Schneehöhen für Skifahrer:

Der richtige Umgang mit „offiziellen“ Messungen

von Theo Reisner

"Idealzustand" in Heiligenblut - Foto © Theo Reisner
Schneehöhen für Skifahrer:
Der richtige Umgang mit
„offiziellen“ Messungen 
 

Der legendäre Innsbrucker Glaziologe Herfried Hoinkes gab seinen Studenten die Weisheit „Wer mißt, mißt Mist“ mit auf den eisigen Berufsweg. Und die „Vorarlberger Nachrichten“ in Bregenz witzelten in einer besonders schneearmen Zeit der 80er Jahre über offizielle Messungen der Schneehöhe im eigenen Ländle: „Mancher Ort scheint mit der Technik Gästebetten mal Liftbügel dividiert durch Einwohner und Seehöhe zu arbeiten“. Die Vail-Resorts in Colorado machen es sich besonders leicht und melden im Januar 09 bescheidene 17 Meter als Schneehöhe. Ihre Meßtechnik: Alle Neuschnee-Mengen von Vail, Beaver Creek, Breckenridge und Keystone vom letzten Monat ergeben zusammen gezählt eben 17 Meter.

50 mehr oder wenig stark gerundete Zentimeter gelten bei Fortgeschrittenen als untere Schmerzgrenze fürs Skivergnügen. Trotz abweichender Auffassungen, wieviel Schnee nun tatsächlich auf der Piste liegt - von Verfrachtungen bis Sonnen-Einfallswinkel will dabei Einiges beachtet werden - ist eins unbestritten: In den letzten Jahren haben die Schneemengen gegen Saisonende kräftig zugenommen. Auf dem Galzig in St. Anton zum Beispiel auf 2.185 Metern Seehöhe lagen im April (monatlicher Durchschnitt) 1998 beachtliche 224 cm und ein Jahr später bereits 291 cm. In der Saison 03/04 waren es 302 cm, danach folgte eine Stabilisierung auf hohem Niveau, bis im April 2008 die Rekord-Höhe von 351 cm erreicht wurde. Vergleicht man den Durchschnitt vom Januar mit jenem vom April (als Summe aus den letzten acht Jahren) dann ist - zumindest  statistisch - im April mit doppelt so viel Schnee wie im Januar zu rechnen. Dr. Karl Gabl vom Tiroler Wetterdienst: „Ich bin neugierig, wie es weiter geht. Vielleicht sind wir Skifahrer zu ungeduldig, wenn wir uns bei den ersten Schneeflocken im Dezember schon auf die Socken machen und nach ein paar Frühlingstagen Ende Februar die Lust verlieren“. Wer Ende März bis Ende April auf Skiurlaub geht, ist aller Wahrscheinlichkeit auch 2009 auf der sicheren Schnee-Seite. Zumal die wichtigeren Talabfahrten überall mit frischem Weiß aus der Kanone berieselt werden. Und an den Temperaturkurven der letzten Jahre ist ablesbar, daß ab rund 2.000 Meter Seehöhe durchaus mit Pulverschnee gerechnet werden darf.

Foto © Theo Reisner

In den meisten Skigebieten unserer Alpen ist das Saisonende in den vergangenen zehn Jahren also zur schneereichsten Zeit im Jahr geworden. Lange Tage ohne eisigen Wind, viel Sonne und geschmolzene, nicht geschmalzene Preise – also liebe Skifahrer: Geduld, Geduld ... und  Schneehöhen-Messungen bringen doch was!