Nervenkitzel für die Weihnachtsferien

Krimi-Empfehlungen

von der Musenblätter-Redaktion

Foto © Frank Becker
Krimis für die Zeit zwischen den Jahren

Liebe Leser,

der Kriminalroman, der sich nach seinen erfolgreichen Jahren in den 40ern (Georges Simenon) 50ern (Edgar Wallace) und 60ern (Ed McBain) in Deutschland völlig neu definieren mußte, hat, nicht zuletzt wegen der als neues Konzept wirksam eingeschlagenen Regional-Bezüge, grandios seinen Bestand gesichert. Es gibt wohl keine bedeutende Gegend Deutschlands oder Italiens, in der nicht pfiffige Autoren "ihre" Mörder ihr Unwesen treiben lassen. Besonders der deutsche Regional-Krimi hat beim Publikum eine Lese-Leidenschaft geweckt, die durch viele Reihen und Serien in den besten deutschen Verlagen erfolgreich gefüttert wird. Auch in den letzten Wochen hat sich bei uns ein kleiner Ausschnitt der deutschlandweit enormen und kontinuierlichen Flut von Krimis gesammelt, den wir Ihnen jetzt als Tip für die Weihnachtsferien (neben den auf allen öffentlich rechtlichen Kanälen täglich ausgestrahlten, omnipräsenten z.T. wundervollen "Tatort"-Wiederholungen) empfehlen möchten. Wenn Sie also noch nicht so genau wissen, womit Sie sich an kalten und stürmischen Tagen in die Kuschelecke zurückziehen sollen, verlassen Sie sich getrost auf den Rat unserer Mitarbeiter. Es ist für jeden Geschmack etwas dabei.

Das Chiemgau wirkt so beschaulich, wenn man mit der Bahn oder dem Auto hindurchfährt,
durch das Rosenheimer Land und die Seenlandschaft zwischen Trostberg im Norden und Rosenheim im Westen, vorbei am bayrischen Meer, dem Chiemsee mit der Herreninsel und der Fraueninsel, der mit weißen Segeln betupft friedlich in der strahlenden Sommersonne liegt. Einheimische wissen aber auch zu erzählen, daß er zum gefährlichen, tosenden Gewässer werden kann, die unberechenbaren Stürme lassen ihn bedrohlich aufschäumen, und er hat schon manch arglosen Hobby-Segler verschlungen.
Doch die Gefahr lauert auch anderswo. Wir wissen es aus den ersten beiden Romanen der Rosen-Trilogie von Hannsdieter Loy. Mit "Rosenmörder", einem vielschichtigen Fall, der Kriminalrat Ottakring aus Rosenheim noch einmal herausfordert, hat er nun diese Trilogie gewohnt spannend
abgeschlossen.
Auch Wolfgang Schweiger hat sich für seinen Roman "Kein Ort für eine Leiche" das Chiemgau als Tatort ausgesucht. Kommissar Andreas Gruber und seine Kollegin Ulrike Bischoff müssen in Trostberg, nur knapp 45 km von Rosenheim entfernt einen tödlichen Treppensturz untersuchen, der zunächst wie ein Unfall aussieht, sich aber bald als Verbrechen mit einem weit zurückliegenden Hintergrund entpuppt. Und irgendwer ist sehr aktiv daran nicht interessiert, daß Gruber den Fall klärt.

Hannsdieter Loy - "Rosenmörder", Emons Verlag, 237 Seiten, Broschur, 9,90 €
www.emons-verlag.de

Wolfgang Schweiger - "Kein Ort für eine Leiche"
, Pandragon Verlag, 230 S., Broschur, 9,90 €
www.pendragon.de

Ebenfalls aus dem Pendragon Verlag kommt eine Sammlung von Kriminalgeschichten, in denen
 
Sandra Lüpkes das Verbrechen ganz im Sinne der EAV immer und überall in Nordrhein-Westfalen aufspürt: von Ostwestfalen bis in die Eifel und vom Siegerland bis an den Niederrhein. Die 13 spannenden,  kompakten Geschichten sind "so unterschiedlich wie die Landschaften, in denen sie spielen", so der Verlagstext zum Buch. Zutreffender kann man es kaum beschreiben, denn jede Geschichte hat ein anderes, neues Gesicht. Sandra Lüpkes zeigt mit dieser kleinen Sammlung eine bestechende Palette ihrer Möglichkeiten.
Nordrhein-Westfalen ist auch die kriminalistische Heimat der Krimi-Reihe aus dem
aufstrebenden Wipperfürther Juhr Verlag. Verleger Daniel Juhr hat schon in der jüngeren Vergangenheit eine gute Hand bei der Auswahl seiner Autoren bewiesen. Zwei neue Romane liegen hier auf dem Tisch.
Hauptkommissar Schneider ist in Martin Kuchejdas "Herbstwind" wieder im Oberbergischen Land auf der Spur des Verbrechens. Eigentlich lernen wir Schneider erst jetzt richtig kennen, denn das
Buch erzählt die Vorgeschichte zu "Frühlingsduft", den wir Ihnen schon vorgestellt haben. Diesmal geht es um einen hinterhältigen Serienmörder, der mit treffsicheren Gewehrschüssen seine Opfer ins Jenseits befördert. Ein Wahnsinniger? Schneider und sein Assistent Kattjer haben einen kniffligen Fall zu klären.
Michael Schreckenbergs "Die Träumer" ruft den Journalisten Bastian Mohr, Lohnschreiber einer PR-Agentur als Ermittler wider Willen auf den Plan. Als Mohr beim Schreiben des Nachrufs auf einen leitenden Angestellten eines Leverkusener Pharma-Unternehmens Widersprüchlichkeiten entdeckt, kann er nicht anders, als nachzuforschen. Er stößt auf geheime Forschungsprojekte, die mit der Manipulation von Träumen zu tun haben, begibt sich in höchste Gefahr und kann bald Wirklichkeit und Traumbilder kaum noch unterscheiden. Wem tritt er auf die Füße - und wird der lebenslustige Mohr selbst zum Opfer? Ein schneller, fesselnder Roman.


Sandra Lüpkes - "In Hermanns Schatten", Pendragon Verlag, 222 Seiten, Broschur, 9,90 €
www.pendragon.de

Martin Kuchejda - „Herbstwind“, Gardez! Verlag/Juhr Verlag, 154 Seiten,  Broschur, € 9,90
Michael Schreckenberg - „Die Träumer“, Gardez! Verlag/Juhr Verlag, 239 S.,  Broschur, € 9,90
www.gardez.de  -  www.juhrverlag.de

Das Autoren-Duo Claus-Ulrich Bielefeld und Petra Hartlieb eröffnet mit "Auf der Strecke" - Ein Fall
für Berlin und Wien bei Diogenes eine neue, höchst unterhaltsame, weil kuriose Krimi-Reihe. Weil der erfolgreiche Schriftsteller Xaver Pucher während der Bahnfahrt von Wien nach Berlin zwar noch in Österreich in seinem Schlafwagen-Abteil mit einer Drahtschlinge erwürgt worden ist, werden wegen der Bedeutung des Falles gleich zwei Ermittler, die unterschiedlicher nicht sein könnten, auf den Fall angesetzt: die Wienerin Anna Habel und der Berliner Thomas Bernhardt. Natürlich geraten die beiden bald aneinander, weil sie sich einfach nicht mögen und völlig verschiedene Ansichten darüber haben, wie man an die Aufklärung des Mordes herangehen sollte. Doch sie müssen sich zwangsläufig zusammenraufen und werden bei ihren Ermittlungen in Wien und Berlin schließlich zum erfolgreichen Team. Nicht nur die Namensgleichheit des Berliner Ermittlers mit einem österreichischen Literaten dient den Autoren dazu, den selbstgefälligen Literaturbetrib gehörig auf die Schippe zu nehmen.

Bielefeld & Hartlieb - "Auf der Strecke", Diogenes, 359 Seiten, Broschur, 9,90 €
www.diogenes.ch

Redaktion: Frank Becker