Die Entdeckung des Rasters

"Black & White" - Roy Lichtenstein 1961-1968

von Steffi Engler

"I know how
you must feel, Brad!"

Es kam einer Revolution gleich, als Roy Lichtenstein in den 1960er Jahren begann, überdimensioniert vergrößerte, in Rasterpunkte aufgelöste und mit Basis-Druckfarben kolorierte Bilder zu malen, die Comic- und Romance-Novel-Zeichnungen sowie Werbegrafik als Vorlage seiner Gemälde auf die Leinwand und in die Kunst zu bringen. Das Prinzip schien zu einfach, einigen Kritikern wohl auch zu vulgär, um als "Kunst" anerkannt zu werden, doch Lichtenstein setzte sich mit seiner genialen Idee sehr schnell durch. Die Nähe zur Werbe-Wirklichkeit und Comic-Welt bestach - und tut es bis heute. Viele seiner Arbeiten sind inzwischen längst legendär, haben Kunstgeschichte geschrieben und den Künstler (1923-1997) überlebt, denken wir nur an
den berühmten Faustschlag "Pow! (Sweet Dreams Baby!)", die ungemein dynamischen Luftkampf-Bilder wie "Bratatat!" und "Whaam!", die sich in unendlich vielen Variationen wiederholenden Romance-Novel-Küsse und -Tränen (z.B. "Thinking of Him").

Bratatat! (1962)

Eines der bekanntesten Bilder Lichtensteins ("I know how you must feel, Brad!") schmückt den Schutzumschlag des Katalogs einer Ausstellung, in der 2010 in New York und Anfang 2011 in der Wiener Albertina die schwarz-weißen Graphiken Lichtensteins von 1961-1968 präsentiert wurden, welche als eigenständige Gruppe komplett einigen ihnen vom Sujet nahestehenden mehrfarbigen Gemälden gegenübergestellt waren. Der von Isabelle Dervaux und Karen Banks herausgegebene Band hat sich sogleich als Standardwerk zu Roy Lichtensteins Werk etablieren können, zeigt er doch im Detail die künstlerische Entwicklung. Aufsätze von Graham Bader, Clare Bell, Thomas Crow, Margret Holben Ellis und Lindsey Tyne, fabelhaft ins Deutsche übersetzt
von Andrea Bargenda, Barbara Holle, Marion Kagerer, Christian Quatmann und Heike Reissig, führen ebenso unmittelbar und fabelhaft in das Werk und die Idee dahinter ein. Technik und Vorlagen werden erklärt, die Arbeits- und Vorgehensweise Lichtensteins, sowie die Hintergründe der US-Alltags- und Konsumkultur und Pop-Art-Zusammenhänge.


Roy Lichtenstein - The Black-and-White Drawings, 1961-1968

   The Kiss 2 (1963)
Von Isabelle Dervaux, Texte von Graham Bader, Clare Bell, Thomas Crow, Isabelle Dervaux, Margaret Holben Ellis, Lindsey Tyne, Gestaltung von Büro Sieveking, Deutschsprachige Ausgabe
© 2010 Hatje Cantz, 208 Seiten, ca. 143 Abb., davon 139 farbig, 24,70 x 29,70 cm, gebunden mit Schutzumschlag, ISBN 978-3-7757-2643-6
€ 39,80 | CHF 56,90
 
Beim Verlag vergriffen, aber auf vielen Internet-Börsen und Portalen noch zu bekommen.
©  für die abgebildeten Werk von Roy Lichtenstein: VG Bild/Kunst Bonn und VBK Wien
Weitere Informationen unter: www.hatjecantz.de

Redaktion: Frank Becker