Wissenschafts-Moderator Ranga Yogeshwar ist Ehrendoktor

Die Universität Wuppertal verlieh heute dem beliebten Populärwissenschftler den Titel eines Dr.-Ing. E.h.

von Frank Becker

Rektor Prof. Dr. Lambert T. Koch, Dekan Prof. Dr.-Ing. Bernd Tibken,
Dr.-Ing.E.h. Ranga Yogeshwar - Foto © Frank Becker

Quarks & Co.

Der Physiker Ranga Yogeshwar hat in seinen mehr als 1000 Fernsehsendungen der Reihen „Quarks & Co.“(WDR), Wissen vor 8 “(ARD), „Wissenschaftsforum“ (Phoenix), und „Die große Show der Naturwunder“ (ARD) weiten Kreisen Antworten auf Fragen des täglichen Lebens im Zusammenhang mit praktischen Erkenntnissen verschiedener Wissenschaftsbereiche gegeben. Seine große Popularität bei allen Alters- und Bildungsgruppen wird nur noch von seinem Verdienst übertroffen, interessante Naturphänomene allgemein begreifbar gemacht zu haben. Die Universität Wuppertal hat ihm deshalb heute durch ihren Rektor Prof. Dr. Lambert T. Koch mit einem Festakt in Anwesenheit des Physik-Nobelpreisträgers Prof. Peter Grünberg, WDR-Intendantin Monika Piel, Oberbürgermeister Peter Jung, Rektor Prof. Dr. Joachim Treusch (International Uiversity Bremen) und Dekan Prof. Dr.-Ing Bernd Tibken heute die Würde eines Dr.-Ing.E.h. des Fachbereichs Elektro-, Informations- und Medientechnik verliehen.
 
Lesen Sie die Rede von Prof. Dr. Lambert T. Koch, die deutlich macht, wieso niemand anderem als Ranga Yogeshwar diese Ehrung zuteil werden konnte.

Prof. Dr. Lambert T. Koch:
 
Hochverehrtes Auditorium, meine Damen und Herren,
 
es ist mir eine große Freude und Ehre, Sie im Namen der ganzen Bergischen Universität heute hier begrüßen zu dürfen. Erlauben Sie mir, daß ich einige aus der Reihe der vielen hochrangigen Ehrengästen namentlich oder zumindest in Gruppen zusammengefasst, heraushebe: So heiße ich besonders herzlich willkommen:
 
Prof. Dr. Lambert T. Koch - Foto © Frank Becker
den Wuppertaler Oberbürgermeister Peter Jung, die Oberbürgermeisterin der Stadt Remscheid, Frau Beate Wilding, stellvertretend für die – so wurde mir gesagt: um die dreißig WDR-Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter – die Intendantin des WDR, Frau Monika Piel sowie den Direktor für Produktion und Technik, Herrn Hans Joachim Weber. Des weiteren Herrn Reinhard Grätz, Vorsitzender des WDR-Rundfunkrates und Ehrenbürger der Bergischen Universität, Herrn Professor Peter Grünberg, Physik-Nobelpreisträger 2007 und Gutachter im Ehrenpromotionsverfahren, Herrn Professor Joachim Treusch, Präsident der Jacobs Universität Bremen, ehemaliger Vorstandsvorsitzenden des Forschungszentrums Jülich und ehem. Präsidenten der Deutschen Physikalischen Gesellschaft – verbunden mit einem besonderes herzlichen Dank für seine Bereitschaft, heute durch das Programm zu führen,
stellvertretend für den Hochschulrat der Bergischen Universität den Physiker Herrn Dr. Hans-Udo Klein, für die Universitätsfreunde namentlich Herrn Professor Köbberling und Frau Dr. Henkels, den Rektor der mit uns befreundeten Kirchlichen Hochschule Wuppertal, Herrn Professor Ruddat, zahlreiche Repräsentanten des öffentlichen Lebens, darunter viele Schulleiter der weiterführenden Schulen der Region sowie die vielen Berichterstatter von Presse, Hörfunk und Fernsehen, die heute dabei sind, wenn einer ihrer Kollegen geehrt wird.
 
Und dann gipfelt meine Sequenz natürlich, wie könnte es anders sein, im Willkommensgruß an die Hauptperson der heutigen Feier: an Ranga  Yogeshwar mit seiner Familie.
Meine Damen und Herren, als ich hörte, daß unser Fachbereich Elektro-, Informations- und Medientechnik beschlossen hatte, Herrn Yogeshwar die Ehrendoktorwürde zu verleihen, war ich sogleich begeistert von der Idee. Nicht nur, weil mein ältester Sohn ein großer Anhänger seiner Sendungen ist, nicht nur weil außer Frage steht, dass die Ehrung einen höchst Würdigen trifft, nein, auch weil wir hiermit ein Zeichen setzen können, das in unserer heutigen Öffentlichkeit von größter Relevanz ist.
Lassen sie mich kurz ausholen, um dies zu erläutern: In der noch vergleichsweise jungen Theorie der Attention economy gilt „Aufmerksamkeit“ als zentraler Erfolgsfaktor der modernen Wirtschafts- und Medienwelt. Heute, im digitalen Zeitalter, geprägt von nahezu unbegrenztem Zugang zu Informationen im Unterhaltungs-, Nachrichten und Werbekontext, buhlen Tausende von Anbietern gleichzeitig um unsere Aufmerksamkeit. Zugleich stumpft diese, müde von der ständigen Berieselung, ab. Gerade Jugendliche verfallen schnell, so zeigen Studien, in eine Art „stand by modus“ – ständig erreichbar und doch nicht wirklich aufnahmefähig. 
Wer Qualität, Komplexität und Tiefgang vermitteln will – und das gehört nun mal zu den vornehmsten Aufgaben namentlich von Universitäten – der hat es angesichts des heute beinahe alles überlagernden medialen Hintergrundrauschens sehr viel schwerer, bei jungen Leute Begeisterung zu wecken und sie für wissenschaftliche Themen zu gewinnen.
Wenn wir gleich also einen der anerkanntesten Wissenschaftsjournalisten und
-moderatoren überhaupt ehren, dann ist dies auch ein Signal an die Medienwelt, dieser Art von Arbeit im digitalen Zeitalter ungleich mehr Bedeutung beizumessen als dies – angesichts überwiegend kommerzieller Interessen – bislang geschieht. Es ist ein Signal an die Medienschaffenden, der Wissenschaft und den Hochschulen bei der Erfüllung des gemeinsamen Bildungsauftrags mit ihren Mitteln zu helfen.
 
Während die berühmten Kosmosvorträge Alexander von Humboldts im 18. Jahrhundert darauf

Nobelpreisträger Prof. Peter Grünberg - Foto © Frank Becker
abzielten, ein breites Publikum anzusprechen, um Aberglauben und Unwissenheit zu begegnen, ist die Arbeit Ranga Yogeshwars geeignet medialer Volksverdummung und der digitalen Verflachung gerade junger Menschen aktiv zu begegnen. Aber es ist nicht nur die Welt des trivialen Unterhaltungsfernsehens, die Menschen heute häufig davon abbringt, sich mit wissenschaftlichen Fragen zu befassen. Auch die Wissenschaft ihrerseits igelt sich bisweilen ein und fragt zu wenig nach Wegen, sich selbst in der Gesellschaft verständlicher zu präsentieren.
Schon Goethe sagte: „Die Deutschen, und nicht nur sie allein, besitzen die Gabe, die Wissenschaften unzugänglich zu machen.“ Dies veranlaßte etwa Ferdinand Ernst Nord, den früheren Hauptgeschäftsführer des Stifterverbandes, zu fragen: Wie können wir es erreichen, daß in unserem Volke ein Wissenschaftsbewußtsein entsteht, eine Wissenschaftsfreude, eine Wissenschafts­begeisterung?
 
Die Formate und Sendungen Ranga Yogeshwars sind geeignet, hierfür Rezepte zu liefern.
Beispielsweise „Quarks & Co“, ein Wissenschaftsmagazin, das seit 1993 mit großem Erfolg im WDR Fernsehen läuft. Hierzu übrigens, wenn Sie erlauben, eine ganz kleine Reminiszenz: Mit dem inzwischen emeritierten Wuppertaler Physik-Professor Drees war Ende der 60er Jahre ein junger Postdoktorand aus der Bonner Gruppe des Nobelpreisträgers Wolfgang Paul an entscheidenden Messungen zur Entdeckung der später: „Quarks“ genannten Elementar-Bausteine der Materie beteiligt. 1990 wurde dann der Physik-Nobelpreis u.a. an den US-Amerikaner Taylor für weiterführende Arbeiten zur Entwicklung des Quarks-Modells verliehen. Dieser Prof. Taylor wiederum, der seinerzeit in Standford Chef von Jürgen Drees war, lud dann die ganze Gruppe mit Herrn Drees zur Nobelpreisfeier nach Stockholm ein.

Ranga Yogeshwar - Foto © Frank Becker
Und dann schließt sich der Kreis zu „Quarks & Co“: Denn nach der Bekanntgabe der Physik-Nobelpreisträger 1990 lud ein gewisser Ranga Yogeshwar Herrn Drees nach Köln in eine WDR-Sendung ein, um die Entdeckung der Quarks einer breiten Öffentlichkeit zu erläutern. Herr Professor Drees, einer der Mitbegründer der Physik an unserer Universität, ist heute übrigens ebenfalls unter uns: Herzlich willkommen.
 
Damit aber zurück zur Sendung selbst, die sich gut mit einem Zitat von der WDR-eigenen Homepage skizzieren läßt. Dort heißt es: „Ihr besonderes Augenmerk legen die Macher darauf, Wissenschaft unkompliziert zu vermitteln. Deshalb suchen sie immer den spannendsten Zugang zu einem Thema und vermitteln Grundlagen und Hintergründe statt unverdauter Neuigkeiten. Dabei bleibt Quarks & Co stets aktuell, zeigt Haltung bei Themen wie Tschernobyl, Impfen oder Bio-Nahrung und hilft dem Zuschauer auch schwierige Themen einzuordnen. (...) Bei Quarks & Co soll Wissenschaft unterhalten. Deshalb fährt die Sendung alles auf, was das Fernsehen zu bieten hat: spannende Experimente, abenteuerliche Selbstversuche, überzeugende Grafiken und faszinierende Computeranimationen. Quarks & Co. nimmt den Zuschauer mit auf eine spannende Entdeckungsreise und hilft ihm die Geheimnisse der Welt zu enträtseln.“
 
Meine Damen und Herren, ich bin der festen Überzeugung, daß solche Sendeformate einen ungeheuren Wert gewissermaßen als „Vermittlungsagenturen“ zwischen der größtenteils für die Öffentlichkeit unverständlichen Wissenschaftssprache und der Öffentlichkeit selbst haben. In einer bis in die Poren von Technik durchtränkten Gesellschaft ist das Begreifen wissenschaftlich-technischer Phänomene zentrales Moment des Weltverständnisses.
Hierzu trägt Herr Yogeshwar in ganz hervorragender Weise bei – ohne, daß diese Wertung bereits eine Vorwegnahme der Laudationes sein sollte. Dabei geht es auch und gerade darum, an den Rändern zu fischen: So sind in Deutschland heute nur 15% der 14- bis 19-jährigen an Wissenschaft interessiert und gar nur 7% der Hauptschulabsolventen. Kein Wunder, daß Walter Hömberg, Kommunikationswissenschaftler an der Uni Eichstätt, feststellt: „Es gibt zu wenige Wissenschafts­redaktionen und zu wenige hinreichend qualifizierte Wissenschafts­journalisten.“
Verehrtes Auditorium, auch und gerade deshalb ist es, wie ich eingangs sagte, ein äußerst wichtiges Zeichen, einen der exquisitesten Wissenschaftsjournalisten in dieser Form für sein Engagement zugunsten von Forschung und Lehre zu ehren.
Neben der ganz persönlichen Würdigung des Menschen Ranga Yogeshwars setzt die Bergische Universität damit ein weiteres Zeichen, daß ihr der Dialog mit einer breiten Öffentlichkeit sehr am Herzen liegt. Auch wir möchten junge Menschen für die Belange und Inhalte der Wissenschaft gewinnen und begeistern. Diese Zeichensetzung führt fort, worum wir uns mit unserer Medienkooperation bei den jährlichen Vortragsreihen in den drei Bergischen Großstädten bemühen, knüpft an an unseren Einsatz für die Junior-Uni oder auch den Einsatz im Rahmen der Primanertage, der Sommer-Uni, des Formates „Studieren vor dem Abitur“ oder des „Wissensfloaters“.
Verehrte Anwesende, nach diesem kleinen Bogenschlag von der Theorie der „Aufmerksamkeitsökonomie“ zur Praxis der Wissenschaftsbegeisterung, verstehen Sie vielleicht meine besondere Freude angesichts der heutigen Ehrenpromotion noch besser.
Ganz in diesem Sinne wünsche ich Ihnen nun eine schöne und denkwürdige Feier und gebe den Staffelstab des Redners weiter.

 
V.l.: Lambert T. Koch, Ranga Yogeshwar, Peter Jung, Peter Grünberg, Joachim Treusch, Monika Piel,
Bernd Tibken
- Foto © Frank Becker