Mississippi, Wupper

Die Tšnzerin Julie Anne Stanzak

von Matthias Dohmen

Mississippi, Wupper
 
Manchmal wirft sie Blumen ins Wasser,
die Pina-Bausch-Tänzerin Julie Anne Stanzak

 

Julie Anne Stanzak in "Vollmond", Paris - Foto © Karl-Heinz Krauskopf
 
Julie Anne Stanzak ist in New Orleans geboren, der Stadt, in der viele Bewohner, darunter auch Familienangehörige der Tänzerin, vor fünf Jahren schwer unter den Folgen des zerstörerischen Wirbelsturms Katrina zu leiden hatten. Eine Überschwemmung infolge des Hurricanes „Betsy“ hat sie selbst als Kind erlebt. Dennoch liebt sie den Mississippi, an dem sie groß geworden ist.
 
Wasser und Flüsse „sind für mich sehr wichtig“, sagt sie. Manchmal wirft sie Blumen in die Wupper, eine weiße Chrysantheme etwa. Das bringt Glück, weiß sie von einer brasilianischen Freundin, die in Zeiten großer Gefühle und wenn sie in ihrer Heimatstadt Sao Paulo ist, Blüten in den Atlantik hinausschleudert. Sie schaut ihnen nach, bis sie in einem kleinen Strudel verschwunden sind und nicht mehr auftauchen.
 
Der Reiseschriftsteller Michael Obert hat sich viel mit der „geheimnisvollen Anziehungskraft von Flüssen“ beschäftigt. Ströme sind für ihn eigenartige Orte: „Sie atmen Geheimnisse aus wie Dunst am Morgen.“ Er hat sie alle bereist, Amazonas, Rio de la Plata, Paraná, Mekong, Nil, Sambesi, den Niger und den Mississippi, auf dem er „insgeheim nach Jackson Island Ausschau hielt, der Seeräuberinsel von Tom Sawyer und Huckleberry Finn, meinen Kindheitshelden“.
 
Julie Anne Stanzak beschleichen „familiäre Gefühle“, wenn sie, oft unterwegs, an die Stadt im Tal denkt. Für den Fall, daß Freunde und Bekannte kommen, führt sie ihnen als erstes die den Wupperfluß überwölbende Schwebebahn vor. „Außerdem zeige ich gerade amerikanischen Freunden gern die alte Architektur in der Wuppertaler Nordstadt.“ Unbedingt müsse man die historische Stadthalle gesehen haben, die sie einen „imposanten Prachtbau“ nennt. „Wenn ich meinen erschöpften Besuch dann noch durch die Ausstellung im Von-der-Heydt-Museum gehetzt habe, darf er in einem der Cafés an der Laurentiuskirche ausruhen.“
 
Wuppertal, unterstreicht sie, sei „nicht Rom, aber die Stadt ist freundlicher als ihr Ruf“. Und dann bringt sie es auf den Punkt, die Tänzerin, deren Vorfahren mütterlicherseits aus Marburg stammen, die Rilke-Verehrerin, die Mississippi- und Wupper-Versteherin Julie Anne Stanzak: „Es ist toll, in einer Stadt zu leben, die nach einem Fluß benannt ist.“
 
 
© Matthias Dohmen