Was gabīs Neues?

Nachrichten vom 3. November 1867

Red.

Elisabeth von Oesterreich-Ungarn 1867
Was gab´s Neues?

Nachrichten vom 3. November 1867

Berlin. Die Arbeitslosigkeit ist groß; bereits haben Tumulte statt gefunden, ähnlich wie im Vorjahre vor Ausbruch des Krieges.

Frankfurt. Die Klagen der Minderbemittelten über übermäßige Theuerung werden hier immer lauter. Der Winter vor der Thür, die Verdienstlosigkeit nimmt immer mehr zu, der Preis des Brodes hat fast die Höhe wie 1847 erreicht, die Fleischpreise sind längst für den gemeinen Mann unerschwinglich, die Kartoffel nicht minder theuer.

Oesterreich. Im Hause der Abgeordneten (Landtag) hat man ein neumodisches Ehegesetz angenommen und die geistliche Gerichtsbarkeit in Ehesachen aufgehoben. Auch die Einführung einer Not-Civil-Ehe wurde beschlossen. Die große Mehrheit stimmte bei. Wenn dieser Beschluß Gesetzeskraft erlangen wird, dann wird nun öffentlich bestätigt, daß in Oesterreich seit Langem gar Manches sehr faul ist. Man wird am Ende noch eine zweite Auflage von Italien in Oesterreich erleben; vielleicht steht es nicht mehr allzulange an. - Die Regierung Spaniens hat wissen lassen, mit den übrigen katholischen Mächten dem Papst beistehen zu wollen.

Rußland. Die Stimmung der Russen gegen Oesterreich wird sehr bitter; man rechnet im Frühjahr sicher auf einen Krieg. Junge Polen wandern in Schaaren nach der Türkei. Die Ernte fiel in Polen durchweg schlecht aus. Die Theuerung wächst. Die freigewordenen Bauern mögen bei keinem adeligen Gutsbesitzer arbeiten.

Asien. Die Russen, die Perser und der Fürst von Afghanistan sollen miteinander ein Bündniß gemacht haben. Dadurch möchte man es möglich machen, daß die Russen zugleich gegen die englischen Besitzungen in Indien und gegen die Türkei vorangehen können. Das Volk ist in Indien sehr aufgeregt.

Amerika. Die Herbstfrüchte, Mais und Kartoffeln, sind nicht gutgerathen; ein große Dürre herrschte am Mississippi; man kann Tagreisen weit gehen ohne um Geld Wasser zu bekommen; Wein und Branntwein ist vorhanden. Bei Feuerbrünsten gibt es darum eine schreckliche Noth.