Reife Gen├╝sse

Ovids "Liebeskunst" - neu ├╝bersetzt

von Konrad Beikircher

Johann Nepomuk Geiger pinx.


Publius Ovidius Naso
Reife Genüsse
Buch II 682-702
 
Der Mann und die Frau:
beide sollen im selben Maß
an der Entspannung sich freuen.
Grauenhaft, wenn nach der Liebe
nicht beide Entspannung empfinden.
Das ist auch der Grund dafür, daß
ich auf Liebe mit jungen nicht steh’.
Grauenhaft, wenn sie Dich läßt,
bloß weil sie denkt,
sie muß Dich halt lassen.
Und trocken den Reim Dir verweigert:
sie denkt nicht ans...
nein, sie denkt nur ans Stricken!
Lust aus preußischer Pflicht:
darauf kann ich gut verzichten.
Keine soll bei mir denken:
„na gut, wenn’s denn sein muß...“
Ich will sie hören, die Laute:
das Gurren, das Stöhnen,
die ihre Lust mir verraten.
„Warte noch“, „Halt es zurück“
Das soll sie mir sagen.
Den Blick will ich sehen:
matt und besiegt, wenn sie
völlig ermattet dann da liegt,
ausgelaugt soll sie sein
und mir sagen: „Nein,
faß mich ein Weilchen nicht an!“
Das sind, allerdings, schon Genüsse
welche die Jugend nicht hat,
solche kennt nur das reifere Alter.
Wer keine Zeit hat, der mag sich
am jungen Wein freuen,
ich bin da mehr der Gourmet
und genieße nach Jahrgang:
je älter, je lieber.
Drängt es Dich also,
die goldenen Früchte zu pflücken,
die reifere Liebe bereithält,
dann lasse Dir Zeit:
Du wirst’s nicht bereuen!
 


Ovids "Liebeskunst" - neu übersetzt von Konrad Beikircher