Immer wieder sonntags ...

Charles M. Schulz – „Peanuts Sonntagsseiten – Snoopy der Star!“

von Frank Becker

   © Carlsen Verlag / Peanuts Worldwide LLC
Immer wieder sonntags ...
Peanuts für die ganze Familie!
 
Die Sunday Pages von Charles M. Schulz
 
Zu den schönsten Dingen bei meinen USA-Aufenthalten zählte das sonntägliche Aufblättern der Comicstrips in den großen Tageszeitungen. Diese „Sunday Pages“ sind traditionell die schönsten, denn in den Sonntagsausgaben der Zeitungen bekamen sie mehr Platz und konnten in Farbe erscheinen. Mit dabei waren von 1961 an auch die „Peanuts“ von Charles M. Schulz (1922-2000). Die „Li´l Folks“ aus den ersten Comic-Strips, die Charles M(onroe) Schulz in den späten 40er Jahren, damals noch unter dem Namen „Sparky“ als Spiegel der Erwachsenenwelt gezeichnet hat, waren ab 1950 als die „Peanuts“ in die amerikanischen Tageszeitungen und Sonntagseiten eingezogen. Kultur- und comic-geschichtlich schon bald etabliert, gehören sie spätestens seit den 60er Jahren nicht nur zum amerikanischen Selbstbekenntnis, sondern sind weltweit eine der berühmtesten Comic-Serien überhaupt geworden.
 
Charlie Brown und seine Freunde

Charles M. Schulz, der seine Geschichten vom ersten bis zum letzten seiner fast 18.000 Comic-Strips selbst gezeichnet hat, ist es gelungen, mit den vielschichtig erdachten Charakteren seiner Kinderwelt einen Spiegel des Lebens zu erschaffen. Auch die Vermenschlichung des philosophischen Beagles Snoopy, Alter ego des Protagonisten Charlie Brown, ist ein brillanter Kunstgriff. Sicher nicht zuletzt auch das hat seine Figuren weltweit zum Bestandteil der Alltagskultur gemacht. Charlie Brown, der liebenswerte Schwärmer und ewige Pechvogel im Pullover mit Zick-Zack-Muster, ist Sympathieträger Nr. 1 geworden, dicht gefolgt von seinem weltklugen, sich in alle Facetten des Hunde- und Menschenlebens träumenden Beagle. Durch ihn transportiert Schulz den Aspekt des für die Kinder Unerreichbaren.
 
Lucy, Linus, Schroeder & Co.

Charlie Browns durchaus ambivalente Haßliebe Lucy van Pelt, die ihm stets den Football wegzieht, wenn er glaubt, ihr beim Kick zum Saisonstart vertrauen zu können, kommt auch als kompromißlose psychiatrische Beraterin eine große Rolle zu. Ihr ganz anderes Gesicht zeigt sie in ihrer hingebungsvollen Verehrung des durchgeistigten klavierspielenden Schroeder. Ihr ganzes Gegenteil ist ihr kleiner Bruder Linus, der seine Sicherheit allein aus seiner Schmusedecke bezieht und der unsterblich in die Lehrerin Frl. Othmar verliebt ist. Und jedes Mal, wenn Lucy dem zögernden Linus eine Pralinenschachtel reicht: „Nimm eine!“ (er mag kein Kokos), wird er eine mit Kokos finden. Jeder hat sein Päckchen zu tragen. Kluge Fragen stellt Charlies kleine Schwester Sally, die Schulz etwas später als Teil des „Stammpersonals“ eingeführt hat. Begleitende Nebenfiguren, die regelmäßig ihre Auftritte haben sind u.a. der freundliche kleine Schmutzfink „Pig Pen“, Peppermint Patty, die Charlie liebt und nicht davon ablassen kann, ihn „Chuck“ zu nennen, ihre ausgleichende kluge Freundin Marcie, Franklin, Frieda und das kleine rothaarige Mädchen, dem Charlie Browns ganze Liebe gehört.


© Carlsen Verlag / Peanuts Worldwide LLC

Woodstock & Snoopy

Als Ende der 60er Jahre mit dem kleinen gelben Vogel Woodstock im Kielwasser Snoopys - der übrigens zu Beginn seiner Existenz noch Spike hieß - eine weitere tierische Figur hinzukam, begann eine Ära unerschöpflicher existenzieller Dialoge und Pfadfinderabenteuer, in denen Snoopy, der als legendärer Roter Baron, Raumpilot, Geier, Pirat oder Schriftsteller bis dahin eher eine introvertierte Rolle spielte, nun echte Führungsqualitäten zeigen konnte. Auch hier, wie bei den Alltagsgeschichten der „Peanuts-Bande“ zeichnete Charles N. Schulz humorvolle Parabeln zur Realität. Zu einer stark religiös gefärbten Variante seiner Strips für die „Church of God“, die in den 60ern per Post auch in deutsche Haushalte verschickt wurde, ging Schulz später auf Distanz. Eine Vielzahl von zum Teil abendfüllenden Zeichentrickfilmen entstand, zu denen Vince Gueraldi die kongeniale Musik schrieb, ohne die die bewegten Peanuts-Bilder nicht mehr zu denken sind.

Europa, USA und Deutschland
 
In den 70er Jahren eroberten die Peanuts nach den amerikanischen Tages- und Sonntagszeitungen („Peanuts every Sunday“) über England und Skandinavien kommend, endgültig auch Europa. Die Peanuts-Strips hielten Einzug in Tageszeitungen, und in Deutschland stellten im Lauf der Jahrzehnte diverse Verlage dem Publikum die Peanuts in zahllosen Buchausgaben, Kalendern und in einer eigenen Zeitschrift vor.
Bereits 1961 war der erste Sammelband „Peanuts Every Sunday“ bei Holt, Rinehart and Winston Inc. in den USA für 1 $ (noch in s/w) auf den Markt gebracht worden.
 
 

Nach dem vor sieben Jahren zum 60. Geburtstag der Peanuts im Carlsen Verlag erschienenen Luxus-Band „Das große Peanuts Buch“ liegt dort jetzt ein wahrhaft gewaltiger Sammelband mit sämtlichen Sonntagsseiten von 1961-1970 vor, ein wahrer Schatz für Comic-Freunde, zugleich eine Fundgrube der Weisheit, die ihr Autor und Zeichner Charles M. Schulz  durch seine liebenswerten Figuren präsentiert hat.
Der Carlsen Verlag, der zusätzlich zu verschiedenen Einzelbänden und einer auf 25 Bände angelegten Werkausgabe das oben erwähnte Jubiläums-Buch vorgelegt hat und nun mit dem (ersten?) Band der farbigen Sonntagsseiten einen weiteren Prachtband präsentiert, nimmt dabei eine maßgebliche Position ein. Die köstliche wie kostbare gelungene Sammlung der „Sunday Pages“ (auf über 500 Seiten alle Peanuts-Sonntagstrips der Jahre 1961-1970) ist heute auch unser Buch der Woche und bekommt von Herzen unsere Auszeichnung, den Musenkuß.
 
Charles M. Schulz – „Peanuts Sonntagsseiten – Snoopy der Star!“
übersetzt von Matthias Wieland
© 2017 Carlsen Comics, 528 Seiten in Farbe, gebunden, 22 x 22,9 cm – ISBN 987-3-551-71907-2
29,99 €(D) / 30,90 €(A)
 
Weitere Informationen: www.carlsen.de/comic