Die Nacktheit in Fotografie und Malerei

"Nude Visions" - ab morgen im Von der Heydt Museum Wuppertal

von Andreas Rehnolt und Frank Becker
Nude Visions

Bilder und Bücher zur Aktfotografie
Eine Ausstellung zur künstlerischen Schaulust
 
Unter dem Titel "Nude Visions" präsentiert das Von der Heydt Museum in Wuppertal ab morgen Originalbilder, Exponate und Bücher zum Akt in Fotografie, Malerei und Skulptur. Zu sehen sind rund 250 Fotografien von den Anfängen der Daguerrotypie bis heute, dazu 14 Gemälde und sieben Skulpturen aus dem Museumsbestand. Bis zum 15. August sind in sechs Vitrinen zudem Bücher und Dokumente zur Aktfotografie ausgestellt. Akademische Fotografie um und vor 1900, darunter Fotografien aus dem 19. Jahrhundert, die sich an der klassischen Malerei orientieren, Exotik, Avantgarde, Freikörperkultur, Glamour-Fotografie und Männerakt, surrealistische Foto-Experimente, Pornographie und Beispiele aus der Mode- und Lifestyle-Fotografie sind in den Sälen der 1. Etage des Museums versammelt. Schon das zweite Foto überhaupt war ein Aktfoto, wie Fotos überhaupt zu Beginn der Fotografie nicht nur als Fortsetzung der Malerei betrachtet, sondern auch als Hilfsmittel für die Malerei eingesetzt wurden.

Mit der Bilderschau geht das Von der Heydt Museum auch dem Spannungsfeld von Moralvorstellungen, Schönheitsidealen, Aufklärung und Schaulust auf den Grund. Einigen Fotografien, sie stammen überwiegend aus der Sammlung des Münchner Stadtmuseums, werden Gemälde aus der eigenen Sammlung des Wuppertaler Hauses gegenübergestellt, sodaß ein

Christian Schad, Halbakt 1929 (Detail) - Foto © Frank Becker
medienübergreifender Blick auf das Genre der Körperbilder möglich ist. Die Schau vermittelt mit dem Überblick über 150 Jahre Körperfotografie zugleich den Wandel von Schönheitsidealen und Moralvorstellungen. Unter den Malern und Bildhauern finden sich die Namen von u.a. Wilhelm Lehmbruck, Aristide Maillol, Edgar Degas, Paul Cezanne, Otto Mueller, Auguste Rodin und Christian Schad – die lange Liste der Fotografen enthält Namen wie Ferenc Berko, Wols, Bert Stern, Jan Saudek, Alfred Stieglitz, Thomas Ruff, Stefan Moses, Herbert List, Sam Haskins, Herlinde Koelbl, André Kertész und Will McBride. In zwei Räumen widmen sich Filmprojektionen der Körperkultur der 20er Jahre und der Entstehung eines Playboy-Titelbildes.
 
Zur Vernissage morgen, Sonntag, 11.30 Uhr sprechen Dr. Gerhard Finckh (Direktor Von der Heydt Museum) und Dr. Ulrich Pohlmann (Münchner Stadtmuseum). Eine Altersbeschränkung zum Besuch der hochinteressanten Ausstellung gibt es nicht. Dr. Finckh: „Wir zeigen eine historische Dokumentation auf höchstem künstlerischem Niveau.“


Stefan Moses, Sylvie im Sessel sitzend, 1967 - Foto © Frank Becker

Zur Ausstellung erscheint im Verlag Kehrer ein umfangreicher Katalog: 416 Seiten, Broschur, mit 220 Abbildungen, begleitenden Essays und Erläuterungen, 25,- €.
Das Museum ist dienstags bis sonntags von 11 bis 18 Uhr sowie donnerstags von 11 bis 20 Uhr geöffnet. 
Eine ausführliche illustrierte Besprechung der Ausstellung werden Sie Anfang der Woche hier in den Musenblättern finden.