Auftaktveranstaltung zu "Wuppertal liest ein Buch" ein voller Erfolg

Tessa Mittelstaedt las und begeisterte: Publikum, Autorin und Oberbürgermeister

von Frank Becker

Tessa Mittelstaedt - Foto © Frank Becker
Auftakt aus dem Bilderbuch

Die Schaupielerin Tessa Mittelstaedt verlieh den Personen des Romans "Türkischrot" bei der Lesung am Samstagabend Gestalt, Charakter und Stimme.
Das Publikum lag ihr zu Füßen.



So gelungen war die lebendige Lesung, daß sogar Christiane Gibiec, die Autorin des Krimi-Klassikers, noch zehn Jahre nach dem ersten Erscheinen ihres Erfolgsromans neue Facetten des Textes und der von ihr erfundenen und brillant recherchierten Figuren entdecken konnte. Man war hin- und hergerissen, wen man nun im Auge behalten sollte: die Autorin, die Mal um Mal herzliche, offene Begeisterung zeigte oder die schöne Schauspielerin, die mal säuselte, dann wieder derb volkstümlich daher kam, mit französischem Akzent sanft gurrend verführte oder als Vorarbeiter Bremkamp grob polterte. Es war der berühmte Film im Kopf, der entstand, als Tessa Mittelstaedt zwei Kapitel des historischen Krimis vorstellte. Das genossen in vollen Zügen mit Christiane Gibiec, der
eloquenten Moderatorin des Abends Ingrid Müller-Münch und Oberbürgermeister Peter Jung, der sich ganz besonders über das Wiedersehen mit der streitbaren Schauspielerin freute, die gut 150 Zuhörer in der bis auf den letzten Platz besetzten Gemarker Kirche, darunter u.a. der Schauspieler Hans Richter, der Dramatiker und Romancier Karl Otto Mühl und die Schauspielerin Petra Koßmann.

Zwischen die beiden Kapitel hatten die Veranstalter, für die Michael Okroy die gelungene

Oberbürgermeister Peter Jung - Tessa Mittelstaedt
Foto © Frank Becker
Organisation übernommen hatte, eine kleine Gesprächsrunde auf dem Podium und ein halbstündige Klangperfomance mit Martin Stürtzer (Elektronik) und Christian Stritzel (Theremin) gestellt. Betäubende Original-Töne von Webstühlen und (Dampf-) Maschinen, wie sie zur Zeit der Handlung in der Mitte des 19. Jahrhunderts in Barmer Textilfabriken in Gebrach waren, kunstvoll verfremdet und verwoben mit den Klängen des Theremin, konfrontierten das Publikum mit der Geräuschkulisse, der die ausgebeuteten Arbeiter zwölf Stunden am Tag ausgesetzt waren. Es muß die Hölle gewesen sein. Das war es denn auch für einige Zuhörer, die nach langen 20 Minuten das Ende der 30-minütigen Vorstellung nicht abwarten wollten und den Saal verließen. Das Faszinosum des von den beiden Künstlern entworfenen Klangbildes und die mystische Einbindung des Theremin blieben davon unberührt. Etwas weniger wäre allerdings mehr gewesen.

Tessa Mittelstaedt bewältigte nach der Geräuschattacke mit Bravour den zweiten Teil ihrer Lesung, in dem es nach der hautnahen, intensiven Schilderung der verzweifelten Trunksucht der

Tessa Mittelstaedt - Christiane Gibiec  -  Foto © Frank Becker
geschundenen Arbeiter nun auch zu dem grausigen Mord an der Fabrikbesitzers-Gattin Henriette vom Bruch kommt. Wer den Roman noch nicht gelesen haben mochte, war nun neugierig genug. Doch auf die Bitte Tessa Mittelstaedts um ein Handzeichen, wer wohl schon "Türkischrot" gelesen habe, gingen die Arme von rund 90 % der Zuhörer nach oben. Welch Kompliment für Christiane Gibiec - und welch Kompliment für Tessa Mittelstaedt, die anschließend von vielen Gästen um ein Autogramm im mitgebrachten Buch gebeten wurde. Wer sie gleich noch einmal sehen wollte, konnte das am Sonntagabend in der neuen Kölner Tatort-Folge "Brandmal". Da spielte sie wieder Franziska Lütgenjohann,
die Assistentin der beiden Kriminalkommissare Ballauf und Schenk.