Vor 60 Jahren trat die D-Mark in unser Leben

(und vor zehn Jahren wurde ihr Abschied eingelšutet)

von Frank Becker

Foto © Frank Becker

Erinnerungen an Mark und Pfennig


Als am 20. Juni 1948 mit dem "Tag X" und der Währungsreform die neue Währung in Gestalt der Deutschen Mark in den drei Westzonen in die Geldbörsen der (West-) Deutschen gelangte, endeten die Ungewißheit, was wohl aus den übriggebliebenen Reichsmark, dem überall florierenden Schwarzmarkt und der noch stockenden Nachkriegswirtschaft werden würde. Das Erste Gesetz zur Neuordnung des deutschen Geldwesens vom 19.6.1948 bestimmte: "Die Rechnungseinheit bildet die Deutsche Mark, die in hundert Deutsche Pfennig eingeteilt ist". Doch diese Mark und Pfennig in Form von Münzen folgten in etwas zeitlichem Abstand - zuerst waren die Scheine da: eine halbe Mark, 1,-/2,-/5,-/10,-/20,-/50,- und 100,- DM. Als Wechselgeld dienten vorläufig noch alte Reichs- Münzen und die in aller Eile gedruckten Scheine zu 5 und 10 Pfennig. Das
klassische 1-DM-Stück (siehe Foto links oben) kam erst 1950 in Umlauf, im selben Jahr der kupferne Pfennig und der Groschen aus Stahl mit einer Tombak-Hülle. Das schöne 50-Pfennig-Stück mit der symbolisch eine Eiche pflanzenden Frau (das Modell Gerda Jo Werner erlangte Unsterblichkeit) folgte 1951. Erinnern Sie sich übrigens noch an das erste Zweimarkstück - das mit den Ähren und Trauben?

40 Deutsche Mark für jeden

Jeder Bürger bekam als Startkapital, sogenanntes "Kopfgeld", 40 D-Mark in die Hand. Damit fing
förmlich über Nacht das Wirtschaftswunder an, das Deutschland (West) rasant aus der Flaute führte. Ebenso über Nacht füllten sich die Schaufenster der Geschäfte mit allem, was das Käuferherz begehrte (wo waren all die guten Sachen, als man noch mit unsicheren Reichsmark-Kursen jonglierte?): Textilien, Fotoapparate, Radios, Lederwaren, Lebensmittel. Es gab Kohlen, Brot und Fleisch - und niemand brauchte mehr eine Lebensmittelkarte, um die Köstlichkeiten kaufen zu können. Die ersten Geldscheine - wir zeigen Ihnen hier rechts den zu 10,- DM und den zu 20,- DM - ähnelten sehr dem Erscheinungsbild der US-amerikanischen Dollar-Banknoten, warum auch nicht, steckten doch der starke Dollar und die sehr um den Neuaufbau Deutschlands bemühten Amerikaner hinter dem Wunder des geordneten Neuanfangs. Der deutsche Kopf hinter der Währungsreform war der spätere Bundeswirtschaftsminister und
Vizekanzler Ludwig Erhard, damals bayerischer Wirtschaftminister und Leiter der Expertenkommission in der amerikanisch-englischen Bi-Zone. Sein kluges Wort von der Notwenigkeit, das Geld so knapp zu halten, wie es der Warenverkehr erforderlich macht, ist legendär geworden.
In der Sowjetischen Besatzungszone, die dann als Deutsche Demokratische Republik eine kurze sozialistische Geschichte erlebte, zog man flugs mit einer eigenen neuen deutschen Währung nach, die ebenfalls Mark genannt wurde.

Die Mark im Wandel

Was bekam man nicht alles für einen Groschen zu dieser Zeit, eine Mark war eine solide Einheit und
das Fünfmarkstück war sogar zu zwei Dritteln aus Silber.
Einige Male änderte sich das Gesicht der Banknoten und einiger Münzen, denken wir nur an den "Skandal-Fünfer" mit der nackten Europa auf dem Stier. Der europäische Gedanke funktionierte auch auf der Mark. Neue Münzen kamen hinzu, oft mit dem Ziel, Sammler zu beglücken (beglückt wurde aber überwiegend nur die Staatskasse). Große Scheine zu 200,-, 500,- und 1.000,- DM belegten Wohlstand. Fünfzig Jahre lang galt die Mark etwas in der Welt, machte in späteren Jahren zunehmend dem Dollar Konkurrenz und war in Krisenzeiten auf dem Balkan Schattenwährung, im Kosovo 1999 sogar offizielles Zahlungsmittel. Da aber war ihr Dahinscheiden bereits beschlossene Sache. Die führenden Politiker Europas glaubten, daß nur mit einer einheitlichen Währung das wirtschaftliche Überleben der Europäischen Union möglich sei und setzten - in etlichen Ländern gegen den erklärten Willen der Bevölkerung - die Einheitswährung des Euro und Cent durch. Die Dänen behielten übrigens ihre Krone und die Briten ihr Pfund, da hatte man das Volk abstimmen lassen.

Schwerer Abschied

Heute dürfen wir anläßlich ihres 60. Geburtstages und 10. Todestages der D-Mark ein Tränchen

Foto © Frank Becker
hinterherweinen. Noch immer sehnen sich viele Deutsche nach diesem optisch wie haptisch schönen Geld zurück, nach der Sicherheit, die einem eine Mark gab, während einem ein Euro mehr und mehr wie Spielgeld vorkommt, das nicht unberechtigt den Schimpfnamen "Teuro" bekommen hat. Wer noch die eine oder andere Münze aus der guten D-Mark-Zeit hat, vielleicht sogar den einen oder anderen Schein, wird diese Erinnerungen an das Wirtschaftswunder und eine soliden Abschnitt der deutschen Geschichte heute mit Zärtlichkeit und ein wenig Wehmut in die Hand nehmen. Und davon träumen, wie schön es wäre, wieder zu hören: "Haste ma ne Mark?".

Alle Fotos © Frank Becker