Ein ganz kleiner Moment des Glücks

von Erwin Grosche

Foto © Frank Becker
H
eute kaufte ich im REWE Markt ein Holzofenbrot und schaffte es, genau passend, die 3 Euro 20 aus allen Hosen- und Jackentaschen zu kramen. Ich zählte stolz mein Geld auf die Verkaufstheke und schob schließlich einen Euro, drei 50 Cent -Münzen und anderes Kleingeld der Verkäuferin entgegen. Es waren sogar 5 Cent Stücke dabei, die noch seltsam unberührt aussahen, als wären sie neu. Erst war ich unsicher, ob meine Mühen anerkannt worden waren. Die Geldsuche in meinen Taschen hatte Zeit gekostet und findet nicht immer Verständnis bei anderen Wartenden. Hinzu kommt, daß man einen solchen Betrag auch zusammenzählen muß, und das ist nicht jedermanns Sache. Unsicher schaute ich die Verkäuferin an und war gerührt. Ich erblickte ein strahlendes Gesicht. Die Brot-Verkäuferin freute sich. Sie rang nach Worten und konnte ihr Glück kaum fassen. Ich hatte das Gefühl, daß alle Kunden vor mir mit einem Hundert-Euro-Schein bezahlt hatten. Sie sah in mir einen Menschen, der bescheiden und konsequent zu seinem kümmerlichen Dasein stand und kleine Brötchen backte wie ihr Chef. Die Verkäuferin freute sich so über mein Entgegenkommen, daß sie ganz laut atmete, als wäre sie fast ertrunken und ich hätte sie gerettet. Sie riß die Augen auf, als wäre sie Teil eines Wunders geworden. „Danke“, flüsterte sie zärtlich. „Das paßt ja ganz genau.“ Ich errötete und hatte Angst, sie würde mich berühren. Ich bemerkte, wie der Mann neben mir begann ebenfalls sein Kleingeld zu sortieren. „Nicht dafür“, murmelte ich schnell zu der Verkäuferin. Wir blickten uns an wie Liebende. Sie wünschte mir einen guten Tag. Ich ging zurück zu meinen Traurigkeiten, mit denen ich mich eher auskannte. Ich dachte nur, wie schwer es manchmal sein kann einen anderen Menschen glücklich zu machen und wie leicht dies auch manchmal geht.


© 2009 Erwin Grosche