Appetitanregend

Tatjana Kuschtewskaja - "Die Poesie der russischen K├╝che"

von Frank Becker
Appetitanregend
 
Wer immer auch von einer Reise aus Russland zurück kommt, hat wohl auf die eine oder andere Weise die kulinarischen Spezialitäten der abwechslungsreichen und reichhaltigen russischen Küche von Borschtsch bis Pelmeni und Zharkoje kennengelernt. Und viele Gäste werden sicher in dem Land Tolstois, Gontscharows, Tschechows, Puschkins und Jerofejews, das den größten Teil der europäischen Landmasse ausmacht und eine Vielzahl von Kulturen beherbergt, die gerühmte russische Gastfreundschaft erfahren haben. Die seit 1991 in Deutschland lebende russische Schriftstellerin Tatjana Kuschtewskaja öffnet in ihrem vierten in Deutschland erschienenen Buch das Verständnis für ihre Heimat einmal mit Blicken in den Kochtopf und in den Bücherschrank. In der turkmenischen Wüstenoase Dargan-Ata geboren, verbrachte sie ihre Kindheit in der Ukraine, studierte in Artjomowsk, arbeitete in Jakutien und Moskau und bereiste alle Regionen der vormaligen UdSSR. Sie hat die üppige Beredsamkeit der russischen Literatur und die hohe Kunst der russischen Küche kennen gelernt und zu einer literarisch-kulinarischen Anthologie unter dem Titel ,,Die Poesie der russischen Küche" zusammengestellt.
 
Es ist Literatur, es ist ein Kochbuch, es ist ein bibliophiles Vergnügen: ein die Leselust förderndes und Appetit machendes Buch, das nur zwei Fehler hat: Es läßt einen nicht in Ruhe und dürfte für künftige Gewichtszunahmen verantwortlich sein. Andererseits wird aber auch die Neugier auf russische Literatur geweckt. Denn Tatjana Kuschtewskaja hat die Literatur ihrer russischen Heimat durchforstet und ist bei Puschkin, Gogol und Gontscharow, bei Tolstoi, Pasternak und Jessenin (das sind nur einige der 24 berücksichtigten Autoren) auf literarische Genüsse und kulinarische Literatur gestoßen. Eine Inspiration mag Kuschtewskajas Begegnung mit Anton Tschechows greiser Schwester Maria Pawlowna gewesen sein, die der 6-jährigen einst in Jalta über das Haar strich. Das Rezept für ukrainischen Borschtsch á la Tschechow ist sicher dieser Begegnung zu verdanken. So eine prächtige Anthologie ist kaum ohne Hilfe zu schaffen, und so bedankt sich die Autorin artig bei ihren Eltern für das Aufspüren alter Rezepte.
Ihre Tochter Jana Kuschtewskaja hat das Buch mit 24 stimmungsvollen Linolschnitten illustriert und auch den Buchschmuck gestaltet. Der leidenschaftliche Koch Günther Grass hat es als einer der Ersten auf der Buchmesse 2003 bekommen und festgestellt, daß er noch viel zu kochen hat. Rund 190 Rezepte sind neben den Literaturzitaten versammelt. Das Buch hat 159 Seiten auf feinstem Papier, ist mit Leinenstruktur fest gebunden und hat einen schönen Schutzumschlag. Es ist beim Düsseldorfer Grupello Verlag erschienen und kostet 19,80 €. Prijatnogo appetita!  
 
Tatjana Kuschtewskaja - "Die Poesie der russischen Küche"
© 2003/2005 Grupello Verlag, 159 Seiten, gebunden, mit 24 Linolschnitten, 22,80 €

Weitere Informationen:   www.grupello.de