Herr Tretoh...

...und die Nachtaktivitšt der Meerschweinchen

von Erwin Grosche

Foto © Uwe Nölke

Herr Tretoh


Herr Tretoh erfuhr von den Nachtaktivitäten der Meerschweinchen. Seine Freundin Hedwig war ein großer Tierfreund und hatte zwei Meerschweinchen von ihrem Ex in Pflege. Ungläubig schaute Herr Tretoh auf die beiden Nager, die ihn aus ihren kleinen Häusern anschauten, als wären sie unsichtbar. »Diese beiden Hänger sollen nachtaktiv sein?«, fragte er ungläubig. »Alle Meerschweinchen sind nachtaktiv«, sagte Hedwig und kraulte das eine dicke Meerschweinchen am Hals und setzte es wieder in den Käfig ab, wo es sofort wieder in seinem viel zu kleinen Haus verschwand. In der Nacht stand Herr Tretoh auf und schlich sich leise zu dem Käfig der beiden Stimmungskanonen. Es war Vollmond und der Flur, auf dem der Käfig stand, war beleuchtet wie in einem Gruselfilm. Er schaute zu den beiden Häusern der beiden Nachtaktivisten und erwartete Orgien, Protestaufmärsche und sportliche Wettkämpfe. Nichts geschah. Beide Meerschweinchen hockten wie eingemauert in ihren Holzhäuschen und schauten ihn mit großen Augen an. Herr Tretoh wartete und wartete, aber die beiden Eigenheimbesitzer gingen nicht aus sich heraus und bewegten sich nicht.
»Dacht´ ich es mir doch«, murmelte Herr Tretoh. »Der einzige, der hier nachtaktiv ist, bin ich.« Enttäuscht ging er ins Bett. Am nächsten Morgen saßen beide Meerschweinchen gähnend in nur einem Haus. Sie sahen verändert aus. Das eine hatte ein grünes Fell, das andere trug alberne Zöpfe. Der Essensnapf war aus dem Käfig gestoßen worden, die Körner lagen weit verstreut auf dem Boden. Das zweite Haus war umgekippt worden und Herr Trethos Unterhose flatterte als Riesenzeltdach über dem ganzen Käfig. »Natürlich«, murmelte Herr Tretoh, »die eigentliche Party beginnt immer erst dann, wenn ich gerade gegangen bin.«


© Erwin Grosche