Gl├╝ck

von Erwin Grosche

Foto © Frank Becker
Glück
 
Ich bin mir sicher, daß man selbst im Glück von einem plötzlich auftauchenden Fahrrad überholt wird. Natürlich werden die Küssenden im Paradies von einer Fahrradklingel aufgescheucht. Geländefahrräder durchfurchen dein Traumland und klingen dich aus dem Traum. Selbst in der unberührten Natur findet man Spuren von Fahrrädern. Es ist zwar bekannt, daß der Polarforscher Amundsen als erster Mensch den Südpol erreicht haben soll, weniger bekannt ist, daß er dort rätselhafte Fahrradspuren fand. Während ich hier noch sitze und diese Miniatur schreibe, fuhren schon elf Fahrradfahrer vor meinem Fenster vorbei. Mein Onkel Edmund hatte mal mit großen Erfolg einen Fahrradverleih betrieben. Er warb dafür immer mit dem Slogan: „Letzter Fahrradverleih vor der Autobahn.“ Einmal überfuhren mich beinahe vier Geländefahrradfahrer. Durch einen Sprung in den Graben rettete ich meinen Hund und mich. „Keine Panik“, sagte einer der Behelmten. „Wir passen schon auf.“ Natürlich war ich am Leben. Fahrradfahrer können auch sehr nett sein, wenn sie nicht Fahrrad fahren. Wo ist mein Platz? Es ist ja auch möglich, durch sportliche und ungewöhnliche Aktionen sein Ansehen zu steigern. Man kann springen, kreischen und zur Seite hechten. Der Akt der Zerstörung trifft immer die Kleinen, Langsamen und Armen. Machen wir uns nichts vor. Die Stille ist dahin. Der Ort ist entweiht. Der Zauber zerstört. Ins Märchenland brechen Panzer ein.



© 2012 Erwin Grosche für die Musenblätter