Hörspielpreis der Kriegsblin­den

Rimini Protokoll wird für „Karl Marx: Das Kapital, Erster Band“ ausgezeichnet

von Tanja Güß

www.musenblaetter.de

Karl Marx auf dem Petersberg:
Hörspielpreis der Kriegsblin­den für Künstlergruppe Rimini Protokoll

Kulturstaatsminister Bernd Neumann zu Gast bei der Verleihung
am 2. Juni auf dem Petersberg, Königswinter/Bonn

Auszeichnung für das Hörspiel „Karl Marx: Das Kapital, Erster Band“

Helgard Haug und Daniel Wetzel, auch bekannt als Künstlergruppe Rimini Proto­koll, sind die 57. Preisträger des Hörspielpreises der Kriegsblinden/Preis für Radiokunst. Die Verleihung des renommierten Preises, bei der Kulturstaatsminister Bernd Neumann eine Ansprache halten wird, findet am 2. Juni um 10.30 Uhr auf dem Petersberg, Königswinter/Bonn statt. Die beiden Künstler erhalten die Auszeichnung für ihr Werk „Karl Marx: Das Kapital, Erster Band”, das vom DLF und WDR produ­ziert und am 19. November 2007 urgesendet wurde. In ihrer Laudatio wird die Jury-Vorsitzende Anna Dünnebier die Künstler und ihr Hörspiel würdigen.

Schon bei ihrer Entscheidung hatte die Jury gelobt: „Ein weiteres großartiges Stück der Gruppe „Rimini Protokoll“ stellt auf erhellende Weise Experten des All­tags in einen artifiziellen Zusammenhang. Im Hör­spiel ‚Karl Marx: Das Kapital, Erster Band’ erforschen Helgard Haug und Daniel Wetzel, wo in der Gesellschaft dieses Buch, das jeder kennt und kaum einer gelesen hat, seine Spuren hinterlassen hat. Menschen setzen ihr Leben in Beziehung zu dem Werk. Menschen setzen ihr Leben in Beziehung zu dem Werk. Der eine hat es gründlich studiert, die andere damit geheizt. Ein Wissen­schaftler, ein blin­der Plattensammler, ein früherer Maoist, ein Gewerkschafter, eine Prostituierte und andere erzählen von Habenwollen und Spielsucht, Anlagebetrug, von Menschen als Ware, Fetischen, vom Arbeitsalltag, vom Marxwein aus Trier, von Neo­kapitalismus und alter Ausbeutung.“

Der Hörspielpreis der Kriegsblinden/Preis für Radio­kunst wird gemeinsam vom Bund der Kriegsblinden Deutschlands e.V. und der Filmstiftung Nordrhein-Westfalen getragen. Mit dem Preis wird jährlich ein von einem deutschsprachigen Sender konzipiertes und produzier­tes Hörspiel ausgezeichnet, das „in herausragender Weise die Möglichkeiten der Kunst­form realisiert und erweitert”. Preisträger der ver­gangenen Jahre waren u. a. Michaela Melián, Stefan Weigl, Elfriede Jelinek, Christoph Schlingensief, Andreas Ammer & FM Einheit, Walter Filz, Inge Kurtz & Jürgen Geers oder Schorsch Kamerun.


Helgard Haug und Daniel Wetzel arbeiten alleine, gemeinsam und zusammen mit Stefan Kaegi unter dem Label Rimini Protokoll. Sie gelten als die „Protagonisten und Begründer eines neuen Reality Trends auf den Bühnen“ (Theater der Zeit), der die junge Theater­szene geprägt hat. Die Arbeiten finden in der Grauzone zwischen Reali­tät und Fiktion statt und haben international Aufmerksamkeit erregt. Ihr aktuelles Stück „Karl Marx: Das Kapital. Erster Band“ wurde mit dem Mülheimer Dramatiker Preis 2007 ausgezeichnet. Im November 2007 hat Rimini Protokoll den FAUST erhalten, im April 2008 wurden sie mit dem Europäischen Theaterpreis in Thessaloniki ausge­zeichnet.