Der Fuchs im Hühnerstall

Heute wäre Ephraim Kishon 85 Jahre alt geworden

von Frank Becker

Foto © Langen Müller/Herbig
Der Fuchs im Hühnerstall

Eine kleine Hommage
zum 85. Geburtstag Ephraim Kishons (1924-2005)

 

45 Millionen Bücher in 36 Sprachen, davon alleine 35 Mio. auf deutsch wurden von Ephraim Kishons Werk bis dato verkauft, zehn Theaterstücke und 25 Einakter auf etlichen Bühnen gespielt, so­wie acht Filme und eine Fernsehserie gedreht. Inszeniert hat er zu Lebzeiten stets selbst - keiner könnte es so gut wie er. Die Zahl der Auszeichnungen, mit denen er bedacht wurde ist Legion. Was ihm aber immer am meisten Freude gemacht hat, war bis zu seinem plötzlichen Ende vor vier Jahren immer noch die Liebe zur „besten Ehefrau von allen“ und der hoffnungslose Wettstreit mit seinem humoristischen Schachcomputer. Alle seine Texte schrieb er mit über die Jahrzehnte ungemindert anhaltendem Er­folg - und ausschließlich mit Bleistiften der Härte 3 B eines adligen Herstellers, derer er einst in München 1000 Stück kaufte und von denen er bis zum Schluß zehrte.
Den Ehrentitel der "besten Ehefrau von allen" verdankt Sara Kishon übrigens einem übersetzerischen Alleingang und Genie­streich des unvergleichlichen Friedrich Torberg (1908-1979), dem Wiener Flaneur, der viele Jahre lang bis zu seinem Tod für die deut­sche Fassung von Kishons Texten verantwortlich zeichnete. Ephraim Kishon, der als Ferenc Hoffmann am 23. August 1924 in Budapest geboren wurde und der vor viereinhalb Jahren in der Schweiz starb, war ein, ja vielleicht neben Torberg der Meister der zeitgenössischen Satire und ein liebenswerter Mensch von ebenso liebenswürdigem Humor.
Vor knapp zehn Jahren, kurz nach seinem 75. Geburtstag war Ephraim Kishon zu Gast im Wuppertaler Rex-Theater, wo er sich im Gespräch zwei Journalistinnen stellte, die sich dabei nicht mit Ruhm bekleckerten. Damals wurde mein kleiner Text vom zuständigen Redakteur einer Wuppertaler Lokalzeitung abgeändert/ beschnitten/ zensiert. Heute können sie ihn in den Musenblättern unzensiert lesen:
 
„Die Buchhandlung Finke hatte eine Gesprächsrunde im ausverkauften Großen Saal des „Rex-Theater“ ausgerichtet, zu der auch die beiden Wuppertaler Autorinnen Nina Liesegang und Ina Kiesewetter eingeladen waren, die den Altmeister in die feministische Mitte nahmen. Der alte Bühnenfuchs (im HühnerstalI), der frü­her auch mal ein Theater namens "Die grüne Zwiebel" besessen hat, erzählte Anekdoten aus seinem Leben, zeigte Kostproben seiner Schlagfertigkeit und umschiffte elegant und sehr geist­reich peinliche Gesprächsklippen, die durch mitunter allzu penetrante Fragen nach sehr Privatem auftauchten. Meine Damen, man hätte da einige Male lieber nicht insistieren sollen - Herr Kishon kann es besser!
Es blieb dennoch oder vielleicht gerade deshalb ein Vergnügen, den amüsanten Erzähler, der - Notwehr ist erlaubt – seine altklugen und wenig sensiblen Gesprächspartnerinnen sanft, aber nachhaltig an die Wand plauderte, aus seinem Leben und von seiner Arbeit be­richten zu hören. In seinem neuen Theaterstück (es wurde in Ber­lin in diesem Jahr schon 120 mal gespielt) z.B. geht um den Vaterschaftsprozeß, den Josef gegen Gott anstrengt - der soll die Alimente zahlen, falls er wirklich Jesus' Vater ist. Die Frage, sagt Kishon, wird nicht geklärt, denn Gott antwortet auf die definitive Frage des Richters mit einem entschiedenen: "Vielleicht, aber das ist endgültig."
Nach seiner dreiwöchigen Tournee - Kishon selbst nennt das "Amoklauf" - wird er jetzt via Wien, der Stadt Torbergs, nach Hause zurückkehren, zur besten Ehefrau von allen.
Im Langen Müller Verlag erschien soeben eine Ephraim Kishon Jubiläumsausgabe: "Alle Satiren" auf 1122 Seiten für DM 49,80.“
 
Das war vor knapp zehn Jahren, kurz nach seinem 75. Geburtstag am 8. Dezember 1999, ein Tag den ich schon deshalb nicht vergessen werde, weil der große Humorist nach einem gemütlichen Gespräch sein Buch signierte und auf meine Bitte, das Datum mit einzufügen schrieb: „Heute“. Und heute wäre Ephraim Kishon, dem wir viel Lachen verdanken, 85 Jahre alt geworden.
Das wunderbare Buch aus dem Verlag Langen Müller/Herbig mit den Illustrationen von Rudolf Angerer gibt es übrigens noch immer (3. Auflage) – fest gebunden und mit zwei Lesebändchen, vielleicht damit die beste Ehefrau von allen auch ihren Claim abstecken kann. Es kostet jetzt 24,90 €.
Zum 85. Geburtstag bringt LangenMüller/Herbig einen neuen Band aus dem Nachlaß heraus:
„Satiren zur alltäglichen Katastrophe“, 176 Seiten, 9,95 € (siehe oben rechts).

Der Verlag Langen Müller hat über 110 Kishon-Titel im Programm - hier eine kleine Auswahlbibliographie:
Kishon, Satiren zur täglichen Katastrophe 14.08.2009
Kishon/Torberg,Dear Pappi - my beloved Sargnagel 03.09.2008
Kishon, CD Harald Juhnke liest Kishon 27.07.2007
Kishon, CD Reisegeschichten 25.01.2007
Kishon, CD Neue Autofahrergeschichten 25.01.2007
Kishon, CD Vol.1 Podmanitzki 21.09.2006
Kishon, Nichts zu lachen 23.03.2006
Kishon, CD Ein Abend mit E.Kishon 07.10.2005
Kishon, CD Der Blaumilchkanal 31.05.2005
Kishon, Blaumilchkanal 01.02.2005
Kishon, Beste Ehefrau von allen 01.02.2005
Kishon zum Geburtstag  * 01.09.2004
Kishon, CD Besten Autofahrergeschichten 06.07.2004
Kishon-Paket, 3 Titel * 01.05.2004
Kishon, Glückspilz 01.09.2003
Kishon für Verliebte  * 01.02.2002
Kishon, CD zum Einschlafen 01.07.2002
Kishon, CD Familiengeschichten 01.09.2002
Kishon, Frau Lot 01.08.2001
Kishon, Wer`s glaubt wird selig 01.08.2000
Kishon, Alle Satiren 01.08.1999
Kishon, Um Gottes Willen 01.08.1999
Kishon für Feinschmecker  * 01.03.1999
Kishon, Und was machen wir am Nachmittag 01.10.1998
Kishon für unterwegs  * 01.03.1998
Kishon für Kenner  * 01.03.1997
Kishon, Mein Kamm 01.08.1997
Kishon, Jericho 02.01.1995
Kishon, David 02.11.1994
Kishon, Familiengeschichten 01.10.1992
Kishon, Picassos Rache 01.09.1995 Nachauflage in Planung