Aaaaaah….VATAR

Ein offenes Wort zu einem preisgekrönten Film

von Peter Bilsing

Foto © Frank Becker
Aaaaaah….VATAR
 
Mit dem Flitzebogen
gegen Kampfhubschrauber
 

Vorspiel auf dem Theater: als wenn ich´s geahnt hätte: 17.30 Uhr- Vorstellung - wir kommen zehn Minuten vor Filmbeginn ins Kino, und wirklich alle Plätze sind besetzt....auch unsere vorbestellten - wegen des 3-D-Effekts natürlich genau in der Mitte. Überall dampft es: Pommes oder Chips mit dicker Majonnaise-Soße oder Spüleimer voll mit süßlichem Popcorn, manchmal beides, und jeder zweite balanciert einen Drei-Liter-Becher Cola, der natürlich nicht in die 1/2 Liter Halterung am Kinositz paßt. Die Piefkes auf unseren Sitzen stehen angesichts meiner Finstermiene und Statur ohne Murren sofort auf. Das Licht geht aus - Werbung. Natürlich nur in 2-D, was die meisten Idioten dann auch merken, und zwischen überschwappenden Bechern und überlaufender Majo versucht man die unförmige Brille wieder zu verstauen. 300 Liter Cola versickern im Kino-Teppich. Endlich sitz ich - natürlich nicht ohne vorher unsere Sitze mit der handlichen LED-Taschenlampe vorsichtshalber auf Unrat abgeleuchtet zu haben.

Also, nun der Film: Nur ganz kurz und stichwortartig, mir fehlen einfach die Worte für die Dreistigkeit, ein solches Machwerk anzubieten und für die Blindheit eines sogenannten „Fachpublikums“. Ich möchte eigentlich nicht noch mehr Lebenszeit für diese Schmonzette, welche mir dieser Tage volle 2,5 Stunden lang das Hirn vernebelt hat, verschenken. Ich tu´s nur, weil mich mein lieber Freund, der Musenblätter-Herausgeber Frank Becker darum gebeten hat. Ehrlich! Ansonsten gilt: AVATAR – keinesfalls noch einmal!
 
Der Plot: Hirnlose US-Militärs (na klar, wer auch sonst) bekämpfen edle Wilde, die aussehen wie aus Winnetou, Catwoman und Pocahontas geklont – ein in jeder Facette unlogischer SciFi-Indianer-Kriegsfilm mit vielen geklauten Ideen und völlig bescheuertem perspektivlosem Schluß, der - abermals na klar! - schon den 2. Teil vorbereitet. Ansonsten ist alles vorhersehbar und auch das dümmste Klischee wird bedient. Mit zweieinhalb Stunden bei dieser marginalen Story viel zu lang!
Logik: Null. An Drehbucheinfällen, bei denen z.B. moderne Kampfhubschrauber vermittels Urwald-Pfeilen, abgeschossen von Flitzebögen (!) erledigt werden, haben wohl Film-„Experten“ mitgeschrieben, die den Schuß nicht gehört haben. Auch gibt es im dritten Jahrtausend anscheinend keine Lenkwaffen mehr, denn es wird geballert wie im guten alten Indianerfilm mit John Wayne, James Stewart und Richard Widmark. Mann gegen Mann! Merke: Flugsaurier sind stärker als Kampfhubis!
 
Darsteller: In den ca. 30 % Realszenen fand ich keine – abgesehen von Sigourney Weaver, die wohl unter diabolischer Dollarfolter zur Mitarbeit sprich zum Herumstehen gezwungen worden war.
Musik: Ganz übel! Hämmernd wummernde Actionfilm-Neoklassik + Modern Gregorian Gothic bei den meisten „Pocahontas“- Bildern.
3-D-Effekte: Tintig, nervig und Kopfschmerzen fördernd, da die meisten Szenen tief blaustichig oder dunkel dahinwabern, damit man die billigen Tricks nicht erkennt.
Bilder: Ein krudes Durcheinander schamlos geborgter altbekannter Szenen-Bilder von Star Wars, Terminator, Transformers, E.T. & Co. Durch die andauernde öde Verwendung fluoreszierender Farben und Effekte entsteht der Eindruck, man habe sich in einen Coca-Cola-Werbeclip verlaufen - früher hätte man gesagt: wie auf einem „Afri-Cola Trip“. Der Planet heißt intelligenterweise „Pandora“. Deren Büchse wurde denn auch aufgemacht.
Texte: Anscheinend für ein Publikum geschrieben (alle waren da), das zwischen Deutschlands Superstar-Suche und den Supermodell-Castings bei MacDonald´s versackt ist. Wird nicht in der Urwaldsprache der Eingeborenen (mit Untertiteln) geredet, läuft es auf dem Robinson Crusoe/Tarzan-Niveau ab: „Ich Tarzan, Du Freitag. Tot durch Bulla Bulla!“
Humorfaktor: tendiert gegen Null - „Jungs ballert sie ab! Ich möchte zum Kaffeetrinken wieder zu Hause sein“. Lustig.
 
Mehrheitliche Reaktion des Publikum: "Echt krass, ey! Voll geil! Boh doll! Wow! Cool!"
 
Einstimmige Meinung des Kritikers: Gequirlte Scheiße (entschuldigen Sie bitte das „gequirlte“). Da gibt es nur eins: den Musenblattschuß!
 
 
Peter Bilsing exklusiv für www.musenblaetter.de  (gesehen im UCI-Kino im Düsseldorfer Hafen am 16.2.2010)
Redaktion: Frank Becker