Mit Frau Meier in die W├╝ste

Manfred Schmidt zum 100. Geburtstag

von Robert Sernatini

© Lappan Verlag
Den Schalk im Gepäck
Manfred Schmidt zu seinem
100. Geburtstag
 
Manfred Schmidt (Kürzel M.Sch.) der in den 1950er Jahren mit seinen witzigen Comic-Geschichten (eigentlich die ersten Graphic Novels in Fortsetzungen) um den furchtlosen Detektiv Nick Knatterton in der Zeitschrift Quick und in den 1960er Jahren mit seinen „Frau Meier...“-Reiseglossen und regelmäßigen Fernsehauftritten einem breiten Publikum bekannt wurde, wäre heute 100 Jahre alt geworden. Die in etlichen Buchausgaben zusammengestellten heiteren Reisereportagen „Mit Frau Meier in die Wüste“, „Frau Meier reist weiter“, „Auf Kreuzfahrt mit Frau Meier“ u.a.m., die viele Jahre lang große Auflagen hatten, waren die zweite Säule für Manfred Schmidts große Beliebtheit.
 
Der Lappan Verlag, Nachfolger des Stalling Verlages, in dem sämtliche „verschmidtste“ Reisereportagen erschienen sind, ehrt den liebenswerten Autor und Zeichner zu seinem 100. Geburtstag mit einer repräsentativen Auswahl aus einigen seiner Bücher. „Reisereportagen“ wurde der Band schlicht genannt, der auf dem Umschlag Manfred Schmidt (1913-1999) mit seiner charakteristischen langen Tabakspfeife zeigt. Es kann nicht wundern, daß der ebenbürtige und ebenso einzigartige Loriot sein lebenslanger Freund war, dessen Vorwort für das „Große Manfred Schmidt Buch“ aus dem Jahr 1973

© Manfred Schmidt
auch diese neue Auswahl adelt. Loriot schreibt darin u.a.: „Jeder Mensch braucht im Leben etwas, das ihn auf dem Boden der Wirklichkeit hält. Diese Aufgabe erfüllt für mich seit vielen Jahren mein Freund Manfred Schmidt. Ich verlöre mich sonst in einem Himmel rosiger Wunschträume, um mich dort womöglich grundlos wohlzufühlen.“
In seinem eigenen „Vorwort als Nachrede“ schrieb Manfred Schmidt damals: „Ich gebe zu: Für Leute, die mit ihren Urlaubstagen ein Maximum an Ferien erreichen möchten, ist die Flugreise ideal. Aber in meinem speziellen Fall liegt die Sache so, daß ich nie Urlaub gehabt habe, wenn auch ahnungslose Engel behaupten, ich hätte nichts anderes gemacht. Nach diesem überlangen, aber notwendigen Vorwort kann ich die Leser nur noch bitten, bei der Lektüre des Buches wohlwollend über diverse Wiederholungen hinwegzusehen. Mein Wortschatz ist ziemlich bescheiden, was damals nicht so sehr auffiel, als die Reportagen im Abstand von einem Monat erschienen. In der konzentrierten Form eines Buches merkt man es wahrscheinlich. Aber ganz so naiv, wie man aufgrund dieser Reportagen annehmen könnte, glaube ich nicht zu sein.“
 

© Manfred Schmidt
Zwischen Hofbräuhaus und Harem

Und das war er natürlich nicht, sonder ein ausgefuchster Reporter, „zwischen Hofbräuhaus und Harem“ (Verlagstext) in allen (auch Kamel-) Sätteln gerecht, von den Nacktstränden Sylts und romantische Rheinfahrten über die geisterhaft nebligen britischen Inseln, die berüchtigten Apachenkeller von Paris, österreichische Heurigenlokale, die Schluchten des Balkan und die Tempel Griechenlands bis zu den Basaren des Maghreb und die ägyptischen Pyramiden. Mit im Gepäck immer der Schalk und der sanfte Spott. Von allem etwas bietet dieses lesenswerte heitere Buch, das dem einen oder anderen (etwas) älteren Leser auch einen Seufzer der Erinnerung entringen wird.
 
Manfred Schmidt – „Reisereportagen“
Mit einem Beitrag von Loriot
© 2013 Lappan Verlag, 346 Seiten, gebunden m. Schutzumschlag, Fadenheftung, mit etlichen zum Teil ganzseitigen Illustrationen – ISBN 978-3-8303-3333-3

Weitere Informationen:  www.lappan.de
Alles zu Nick Knatterton lesen Sie hier: musenblaetter.de/artikel/Knatterton



Im Apachenkeller - © Manfred Schmidt
 
Das Deutsche Karikatur-Museum „Wilhelm Busch“ in Hannover zeigt noch bis zum 21. April eine Sonderausstellung „Nick Knatterton“ zu Ehren Manfred Schmidts.