Seit 100 Jahren "durch die Blume"

Frank Wendler erzählt die Geschichte von Fleurop

von Frank Becker
Titel-Abbildung Archiv Blumen Lauprecht Bremen
Gestaltung: hawemannundmosch
Von der "Blumenspende"
zum Fleurop-Online-Store

Ein Buch über eine der liebenswertesten Geschäftsideen
des 20. Jahrhunderts


Zum Muttertag, zum Valentinstag, zum Geburtstag oder zum Jubiläum schenkt man Blumen. Ein frischer Strauß bringt Fröhlichkeit, Farbe und jenachdem auch den Duft der Blumen ins Haus. Ich wüßte kaum jemanden, er hätte denn kein Herz, der sich nicht über einen Blumenstrauß freuen würde. Größe und Art des geschenkten Gebindes sagen zwar nicht immer, aber doch recht häufig einiges über das Verhältnis zwischen Beschenktem und
Schenkendem aus. Ist es ein formeller Blumengruß, bedankt man sich damit für eine Freude, die einem gemacht wurde, gratuliert man zu Geburtstagen, Erfolgen oder Jubiläen - oder ist das (An-) Gebinde ein Liebesgruß? Die Zahl der Möglichkeiten und Anlässe ist groß. 

Blumen wurden schon immer gerne überreicht, fanden und finden stets beglückte Empfänger. Was
nun aber tun, wenn diese so weit weg sind, daß man ihm die bunte Pracht nicht selber bringen kann? In Berlin wurde vor 100 Jahren die Idee geboren, solche räumlichen Distanzen durch einen Zustelldienst zu überbrücken, der hier die Blumen als Gruß bringt, die dort in Auftrag gegeben werden, wo der Absender lebt. "Blumenspende" hieß das anno 1908, als der Vorsitzende des V.D.B. (Verband Deutscher Blumengeschäftsinhaber), Max Hübner den Plan Worklichkeit werden ließ. Die "Blumenspende-Vermittlungs-Vereinigung" mit 98 Mitglieds-Unternehmen war ins Leben gerufen. 50.000 Floristen weltweit (1908 hießen sie noch Blumenbinder) gehören der Vereinigung, die seit 1927 nach dem überwundenen 1. Weltkrieg europaweit unter dem Namen "Fleurop" agierte, heute in 150 Ländern der Erde an.

Frank Wendler hat mit Unterstützung der Fleurop ein umfassendes, sehr informatives und zugleich
unterhaltendes Buch über die Entwicklung der Blumenspende/Fleurop geschrieben, das im Nicolai Verlag erschienen ist. Angereichtert durch reichhaltiges und sehr rares Bildmaterial erzählt er die Erfolgsgeschichte dieser großartigen Idee, die nicht nur kaufmännisch brillant war, sondern seither Freude in ungezählte Haushalte gebracht hat. Nach der schrecklichen Zeit der Nazi-Herrschaft und des 2. Weltkrieges, der auch in Deutschland alles in Schutt und Asche gelegt hatte, war an den Luxus von Blumen zunächst nicht zu denken. Fleurop versuchte 1945 einen Neuanfang mit drei Mitarbeitern  in zwei Kellerräumen. Erst mit der Währungsreform und dem deutschen Wirtschaftswunder kamen Blumen als Gruß und Geschenk wieder in Kurs. 1958 wurde in Berlin-Lichterfelde ein neues Geschäftshaus eingeweiht - Fleurop hatt zu diesem Zeitpunkt bereits wieder über 5.000 Mitglieder.  Heute, 50 Jahre später, ist auch und besonders dank der "Imports" von Feiertagen wie dem Valentinstag und der Kultivierung des Muttertags die "Blumenspende" so populär wie nie zuvor.

Frank Wendler hat in seine erschöpfende Kulturgeschichte "100 Jahre Fleurop" auch diverse Kapitel zur Geschichte der Blumenzucht, Blumenkunst und der Bedeutung von Blumen in unterschiedlichen historischen Epochen eingeflochten.
In den 1950er Jahren warb Fleurop in Anzeigen mit einem abgewandelten Wort Franz Grillparzers:
" Gold schenkt die Eitelkeit, der reiche (rauhe) Stolz; die Freundschaft und die Liebe schenken Blumen." Schenken Sie also lieber Blumen...

"100 Jahre Fleurop", © 2008 Nicolai Verlag, 178 Seiten 21,5 x 23 cm, geb. mit Schutzumschlag, 40 s/w- und 40 Farbillustrationen, 24,90 €

Weitere Informationen unter: www.nicolai-verlag.de  und  www.fleurop.de