.
Existenzen wie der südsudanesischen Diktator Salva Kiir Mayardit, König Salman Ibn Abd al-Aziz von Saudi-Arabien, der irre philippinische Präsident Rodrigo Duerte, Richard Nixon, einer der übelsten US-Präsidenten der Geschichte, Hans Frank, der Nazi-Generalgouverneur in Polen für 2,5 Millionen Tote verantwortlich war und sich aus dem Vermögen ermordeter Juden 2 Milliarden Dollar aneignete sowie der Blutsäufer Jonas Savimbi, der Angola von 1966-2002 terrorisierte, gehören neben vielen anderen dazu. Eine ekelhaft illustre Gesellschaft.
 
Nicht einverstanden bin ich mit der Aufnahme von Ronald Reagan ins Tyrannen-Quartett: Zwar hat er die Invasion der Karibikinsel Grenada 1983 angeordnet, die nicaraguanischen Contras und dummerweise die afghanischen Taliban gegen Rußland unterstützt sowie den Bombenangriff auf Tripolis 1986 befohlen, doch war er kein hegemonialer Tyrann. Wir verdanken ihm Schritte zur Beendigung des Kalten Krieges und den Fall der Berliner Mauer.
Der französische Präsident Charles de Gaulle hingegen gehört aufgrund seiner Algerien- und Indochina-Politik und der damit verbundenen 250.000 Toten durchaus in die Rubrik „Hegemonen“. Man sieht, bei dieser 4.
Ausgabe des Tyrannen-Quartetts gibt es Diskussionsbedarf, was ja auch nicht schlecht ist.
Nennen wir noch die gierigsten Tyrannen mit den in ihrer Amtszeit angehäuften Milliarden-Vermögen: Kaiser Napoleon III. (10 Mrd.), Zar Alexander
II. (10 Mrd.), Kaiser Wilhelm I. (10 Mrd.), König Hassan II. von Marokko (4,5 Mrd.), Talât Pascha (3 Mrd.), Kaiser Franz Joseph I. (10 Mrd.), Präsident Yoweri Museveni von Uganda (1,1 Mrd.), Nuri al-Maliki (10 Mrd.), Porfirio Diaz, mexikanischer Präsident (3,5 Mrd.), König Salman Ibn Abd al-Aziz von Saudi-Arabien (10 Mrd.), Hans Frank, Nazi-Generalgouverneur (2 Mrd.). Aber: Die anderen sind auch nicht arm gestorben.



„Tyrannen-Quartett IV“
Kartenspiel
© 2017 Weltquartett, 32 Blatt (+ Deckblatt/Spielregeln), 59 x 92 mm, 300g/m² Quartettkarton lackiert,
bruchsicheres Klarsichtetui
10,- EUR (inkl. 19% MwSt, zzgl. Versand)
Weitere Informationen: www.weltquartett.de