...wo Mutti sonst nur saugen kann...

Vor zehn Jahren erschien Beate Battenfelds ultimatives Buch über den Staubsauger "Kobold"

von Frank Becker

...wo Mutti sonst nur saugen kann...


Loriots Staubsaugervertreter-Sketch ist bis heute in aller Munde, wird immer wieder gerne zitiert, die ganze Nation kennt seinen Staubsauger "Heinzelmann". Vor zehn Jahren wurde dessen Urvater, Inkarnation deutscher Hausstaubbekämpfung, die Würdigung zu­teil, die ihm bis dahin versagt blieb: ein Buch kam auf den Markt, das den "Kobold" ehrte und ihm den angemessenen Platz in der deutschen Design- und Kulturgeschichte zuwies: "Kultstaubsauger Kobold - der mit der Trockenhaube" ein opulenter Band aus dem Berliner Trescher Verlag.

Lücke erkannt

Die Idee stammte vom Verleger selbst. Detlev von Oppeln er­kannte die klaffende Lücke in der Fachliteratur und hatte das Glück, bei seinen Materialrecherchen im Hause Vorwerk in Wuppertal die

promovierte Historikerin Beate Battenfeld zu treffen, die im Sommer 1997 dort ein Archiv aufbaute. Sie nahm sich mit Begeisterung von Oppelns Idee an. Er zog sich aufs Verlegen und seine Erinnerungen an den Kobold zurück und überließ Beate Battenfeld die Zusammenstellung des Buches. Manfred Piwinger schrieb das Vorwort. Das Ergebnis kann sich sehen lassen: auf 158 großformatigen und reich bebilderten Seiten wird die Geschichte des populärsten Staubsaugers deut­scher Produktion aufgerollt und erzählt. Das originelle und historisch wertvolle Bildmaterial, ergänzt durch authentische Kundenbriefe, wird im nötigen Maß durch erläuternden Text aufgelockert, hier wie bei der Bildauswahl spürt man den Spaß der Verfasserin an der Herausforderung. Endlich ein Sachbuch ohne Geschwafel, das trotzdem die wichtigen technischen Fakten nennt.

Populäres Haushaltsgerät mit vielen Möglichkeiten

Seit 1930 ist der Kobold auf dem Markt. Er verdankt seine Ent­wicklung quasi einer Verlegenheit: als das Geschäft mit elek­trisch betriebenen Grammophonen zum Erliegen kam, waren die Motoren und deren Produktionsstätten vorhanden. Ingenieur Engelbert Gorissen konstruierte um den kleinen Motor herum eine Saugvorrichtung - die Erfindung des ersten elektrisch betriebenen Staubsaugers wurde patentiert, der "Kobold" war geboren. In seiner langen Erfolgsgeschichte hat der "Kobold" nicht nur als Teppichreinigungsgerät gedient, sondern konnte durch einfache Umbauten auch als Haartrockner, Luftbefeuchter, Bohnerbesen, Flitspritze oder gar Motorreiniger bei Kraftfahr­zeugen eingesetzt werden. Heute wird er anerkennend der "Mercedes unter den Staubsaugern" genannt. Sogar meine Mutter, eine kritische Dame sagte: „Der Kobold ist mir der liebste Staubsauger, den ich im Leben hatte.“ - und sie war damals schon 85! Vicco von Bülow (Loriot) befindet sich also in bester Gesellschaft als „Kobold"-Besitzer (S. 146).


Ein Standardwerk

Es ist ein unterhaltsames und informatives Hand-Buch entstanden, auch durch sein reichhaltiges

Werbung 1972
Bildmaterial gleichermaßen interessant für "Kobold"-Besitzer, Historiker, Werbe-Ästheten und Design-Sammler. Ein Standardwerk.

Beate Battenfeld
"Kultstaubsauger Kobold“
158 Seiten mit vielen Illustrationen, © 1998 Trescher Verlag Berlin, ISBN 3-928409-74-3
Das Buch ist im Sortiment nicht mehr zu bekommen, doch im Antiquariatsbuchhandel sind noch etliche Exemplare zu finden. Ein Kultbuch, nach dem zu suchen sich lohnt.

Alle Illustrationen © Vorwerk & Co.