Sommerzeit - Krimizeit (1)

Einige Empfehlungen

von der Musenblätter-Redaktion

Foto © Frank Becker

Sommerzeit - Krimizeit

Einige Empfehlungen
der Musenblätter-Redaktion

Sagen sie mal, schleppen sie eigentlich auch immer einen kleinen Extrakoffer mit, wenn sie in den wohlverdienten Urlaub fahren und mal richtig ausspannen wollen? Und sind neben einer breit gefächerten Palette von heiteren Romanen, Memoiren, Büchern zu aktuellen Themen aus Politik und Gesellschaft, Reiseführern über die Gegend, in der sie die nächsten Wochen geruhsam zu verbringen gedenken und Klassikern, die sie längst schon mal in Ruhe lesen wollten, auch ein paar Krimis dabei? Die gehören doch einfach dazu. Wie herrlich ist es, in der Hängematte zwischen schwedischen Birken (nicht Gardinen!), im Strandkorb an der Ostsee, im Liegestuhl an Bord eines Traumschiffs mit Blick auf den endlosen Horizont oder z.B. in Kärnten mit Blick auf den traumhaft schönen Weißensee, mit den Füßen im Hotelpool irgendwo oder an einem der weichen Sandstrände rings ums Mittelmeer und an der Adria den schlauen Kommissar oder den beinharten Detektiv auf der Jagd nach dem Täter zu begleiten. Wer nach Venedig reist, nimmt natürlich den neuen "Brunetti" mit, in Sizilien gehören die Romane von Andrea Camilleri dazu und der Dänemark- Urlauber packt bestimmt einen Thriller von Jussi Adler Olsen ein. Was also im Koffer nicht fehlen darf, ist die Urlaubslektüre - was wären Ferien ohne Buch?
Die Musenblätter-Redaktion hat für Sie ein paar Titel aus den abwechslungsreichen Angeboten der Verlage herausgepickt. Es gibt natürlich viele, viele gute Krimis mehr - verzeihen sie uns, wenn wir uns auf eine Auswahl beschränken müssen.

 
 
Der junge Gardez! Verlag wartet mit zwei neuen Krimis auf, die in Köln und der östlich der Rheinmetropole gelegenen "Provinz", dem Bergischen Land spielen. Nachdem schon Bernd Geisler mit seinen Romanen bei Juhr/Gardez! die Region schon mehr als ordentlich besetzt hat, gefällt Martin Kuchejda mit seinen witzigen Sujets. Die Gegend zwischen Gummersbach und Engelskirchen ist ja wirklich das Ende der Welt, aber selbst dort meldet sich das Böse mit Banküberfall - und mit dem muß sich Kommissar Schneider auseinandersetzen. Kuchejda hat einen völlig neuen Ton und amüsantes Personal gefunden, was seinen kleinen Kriminalroman "Frühlingsduft" leicht verdaulich und amüsant macht.
Das "Kölner Requiem" von Werner Geismar ist da weit weniger betulich, denn in der Domstadt geht nicht nur ein fieser Mörder um, sondern Geismar läßt seinen Protagonisten Bruno Böllmann tief in eine nicht immer unbedingt appetitliche Abteilung der Kölner Szene eintauchen. Dem Rechtanwalt, der bei seinen Recherchen mit dem überforderten Kölner MK-Leiter Pepe Rogalzky und Staatsanwalt Pietsch gemeinsame Sache macht, fällt eine Leiche nach der anderen vor die Füße - ein Serienkiller? Und da sind dann noch der kleine Junge Damian und eine mysteriöse Musik. Liest sich flott, wenn auch nicht immer für zarte Gemüter.
Martin Kuchejda, „Frühlingsduft“, Gardez! Verlag/Juhr Verlag, 157 Seiten,  Broschur, € 9,90
Werner Geismar, „Kölner Requiem“, Gardez! Verlag/Juhr Verlag, 237 Seiten,  Broschur, € 9,90

Niederrhein-Kenner werden diesen Roman lieben, der den pensionierten Weseler Kriminalhauptkommissar Heinrich Grimm als Privatermittler "in Diensten" seiner pfiffigen Mutter Gertrud noch einmal auf den Plan ruft. Ein Odachloser kam bei einem angeblichen Angelunfall am "Schwarzen Wasser" zu Tode - aber Grimm glaubt an Mord. Er tritt mit seinen früheren Kollegen um seine Nachfolgerin KHKin Manuela Warnke in Konkurrenz, mit einem neugierigen Lokalreporter - und mit seiner Lebensgefährtin, der Staatsanwältin Annette Gerland. Erwin Kohls Regionalkrimi ist genau das Richtige für die Ferien-Hängematte, locker und flockig geschrieben, dennoch mit Hand und Fuß, spannend und mit seinen sympathischen Protagonisten genau ausgewogen zwischen Spannung und Unterhaltung.
Erwin Kohl, "Schwarzes Wasser", Droste Verlag, 240 Seiten, Broschur, € 9,95 

Auch der neue Fall für Kriminalrat Lüder Lüders vom Staatsschutz des LKA Kiel, den Hannes Nygaard schon oft erfolgreich eingesetzt hat, ist wieder temporeich und fesselnd. Ein Reihe brutaler Anschläge auf Behörden, Polizisten, und andere Vertreter des Staates, eine Serie von Brandstiftung und Mord erschüttert Schleswig-Holstein. Lüders wird vom Ministerpräsidenten mit den Ermittlungen betraut. Unterstützt von dem unkonventionellen Husumer Oberkommissar Große Jäger nimmt er die Arbeit auf. Wer steckt hinter den Verbrechen: Weltverbesserer, Terroristen, türkische Aktivisten, eine mafiöse Verbrecherbande? Die Suche führt unsere beiden Ermittler durch ganz Schleswig-Holstein und bis über die Grenze nach Dänemark. Spannung und überraschende Wendungen garantiert.
Hannes Nygaard, "Schwelbrand", Emons Verlag, 267 Seiten, € 10,90
 
Johann Friedrich von Allmen ist oder besser gesagt war Erbe eines ordentlichen Vermögens, das er sehr schnell durchgebracht hat. Nun gibt er sich als Lebenskünstler, der seine Insolvenzen als Gentleman-Gauner zu überbrücken sucht – immerhin muß er auch seinen Butler/Gärtner Carlos, den er sich standesgemäß leistet, mit durchbringen. Wobei mitunter Carlos der ist, auf dessen Schultern der Haushalt ruht. Durch den Diebstahl einer Jugendstil-Schale gerät Allmen in eine lebensbedrohliche Situation, denn hinter dieser Libellen-Schale, ihren Besitzern und Allmens Hehler Tanner steckt ein gefährliches Geheimnis. Allmen wird, nicht zuletzt, weil auf ihn geschossen wird, mit Unterstützung seines Faktotums Carlos ungewollt zum Ermittler. Martin Suter ist mit Allmen/Carlos zum Start einer neuen Krimi-Reihe ein recht interessantes Duo gelungen, das allerdings noch Ausbau-Potential hat. Auch kann die Figur des Allmen nicht ganz überzeugen und wird nicht wirklich zum Sympathieträger. Einen solchen aber braucht eine Serie. Es ist also noch mehr drin, als Suter hier literarisch knapp und glatt vorgelegt hat.
Martin Suter, „Allmen und die Libellen“, Diogenes Verlag, 208 Seiten, geb.,  € 18,90

Redaktion: Frank Becker